Diese 4 Startups aus Deutschland zeigen, wie die Mobilität der Zukunft aussehen könnte

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  • Die Tage des Verbrennungsmotors scheinen gezählt
  • Doch die großen deutschen Autobauer haben noch keine überzeugenden Alternativen
  • Vier deutsche Startups zeigen, wie saubere Mobilität aussehen könnte

Die deutsche Autoindustrie steckt in einer Krise - auf die sie bisher kaum Antworten hat.

Städte könnten schmutzige Dieselautos bald aus ihren Zentren verbannen. Der Klimawandel zwingt die Hersteller auch, ihre anderen Modelle radikal umweltfreundlicher zu konzipieren. Die Lösung für die Probleme: Elektroautos.

Noch bieten BMW, Daimler und Co. aber nur wenige überzeugende stromgetriebene Produkte an - auch wenn die Konzerne derzeit Milliarden in E-Mobilitätsforschung investieren.

Das heißt aber nicht, dass Deutschland in Sachen E-Mobilität komplett hinterherhinkt. Was die Konzerne mit ihren komplexen Strukturen und ihrer Bequemlichkeit derzeit nicht schaffen, erledigen zahlreiche Startups: Sie treiben Innovationen im Bereich der umweltfreundlichen Mobilität voran.

Diese vier Projekte junger deutscher Unternehmen solltet ihr kennen.

1. Sono Motors

Eines dieser jungen Unternehmen ist Sono Motors aus München. Am Donnerstagabend hat das Startup sein erstes E-Auto vorgestellt - den Sion. Das Besondere an dem Kleinwagen: Auf dem Dach und an den Türen befinden sich Solarzellen. Die sollen das Auto aufladen - ohne dass es an eine Steckdose angeschlossen werden muss.

Die Zellen auf der Karosserie sollen genug Strom liefern, um damit bis zu 30 Kilometer weit zu fahren. Natürlich nicht an Tagen mit stark bewölktem Himmel.

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Der Sion bietet Platz für fünf Personen (Bild: Sono Moters)

Der Sion soll “vollgetankt” eine Reichweite von 250 Kilometern haben. Die Ladezeit beträgt 45 Minuten. Höchstgeschwindigkeit: 140 Kilometer pro Stunde.

“Der Sion ist ein optimales Auto für Pendler”, sagt Gründer Laurin Hahn der HuffPost. “Mein Vater ist jeden Tag acht Kilometer in die Arbeit gefahren und wieder zurück - für ihn wäre der Sion ideal gewesen.”

Noch ist das Solarauto nur ein Prototyp. Um in Serie gehen zu können, braucht Sono Motors bis Ende 2017 5000 Vorbestellungen. Im Verkauf soll der Sion dann 16.000 Euro kosten - zuzüglich Batterie.

Die kann man entweder mieten oder dazu kaufen. “Die Preise und die Leistungen von Batterien ändern sich so schnell, dass wir diese Variante den Kunden gegenüber fairer fanden.”

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5000 Vorbestellungen sind für die Serienproduktion nötig (Bild: Sono Moters)

2. e.Go Mobile

Zumindest optisch ähnelt der Sion dem Ego Life des Aachener Startups e.Go Mobile. Konzipiert haben das Auto Forscher der Rheinisch Westfälischen Technischen Hochschule. Der Kleinwagen soll im nächsten Jahr auf den Markt kommen.

Schon jetzt können Interessenten ihn vorbestellen. Ab dem nächsten Frühjahr soll die Serienproduktion beginnen - im TRIWO Technopark in Aachen. Das Land Nordrhein-Westfalen fördert die Produktionsstätte mit 2,6 Millionen Euro.

Der e.Go Life ist ebenfalls eher für die Stadt konzipiert und weniger für den Road-Trip nach Italien. Der Wagen schafft eine Strecke, je nach Akkugröße, von 100 bis 130 Kilometern bei einer Höchstgeschwindigkeit von 100 Kilometern pro Stunde.

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Ein Stromer, made in Nordrhein-Westfalen (Bild: e.Go Mobile)

Mit Bosch ist außerdem ein namhaftes Unternehmen an dem Projekt beteiligt. Bosch liefert einen Modulbaukasten zu, der aus dem E-Motor, Steuereinheit, Batterie, Ladegerät sowie dem Display besteht.

Der e.Go Life eigne sich besonders für Flotten, wie etwa für Autos von Pflegediensten, schreibt der E-Mobilitätsbranchendienst “Electrive”.

Denn in diesem Bereich hätten bisher bezahlbare Einstiegslösungen gefehlt. Der Dienst empfiehlt: “Die etablierten Autohersteller sollten das Projekt im Auge behalten.”

3. aCar

Auch das aCar ist an einer Universität entstanden - der TU in München. Doch im Gegensatz zum Sion und dem e.Go Life ist es kein Stadtauto für Industrieländer. Die Münchner Wissenschaftler haben ein Auto für die ländliche Bevölkerung in abgelegenen Gegenden mit schlechter Infrastruktur entwickelt. Zum Beispiel für afrikanische Länder südlich der Sahara.

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Das aCar ist besonders für unwegsames Gelände entwickelt (Bild: TU München)

“Das Fahrzeug wird mit modular integrierbarer, digitaler Technik einen besseren Zugang zur Gesundheitsversorgung, zu Bildung und Informationen in den abgelegenen Gebieten ermöglichen”, heißt es bei Entwicklern der TU München.

Auch das aCar lässt sich durch ein Solarpanel laden. Dank verschiedener Dachaufbauten können die Besitzer es für ganz unterschiedliche Zwecke nutzen: Für den Ackerbau etwa.

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Das Auto soll mit verschiedenen Modulen angeboten werden (Bild: TU München)

Das aCar soll rund 50 Kilometer pro Stunde fahren können. Die Reichweite liegt bei 80 Kilometern.

Der Plan ist es, das aCar vor Ort zu produzieren, um die Kosten so gering wie möglich zu halten. Das Entwicklungsteam plant einen Verkaufspreis von unter 10.000 Euro - der Preis für die Solarmodule kommt oben drauf.

Die Frage aber bleibt: Wie viele Menschen in den armen Ländern können sich so ein Auto leisten?

4. StreetScooter

Der StreetScooter ist streng genommen wohl kein Startup mehr - aber eine große Erfolgsgeschichte. Der Wagen wurde, wie auch der eGo Life, von Forschern der RWTH Aachen entwickelt. Dort gründeten zwei Professoren 2010 die Forschungsinitiative StreetScooter.

Ziel war es, das erste E-Fahrzeug extra für Kurzstrecken zu bauen. Mittlerweile ist aus der Forschungsinitiative ein eigenes Unternehmen geworden. Ende 2014 kaufte die Deutsche Post StreetScooter.

Eigentlich wollte die Post E-Autos für die eigene Flotte kaufen, fand aber offenbar keinen passenden Anbieter. Also beschloss sie, selbst ein eigenes Elektro-Fahrzeug zu entwickeln.

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Der Street Scooter (Bild: Deutsche Post)

StreetScooter entwickelte daraufhin den StreetScooter Work, einen bis zu 80 Stundenkilometer schnellen Kastenwagen mit einer Reichweite von bis zu 80 Kilometern. Je nach Modell kann der Wagen mit 650 bis 1000 Kilo beladen werden - optimal für den Transport von Paketen.

Langfristig will die Deutsche Post ihre gesamte Flotte durch StreetScooter ersetzen. Schon in diesem Jahr sollen 10.000 Fahrzeuge vom Band laufen. Im April kündigte die Post an, mit Hilfe einer zweiten Produktionsstätte die Kapazität auf 20.000 Autos pro Jahr zu steigern.

Außerdem soll der StreetScooter bald auch für externe Kunden, zum Beispiel Kommunen, erhältlich sein. Der Fischgroßhändler Deutsche See hat schon 80 Stück geordert. Der Verkaufspreis liegt bei 32.000 Euro.

Mehr zum Thema: Bei diesen Argumenten der Gegner von Elektro-Autos solltet ihr besonders vorsichtig sein

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(br/ll)

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