"Früher hätte man sie aufgeknüpft": Trump-Sprecher Scaramucci wettert in wirrem Interview über "Verräter" im Weißen Haus

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SCARAMUCCI
"Früher hätte man sie aufgeknüpft": Trump-Sprecher Scaramucci wettert in wirrem Interview über "Verräter" im Weißen Haus | Joshua Roberts / Reuters
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  • Anthony Scaramucci ist seit knapp einer Woche Donald Trumps neuer Kommunikations-Chef
  • Das Ergebnis ist eine Anhäufung wirrer und paranoider Tiraden
  • In einem Interview hat Scaramucci jetzt eine vermeintliche Verschwörung im Weißen Haus angeprangert - mit drastischen Worten

Anthony Scaramucci ist ein extravaganter Mann. Einer, der mit überladenen Gesten und grellen Aussagen versucht, der Welt Donald Trump zu erklären. Gelingen will das dem neuen Kommunikationschef des US-Präsidenten nicht - zu fahrig, zu überdreht waren seine bisherigen Auftritte in der Öffentlichkeit.

Knapp eine Woche ist Scaramucci im Amt
, und schon scheint es, als würde er an einer Art Verfolgungswahn leiden. An einer Paranoia, die ihn zur Jagd auf mutmaßliche Verräter und Verschwörer im Weißen Haus treibt.

Ein wirres Interview des 53-Jährigen mit dem Sender CNN am Donnerstag macht das deutlich.

Scaramucci gegen Reince Preibus

Scaramucci wetterte darin einmal mehr gegen die Mitarbeiter im Weißen Haus, die Geheimnisse über die US-Regierung ausplaudern würden. "Früher, vor 150 Jahren, hätte man sie aufgeknüpft", schimpfte er.

"Es gibt Menschen innerhalb dieser Regierung, die glauben, ihr Job sei es, Amerika vor diesem Präsidenten zu retten", ereiferte sich der Trump-Sprecher weiter - und meinte damit wohl vor allem Donald Trumps Stabschef, den Republikaner Reince Priebus.

Auf den hat es Scaramucci seit seinem Amtsantritt abgesehen. Am Mittwoch twitterte Scaramucci: "In Anbetracht dessen, dass meine finanzielle Offenlegung veröffentlicht wurde, was ein Gesetzesbruch ist, werde ich das FBI und das Justizministerium kontaktieren." Den Tweet schickte er direkt an Priebus - und löschte ihn wenig später.

Das die Veröffentlichung seiner finanziellen Offenlegung eine Standardprozedur für Mitarbeiter des Weißen Hauses ist, schien Scaramucci nicht bewusst zu sein. Zurücknehmen wollte er am Donnerstag im CNN-Interview seine Angriffe auf Priebus jedoch nicht.

Angesprochen darauf, ob dieser ein Geheimnisverräter sei, sagte Scaramucci: "Ich kann für mich sprechen, er wird für sich und sein Handeln sprechen müssen."

Falls Priebus erklären wolle, er sei kein Verräter, dann solle er das tun.

Hat Trump Scaramucci auf Priebus angesetzt?

Doch damit nicht genug. Scaramucci, genannt "Mooch", sagte über seine Beziehung zu Priebus, sie sei wie die der biblischen Brüder Kain und Abel.

Wohlgemerkt: Kain ermordete Abel. "Ich weiß nicht, ob sich das Verhältnis noch retten lässt", sagte Scaramucci daraufhin, "das wird der Präsident entscheiden müssen."

Dieser scheint selbst kein großer Fan von Priebus zu sein. Zumindest erlaubte er Scaramucci dessen Angriffe auf den Stabschef bei CNN, wie der Trump-Sprecher nach dem Interview einem Journalisten bestätigte.

Hat Donald Trump seinen Sprecher also auf Priebus angesetzt? Will er seinen Stabschef loswerden? So, wie er derzeit anscheinend versucht, den US-Justizminister Jeff Sessions loszuwerden?

Noch stehen die Antworten auf diese Fragen aus. Der Mann, der sie geben kann, der sie geben sollte und müsste, heißt Anthony Scaramucci.

Das neuste Paradox im Trump'schen Politchaos: Ein paranoider Selbstdarsteller vertritt einen paranoiden Selbstdarsteller. Das Ergebnis entspricht dabei, so zeigt es Scaramuccis wirres CNN-Interview, den ohnehin niedrigen Erwartungen.

Mehr zum Thema: Trump erkundigt sich schon jetzt, wie er verhindern kann, dass er aus dem Amt geschmissen wird

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