NACHRICHTEN
27/07/2017 18:04 CEST | Aktualisiert 28/07/2017 00:50 CEST

Schon 1996 hat Steve Jobs ein Problem beschrieben, das jetzt der Autoindustrie zum Verhängnis werden könnte

Lou Dematteis / Reuters
Schon 1996 hat Steve Jobs ein Problem beschrieben, das jetzt der Autoindustrie zum Verhängnis werden könnte

  • In einem Video aus dem Jahr 1996 beschreibt Steve Jobs ein Problem von Konzernen in Monopolstellung

  • Der Journalist Richard Gutjahr ist der Meinung, dass sich Jobs' Analyse auch auf die deutsche Autoindustrie anwenden lässt

Die deutsche Autoindustrie ist in Aufruhr. Dieselgate, Dieselfahrverbote, Kartellgerüchte - die Probleme der Branche häufen sich.

Wie konnte es soweit kommen? Der Journalist Richard Gutjahr hat auf Twitter ein Video von Apple-Gründer Steve Jobs aus dem Jahr 1996 geteilt. Darin beschreibt Jobs ein Problem, das mitverantwortlich für die Krise der deutschen Autoindustrie sein könnte.

Eigentlich spricht Jobs in dem Film über die Monopolstellung großer Konzerne wie Pepsi, IBM und Xerox. Doch Gutjahr meint, dass sich das auch auf die Autoindustrie übertragen lasse.

Jobs argumentiert wie folgt: Konzerne in Monopolstrukturen entwickeln ihre Produkte nicht weiter - weil sie das aufgrund ihrer sehr bequemen Stellung im Markt gar nicht müssen. Stattdessen investieren sie in Marketing und Vertrieb. Wenn ein Unternehmen nun ein Monopol oder Quasi-Monopol habe, dann seien die Marketer und Vertriebler gefragt - nicht die Produktentwickler.

Für Tech-Unternehmen gilt nicht das gleiche wie für Pepsi

Schlussendlich würden die Experten aus dem Marketing das Unternehmen voranbringen - und es letztendlich irgendwann leiten. Das sei zwar für ein Unternehmen wie Pepsi in Ordnung, denn das Getränk müsse nicht zwingend weiterentwickelt werden. Für Tech-Unternehmen, in Jobs' Beispiel IBM und Xerox, gelte das jedoch nicht.

Die Unternehmen würden auf lange Sicht vergessen, wie man großartige Produkte entwickelt, erklärt Jobs. Denn die Produktentwickler seien ja nicht in Entscheidungspositionen. Kurz: Die Unternehmen verlieren ihre Innovationskraft. “Genau die Genialität, die sie so erfolgreich gemacht hat, wird ausgerottet”, sagt Jobs.

Keine großen Innovationen

Auch auf die deutsche Autoindustrie kann Jobs Argumentation bezogen werden. Jahrelang saßen die großen Autohersteller auf ihrem hohen Ross, verließen sich auf ihre existierenden Produkte - und steckten unfassbare Budgets in Marketing und Werbung.

Dass sie ihre Produkte aber mit großen Innovationen weiterentwickeln, daran dachten sie offenbar nur am Rande. Natürlich gab es Verbesserungen - die großen Neuerungen blieben aber aus.

Auch deshalb dürften Unternehmen wie Google einen Vorsprung bei der Technologie für selbstfahrende Autos haben, auch deshalb hat Tesla wohl bei der Batterie-Entwicklung für E-Autos die Nase vorn.

Das heißt: Die deutschen Autobauer müssen wohl radikal umdenken - nicht nur in ihrer Strategie sondern auch, was die Struktur betrifft. Sonst wird ihnen das von Jobs beschriebene Problem zum Verhängnis.

Mehr zum Thema: Dieselautos könnten ihre Zulassung verlieren - warum das erst der Anfang radikaler Veränderungen für die deutschen Autofahrer ist

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Sponsored by Trentino