NACHRICHTEN
27/07/2017 16:06 CEST | Aktualisiert 08/08/2017 10:19 CEST

In diesen Ländern sollen bald keine Autos mit Diesel- und Benzinmotoren mehr fahren

Maxiphoto via Getty Images
In diesen Ländern sollen bald keine Autos mit Diesel- und Benzinmotoren mehr fahren

  • Immer mehr Länder haben verkündet, in den nächsten Jahren keine Autos mit Verbrennungsmotoren mehr zuzulassen

  • Stattdessen sollen Hybrid- und Elektroautos zukünftig das Straßenbild bestimmen

  • Zu den Ländern zählen bisher Großbritannien, Frankreich, die Niederlande, Indien, China und Norwegen

Auf dem Automobilmarkt bahnt sich langsam aber sicher eine Revolution an. Länder haben bereits angekündigt, in den nächsten Jahrzehnten den Verkauf von Autos mit Verbrennungsmotoren zu verbieten - und etliche weitere könnten schon bald folgen.

Zwar bleibt der Verbrennungsmotor auf absehbare Zeit immer noch der wichtigste Antrieb, doch die Zukunft gehört klar dem Elektromotor.

Doch trotz Forderungen von Linken und Grünen sowie des Bundesrats hat die Bundesregierung bisher noch keinen konkreten Zeitraum genannt, wann der Verkauf von Verbrennungsmotoren hierzulande verboten werden soll. Und das, obwohl die Automobilindustrie der mit Abstand wichtigste Wirtschaftszweig in Deutschland ist.

Berlin sollte sich an diesen Ländern ein Beispiel nehmen:

1. Großbritannien

great britain car

Am 26. Juli bestätigte der britische Umweltminister Michael Gove, dass Großbritannien ein Verkaufsverbot von Diesel- und Benzinautos bis zum Jahr 2050 plane.

Laut der britischen Zeitung "The Times" zufolge sollen unter das Verbot auch Hybrid-Autos fallen, die neben einem Elektro- mit einem Benzin- oder Dieselmotor ausgestattet sind. Zur Verbesserung der Luftqualität seien dann nur noch Elektroautos auf britischen Straßen erlaubt.

"Die Konservativen haben in ihrem Manifest versprochen, dass bis 2050 keine Diesel- oder Benzinfahrzeuge mehr auf unseren Straßen sind“, erklärte Gove. Er fügte hinzu: "Schlechte Luftqualität ist das größte Risiko für die Volksgesundheit in Großbritannien, und diese Regierung ist entschlossen, in kürzester Zeit entschiedene Maßnahmen zu ergreifen."

London gehört zu den europäischen Hauptstädten mit der schlechtesten Luftqualität. Bereits am 5. Januar wurde dort die jährliche Luftverschmutzungsgrenze der EU überschritten. Der Bürgermeister der Stadt, Sadiq Khan, sagte damals: "Die Luft in London ist ein Killer."

2. Frankreich

france car

Bereits drei Wochen zuvor hatte der französische Umweltminister Nicolas Hulot bei der Vorstellung des Klimaplans seiner Regierung verkündet, dass Frankreich den Verkauf von Autos mit Verbrennungsmotoren bis 2040 stoppen will.

Nach der Abkehr der USA vom Pariser Klimaabkommen wolle Frankreich die eigenen Klimaschutzziele verschärfen, das Land solle bis 2050 CO2-neutral werden. Das bedeutet, dass nur so viel klimaschädliches CO2 ausgestoßen wird, wie etwa durch Wälder und Speichertechniken aus der Atmosphäre geholt werden kann.

Wie im Wahlprogramm von Präsident Emmanuel Macron angekündigt, sollen bis 2022 die verbliebenen Kohlekraftwerke in Frankreich geschlossen werden. Die Regierung will Geringverdiener mit einer Prämie unterstützen, damit diese ihre alten Autos gegen neue, saubere Modelle eintauschen können. Die Besteuerung von Diesel und Benzin soll angeglichen werden - bislang gibt es wie in Deutschland einen Steuervorteil für Diesel-Treibstoff.

3. Niederlande

amsterdam car

Auch in den Niederlanden deutet alles darauf hin, dass bald überwiegend emissionsfreie Autos das Straßenbild bestimmen werden. Eine Mehrheit des niederländischen Parlaments unterstützte die von der Regierungskoalition vorgestellte Energie-Agenda, die im Dezember letzten Jahres vorgelegt wurde.

In der Agenda heißt es, dass ab 2035 nur noch elektrische, lokal emissionsfreie Neuwagen verkauft werden sollen. Der damalige Wirtschaftsminister Henk Kamp erklärte, dass die Niederlande bis 2050 nahezu frei von CO2-Emissionen werden solle.

Außerdem sei geplant, dass ab 2017 der elektrische Schienenverkehr nur noch mit grünem Strom versorgt werden solle und ab 2025 sollen alle Busse im ÖPNV emissionsfrei fahren. Dazu soll es alle 25 Kilometer eine Stromtankstelle geben.

Die Verhandlungen liegen jedoch derzeit auf Eis, da seit den Wahlen im März bis heute keine neue Regierung gebildet worden ist.

4. Indien

india car

Obwohl Indien lange ein weltweites Klimaabkommen ablehnte und erst im Oktober letzten Jahres das Pariser Abkommen unterzeichnete, ist Neu-Delhi mittlerweile sehr um eine effektive Klimapolitik bemüht.

Im Juni wurde auf dem Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos bekannt, dass ab 2030 alle neu verkauften Autos in Indien mit einem elektrischen Antrieb ausgestattet sein müssen. Damit will die indische Regierung den Benzin- und Dieselverbrauch radikal eindämmen.

Die Vorteile sind enorm: Indien könnte damit seine Umweltverschmutzung radikal reduzieren – laut dem WEF sterben in Indien jährlich über eine Millionen Menschen an der Luftverschmutzung. Außerdem müsste das Land sehr viel weniger für den Import von Öl ausgeben.

60 Milliarden Dollar könnten so 2030 eingespart werden, berichtet das WEF. Und schließlich würde Indien seinen CO2-Ausstoß im Verkehrssektor um rund 40 Prozent senken, wenn die Menschen nach und nach auf elektrische Mobilität umsteigen.

5. China

china car

Seit zehn Jahren führt China die Liste der größten Kohlenstoffdioxidemittenten an, was man in den chinesischen Mega-Städten auch zu spüren bekommt. Doch erstmals konnte die Volksrepublik auch den ersten Platz im Gesamtranking des "Index Elektromobilität" der Unternehmungsberatung Roland Berger und des Kraftfahrwesen Aachen (FKA) belegen.

Und das aus gutem Grund: Im vergangenen Jahr verdoppelte sich die Zahl der verkauften Elektroautos auf 350.000, doch auch zehntausende Elektrobusse und 100.000 öffentliche Ladepunkte konnte China mittlerweile verbuchen.

Deshalb nennt Peking auch ambitionierte Ziele: Bis 2025 sollen 15 bis 20 Prozent der verkauften Neuwagen E-Fahrzeuge sein – und bis 2030 sogar 40 bis 50 Prozent.

6. Norwegen

oslo car

Seit im letzten Jahr das norwegische Parlament ein Gesetz verabschiedete, dass die Zulassung von Autos mit Verbrennungsmotoren bis 2025 verbietet, hat sich viel getan.

In keinem anderen Staat in Europa werden gemessen an der Bevölkerung so viele Elektroautos verkauft. 15 Prozent aller neu zugelassenen Personenwagen fahren mit Strom.

Grund dafür sind vor allem die Steuervergünstigungen auf Elektroautos: Wer eins erwirbt, muss weder 25 Prozent Mehrwertsteuer noch eine Anschaffungssteuer bezahlen. So sind allein schon 80 Prozent der in Norwegen verkauften Volkswagen Plug-in-Hybride, schreibt die "Zeit".

Dass die teure Limousine Tesla S häufig anzutreffen sei, liege daran, dass sie mit dem Steuerverzicht des Finanzministeriums billiger sei als ein BMW der Fünfer-Reihe hierzulande: umgerechnet 75.000 Euro.

Passend zum Thema: Bei diesen Argumenten der Gegner von Elektro-Autos solltet ihr besonders vorsichtig sein

2017-07-23-1500833626-3203653-DerHuffPostWhatsAppNewsletter6.png

Die wichtigsten News des Tages direkt aufs Handy - meldet euch hier an.

(mf)

Sponsored by Trentino