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27/07/2017 19:38 CEST | Aktualisiert 27/07/2017 23:41 CEST

"Identitäre Bewegung" will Flüchtlinge im Mittelmeer abfangen - doch es gibt Probleme

dpa
Schiff der "Identitären Bewegung": Kapitän und Bordcrew zwischenzeitlich festgenommen

  • Der Kapitän und neun Crewmitglieder des Schiffs der "Identitären" sind zwischenzeitlich festgenommen worden

  • Die Mitglieder der rechten Bewegung wollen Flüchtlinge abfangen und nach Afrika bringen

Diese Aktion ging nach hinten los. Die Fahrt des von der rechten "Identitären Bewegung" gecharterten Schiffes musste unterbrochen werden. Nach Medienberichten wurden der Kapitän und neun Besatzungsmitglieder zwischenzeitlich in Nordzypern festgenommen.

Ein Gericht in der Hafenstadt Famagusta habe gegen die zehn Verdächtigen einen eintägigen Gefängnisaufenthalt angeordnet, berichteten die nordzyprische Zeitung "Kibris gazetesi" am Donnerstag. Die deutsche "Taz" und die nordzyprische "Yeni Düzen" berichteten, ihnen werde unter anderem Dokumentenfälschung vorgeworfen.

Mittlerweile ist das Schiff aber offenbar wieder in See gestochen. Die Mitglieder der "Identitären Bewegung" warten auf die Ankunft in Sizilen.

20 Männer aus Sri Lanka hätten Geld für Überfahrt bezahlt

Die Nationalität der Besatzungsmitglieder war zunächst unklar. Allerdings sollen sie keine Einreiseerlaubnis in zypriotische Gewässer gehabt haben. Die Behörden prüfen nun, ob sich die an Bord befindlichen Männern mit falschen Papieren als Seeleute ausgegeben haben.

Zusätzlich zur übrigen Besatzung befanden sich an Bord der "C Star" 20 Männer aus Sri Lanka. Das sagte Ülkü Tasseven gegenüber der ARD-"Tagesschau". Tasseven ist Koordinatorin eines Projekts von SOS-Kinderdörfern und UN-Flüchtlingshilfswerk in Nordzypern.

Pikant: Die NGO "Refugee Rights Association" sei darüber informiert worden, dass die Männer Geld bezahlt hatten, um mit dem Schiff nach Italien gebracht zu werden. Nach Angaben der türkischen Organisation Ankara Degille Lefkosa wurde ein Teil von ihnen von der Polizei zum nordzyprischen Ercan-Flughafen begleitet und flog auf Kosten des Reederers zurück. Fünf der Tamilen sollen in Zypern Asyl beantragt haben.

Beim Kapitän soll es sich um einen Deutschen handeln

Ein Redakteur der "Taz" twitterte derweil, bei dem festgenommenen Kapitän handele es sich um Alexander S., einen ehemaligen Bundeswehr-Marinesoldaten, der in Wien wohne und den "Identitären" nahe stehe.

Die "Identitären" veröffentlichen irritierende Presseerklärung

Die "Identitären"-Gruppe selbst befindet sich derweil auf Sizilien, wo sie auf das Schiff wartet. Die "Identitäre Bewegung" will Migranten abfangen und nach Afrika zurückbringen.

Auf Twitter veröffentlichten die "Identitären" eine Pressemeldung, in der sie ankündigen, ihre Aktion weiterzuführen.

Außerdem behaupten sie, die Crew bestehe aus verschiedenen Nationalitäten und warfen dabei NGOs vor, den Einsatz zu behindern. Ihre "Mission" könnte zwar verzögert, aber nicht aufgehalten werden, hieß es.

Zudem handele es sich bei den 20 Männern um angehende Seemänner, die auf der "C Star einen kostenpflichtigen Trainingseinsatz" machten. Sie hätten zwar bereits in Ägypten von Bord gehen sollen, doch hätten NGOs sie daran gehindert. Wie genau das vonstatten gegangen sein soll, erklären sie jedoch nicht.

Mittlerweile dürfe das Schiff "C Star" wieder in See stechen, berichtet die ARD-"Tagesschau". Das bestätigte Rasih Resat, Chefredakteur der nordzypriotischen Zeitung "Kibris Postasi" der ARD.

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(ll)

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