Fitness-Studio in Güstrow will keine Ausländer aufnehmen - und rudert erst nach Protest zurück

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  • In Güstrow sind am Mittwoch drei mutmaßliche Islamisten in Gewahrsam genommen wurden
  • Noch am gleichen Tag hing in einem örtlichen Fitnessstudio ein rassistisches Plakat
  • Die Empörung blieb nicht aus - auch weil der Betreiber sich nicht klar genug distanzierte

Mecklenburg-Vorpommern gilt nicht als bevorzugtes Rückzugsgebiet von Islamisten. Eigentlich. Denn bei einem Anti-Terror-Einsatz wurden am Mittwoch mehrere Personen in Güstrow und Umgebung in Gewahrsam genommen.

Die Bundesanwaltschaft verdächtigt die drei Beschuldigten, eine schwere staatsgefährdende Gewalttat vorbereitet zu haben. Mecklenburg-Vorpommerns Landesinnenminister Lorenz Caffier sprach von einem "Schlag gegen islamistischen Terror".

Offenbar motivierte einen Güstrower die Polizeiaktion dazu, seine rassistische Abscheu gegen Migranten kund zu tun. In einem örtlichen Fitnessstudio brachte er das fremdenfeindliche Plakat an:

"Liebe Mitglieder. Auf Grund jüngster Ereignisse (Terrorverdacht + Festnahmen) & zum Schutz unserer Mitglieder, werden wir ab SOFORT keine Mitbürger mit Migrationshintergrund mehr aufnehmen. Wir bitten euch um Verständnis. Für Fragen stehen euch gerne zur Verfügung. Euer Easy Fitness Team (Alle Fehler im Original)"

Plakat war "eigener Aushang"

Eine Mitarbeiterin bestätigte gegenüber der HuffPost, dass das Plakat tatsächlich in dem Studio hing. Laut Info-Portal "Endstation Rechts" war es ein "eigener Aushang". Gegenüber der HuffPost wollte sich die Mitarbeiterin nicht zu dem Vorwurf äußern, ob das Plakat tatsächlich von einem Mitarbeiter des Fitnessstudios angefertigt wurde. Sie verwies auf die kurze Stellungnahme auf Facebook.

Dort entschuldigt sich das Sportcenter "in aller Form für den Inhalt, der sich über Facebook verbreitet hat". Das Studio gehört zu einer Fitness-Club-Kette, die in Deutschland, Österreich und Spanien insgesamt 100 Clubs betreibt.

Interessant ist die nachfolgende Passage: "Der an die Öffentlichkeit gelangte Inhalt ist nicht mit uns, den Betreibern des Clubs, abgesprochen und spiegelt auch nicht die Philosophie von Easyfitness wieder."

Die Betreiber distanzieren sich weiterhin von solchen Äußerungen, das Studio stehe auch in Zukunft allen Menschen offen.

"Die Stellungnahme kommt irgendwie zu spät"

Doch vielen geht die Distanzierung nicht weit genug - oder halten sie für unglaubwürdig. "Ehrlich klingt Euer Post nicht. Was mit den Verantwortlichen passiert, dazu schweigt Ihr zudem", beschwert sich ein Nutzer.

Ein anderer betont: "Die Stellungnahme kommt irgendwie zu spät. Diese hätte zusammen mit dem Bild erfolgen sollen, bevor man hier stundenlang viele Kommentare einfach so löscht."

Unklar ist nach wie vor, ob die drei Beschuldigten überhaupt einen Migrationshintergrund haben. Sowohl die Bundesanwaltschaft als auch das LKA wollten sich dazu gegenüber der HuffPost nicht äußern.

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(ll)