"Dunja Hayali": Mesale Tolu ist in der Türkei inhaftiert - ihr Bruder macht der Bundesregierung einen schweren Vorwurf

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HAYALI
Bruder der in der Türkei inhaftierten Journalistin Mesale Tolu macht der Bundesregierung bei "Dunja Hayali" einen schweren Vorwurf | ZDF/Screenshot
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  • In der ZDF-Sendung "Dunja Hayali" diskutierten die Gäste über die angespannte Situation in der Türkei
  • Unter anderem sprach der Bruder der inhaftierten Journalistin Mesale Tolu über deren Schicksal
  • Die Gäste waren uneinig, wie die Bundesregierung mit dem türkischen Präsidenten umgehen soll

Die jüngste Eskalation des Streit zwischen Deutschland und der Türkei ist im Moment Dauerthema in den Medien - so auch in der ZDF-Sendung “Dunja Hayali”.

Zu Gast bei der Journalistin waren dazu der Bruder der in der Türkei in Haft sitzenden deutsch-türkischen Journalistin Mesale Tolu, Hüseyin Tolu, SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann und der ehemalige Chefredakteur der türkischen Tageszeitung “Cumhuryiet”, Can Dündar.

Tolu sprach mit bewegenden Worten über das Schicksal seiner Schwester. Und das ihres zweieinhalbjährigen Sohnes, der ebenfalls im Gefängnis sitzt. Mesale Tolu sei mit 23 weiteren Frauen in einer Zelle untergebracht, berichtete ihr Bruder. Ihr Sohn müsse sich jeden Tag beim Morgenappell als “Gefangener 25” vorstellen.

22 Deutsche wurden seit dem Putsch inhaftiert

Der Vorwurf: Mesale Tolu soll Mitglied einer terroristischen Vereinigung sein. Doch niemand wisse genau, was dahinter stecke - noch nicht einmal ihre Anwälte. “Das sind politische Geiseln”, sagt Hüseyin Tolu. Erdogan würde sie freigeben, wenn die Bundesregierung im Gegenzug türkische Offiziere ausliefere, die nach dem Putschversuch im vergangenen Jahr in Deutschland um Asyl gebeten hatten.

Tolu ist eine von 22 Deutschen, die seit dem Putschversuch am 15. Juli 2016 in der Türkei verhaftet worden sind. Neun davon sind immer noch im Gefängnis. Darunter der deutsch-türkische Korrespondent der Tageszeitung “Die Welt” Deniz Yücel, der seit Februar im türkischen Gefängnis sitzt, sowie der Anfang Juli festgenommene Berliner Menschenrechtler Peter Steudtner.

Tolus Bruder lobte, dass die Bundesregierung vergangene Woche die Tonart gegenüber der Türkei verschärft habe - doch das sei viel zu spät gekommen. “Das hätte die Bundesregierung schon vor fünf, sechs Monaten machen müssen”, sagte er in der Talkshow.

Oppermann sieht die Türkei auf dem Weg zu einem Polizeistaat. “Die Türkei entwickelt sich zum Polizeistaat. Wir haben den Eindruck, dass jetzt Gefangene genommen werden, um Deutschland unter Druck zu setzen“, sagte Oppermann.

"Erdogan ernährt sich von Spannungen"

Der SPD-Mann verteidigte den Kurswechsel der Bundesregierung und gab sich zuversichtlich: Erdogan werde sich letztendlich durch den internationalen Druck bewegen. Oppermann schloss aber aus, die diplomatischen Beziehungen zur Türkei abzubrechen, die Sanktionen würden reichen.

Anders sieht das Dündar. “Erdogan ernährt sich von Spannungen. Es ist aber kein Problem zwischen der Türkei und Deutschland, sondern zwischen Erdogan und der Welt. Erdogan versucht, die Beziehungen zu vergiften. Deshalb fürchte ich mich vor Sanktionen, die die Bevölkerung treffen”, sagte Dündar. Kompromisse würden nicht in das Konzept des türkischen Präsidenten passen.

Und schließlich würden die Druckmittel wie Reisewarnungen oder die Einschränkung von Direktinvestitionen, die sogenannten Hermes-Bürgschaften, auch nicht nur Erdogan treffen. Er warnte vor den Folgen der Sanktionen für die einfachen Menschen. Es gelte die schlechte Türkei zu bekämpfen, nicht die gute, sagte Dündar.

Hier seht ihr die Szene:

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(sk)

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