Wie der todkranke John McCain Trump dabei hilft, Obamacare abzuschaffen

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JOHN MCCAIN
Der Autor der HuffPost vermisst das Format des frĂŒheren John McCain. | Aaron Bernstein / Reuters
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  • John McCain war einer der grĂ¶ĂŸten Gegner von Donald Trump
  • Nun unterstĂŒtzt der Republikaner die Gesundheitsreform des US-PrĂ€sidenten
  • Damit zeigt McCain unabsichtlich auch, wie zynisch die PlĂ€ne von Trump sind

Auf seiner Ranch in Arizona hat John McCain immer eine Flasche Wodka im Gefrierfach seines KĂŒhlschranks.

Wenn GĂ€ste kamen, servierte McCain ihnen mit einer lockeren Bewegung einen Wodka-Tonic, dann ging er in den Innenhof, wo er ein HĂŒhnchen auf einem Grill von der GrĂ¶ĂŸe eines FlugzeugtrĂ€gers legte, wĂ€hrend er die Beach Boys hörte.

Kurzum: John McCain war die personifizierte Coolness. Wie die Amerikaner sagen, war er "Top Gun" bevor es den Film ĂŒberhaupt gab.

Es war der John McCain, den die Presse liebte. Der John McCain, der seinen GÀsten in Arizona Drinks servierte. Der, der 2000 durch das ganze Land fuhr, als er gegen den spÀteren PrÀsidenten George W. Bush bei den Vorwahlen der Republikaner antrat und dabei immer etwas ZitierfÀhiges sagte, immer zugÀnglich war, immer gegen Korruption kÀmpfte.

Ein weiteres Opfer von Donald Trump

Er war auch einer, der andere politische Positionen schÀtzte und sich nicht in ideologischen GrabenkÀmpfe verlor.

Er war ein Republikaner im Reagan-Format, aber einer, der den Krieg gesehen hatte. Er hatte Jahre in einem vietnamesischen GefĂ€ngnis gesessen, es aber geschafft, menschlich zu bleiben. McCain, das muss man wissen, entwickelte sich außerdem in den vergangenen Monaten zu einem der entschiedendsten Gegnern von Donald Trump.

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Ich wĂŒnschte, ich könnte sagen, dass es dieser McCain war, den ich am Dienstag im Senat gesehen habe.

Aber traurigerweise habe ich jemand anderen gesehen: NĂ€mlich ein weiteres Opfer von Donald Trump.

McCain war blass und fahl, eine Folge seines Hirntumors. Er tat sein Bestes, eine leidenschaftliche Rede darĂŒber zu halten, wie wichtig es ist, zumindest ein Maß an Überparteilichkeit, Entgegenkommen, dem Respekt vor den Institutionen und vor der Verfassung, den GrĂŒndern der Nation und vor der beruhigenden und konsensbildenden Rolle des Senats, wiederherzustellen.

30 Jahre saß der Mann aus Arizona im Senat. Er bekam Applaus und Umarmungen dafĂŒr.

McCain unterstĂŒtzt Trumps Gesundheitsreform

Aber dieser Moment war von kurzer Dauer.

Zum einen sprach McCain, nachdem er Trump einen entscheidenden Sieg eingerĂ€umt hatte. NĂ€mlich die gesetzgebende Einwilligung, Obamacare - also die Krankenversicherung fĂŒr alle - zu demontieren, ohne eine handfeste Idee, wie das Gesetz zu erneuern wĂ€re.

Die Strategie des republikanischen MehrheitsfĂŒhrers Mitch McConnell war es, “das Gesetz ins Rollen zu bringen” und erst dann zu entscheiden, wie das neue Gesetz genau aussehen soll. Der Senat befindet sich also derzeit im Blindflug.

Das ist wohl kaum die Art und Weise, wie der Senat funktionieren sollte. Und McCain und alle Mitglieder der Kammer wissen das.

Außerdem empfanden es viele Beobachter als ironisch, dass McCain fĂŒr seinen Hirntumor die bestmögliche Behandlung auf Kosten der Steuerzahler bekommt - dass er aber gleichzeitig nach Washington flog, um ein Gesetz zu unterstĂŒtzen, das die Gesundheitsversorgung fĂŒr Millionen von Amerikanern einschrĂ€nken wird.

Eine Böe im Trump-Sturm

McCains Rede fand aber auch noch aus einem anderen Grund kaum Widerhall.

Sie wirkte wie eine Böe inmitten des Trump-Sturms, der derzeit durch die Institutionen tobt, die der Senator in seiner eloquenten Rede in die Höhe gehoben hatte.

Der PrĂ€sident redet schlecht ĂŒber alle, von denen er glaubt, dass sie ihn bedrohen. Allen voran die Medien, die er als “Fake” bezeichnete. Die Presse-Briefings sind ein Witz.

Die regulĂ€re Reihenfolge der Gesetzgebung im Kongress existiert kaum noch. Der PrĂ€sident beleidigt und schikaniert zudem seinen Justizminister. Mitarbeiter Trumps sprechen außerdem darĂŒber, Robert Mueller zu entlassen, der die möglichen Verbindungen Trumps wĂ€hrend des Wahlkampfs nach Russland untersuchen soll.

McCain ist also der nÀchste, der unter die RÀder von Donald Trump kommt.

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Den frĂŒheren McCain gibt es nicht mehr

Er ist kein Heiliger, wie McCain selbst wohl reumĂŒtig zugeben wĂŒrde.

In der Zeit, in der er 2008 PrÀsidentschaftskandidat wurde, ist er ein hÀrterer Mann geworden. Er tat, was seine Berater ihm sagten und nominierte Sarah Palin, eine absolut unfÀhige Gouverneurin aus Alaska, als seine Vize-Kandidatin.

Dann sandte er seine Gefolgsleute aus, um gegen die Presse zu wettern, die diese Entscheidung in Frage stellte.

Aber ich wĂŒrde lieber ĂŒber den McCain sprechen, der auf einer Veranstaltung 2008 in Minnesota sprach und Obama verteidigte. Dort sagte ihm eine Frau im Publikum, sie hĂ€tte Angst vor Barack Obama, weil er Araber und Muslim sei. McCain sagte ihr, dass er das nicht ist.

"Ich muss Ihnen sagen, Senator Obama ist ein anstĂ€ndiger Mensch und niemand, vor dem Sie Angst haben mĂŒssten, wenn er PrĂ€sident der Vereinigten Staaten wird", sagte McCain.

"Er ist ein anstĂ€ndiger Familienmensch [und] BĂŒrger, mit dem ich lediglich in zentralen Fragen uneinig bin. Das ist alles, worum es in diesem Wahlkampf geht."

Dieser McCain wurde am Dienstag ausgelöscht. Ich sehe ihn nun als das, was er traurigerweise wirklich ist: der letzte Vertreter der alten Ordnung in einer republikanischen Partei, die dem Untergang geweiht ist.

Dieser Text erschien zuerst in der HuffPost USA und wurde von Marie-Theres RĂŒttiger aus dem Englischen ĂŒbersetzt.

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(mf/ben)

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