"Die unehrlichen Deutschen": Britischer Journalist rechnet mit der deutschen Wirtschaft und der Bundesregierung ab

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"Die unehrlichen Deutschen": Britischer Journalist rechnet mit der deutschen Wirtschaft und der Bundesregierung ab | dpa
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  • Große deutsche Firmen wie VW und die Deutsche Bank sind in Skandale verwickelt
  • Der britische Journalist Paul Taylor sieht dadurch die Verhandlungsmacht Deutschlands geschwächt
  • Die Schuld daran trügen nicht nur die Firmen - sondern auch die deutsche Regierung

Wenn sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) demnächst mit einem Staatschef trifft, dürfte sie in Erklärungsnot kommen. Das meint zumindest der britische Journalist Paul Taylor.

In einem Kommentar für das Online-Magazin "Politico" rechnet er mit der deutschen Wirtschaft ab - und auch mit der deutschen Politik.

Deutschlands Konzerne werden von Skandalen geschüttelt - "und es gibt mehr als nur einen Verdacht, dass Berlin lange ein Auge zugedrückt hat", schreibt Taylor. Sein Kommentar trägt den Titel "Die unehrlichen Deutschen".

Deutschland sei wohl weder sauberer noch schmutziger als andere Europäische Staaten. "Aber es ist sicher selbstgerechter", schreibt der Journalist.

Die Deutschen würden es lieben, andere zu belehren. Etwas Schadenfreude könne Taylor da nicht unterdrücken, schreibt der Journalist.

Die deutsche Regierung in Erklärungsnot

Das Problem für Taylor: Seiner Ansicht nach hat die deutsche Regierung in vielen Skandalen die Dinge einfach laufen lassen.

So habe es mehr als einen Hinweis gegeben, dass die deutsche Regierung sich im Autoskandal blind gestellt habe. Die VW-Gruppe hatte über Jahre Abgaswerte manipuliert, Daimler, BMW, Porsche Audi und VW werden Kartellabsprachen vorgeworfen.

Auch in den Skandalen um die Deutsche Bank hätten maßgeblich Behörden in den USA die Ermittlungen vorangetrieben. Das deutsche Geldhaus hat durch fragwürdige Geschäfte die Finanzkrise 2008 mitausgelöst, steht wegen Geldwäsche, der Libor-Affäre sowie Tausender anderer juristischer Baustellen in der Kritik.

Siemens wiederum steht unter Verdacht, entgegen der EU-Sanktionen Gasturbinen auf die von Russland annektierte ukrainische Halbinsel Krim geliefert zu haben. Der Konzern wehrt sich gegen den Vorwurf, die Turbinen seien ohne sein Wissen über Russland dorthin gelangt.

Der "Politico"-Autor hält das für unglaubwürdig. Und für peinlich für die deutsche Regierung. Schließlich habe sie die EU-Sanktionen gegen Russland initiiert.

Image vielleicht nicht im Eimer - aber sicher angekratzt

Wie sehr Deutschlands Verhandlungsmacht angesichts dieser Skandale tatsächlich leidet, ist schwer zu sagen. Sicher ist allerdings, dass Deutschlands Ansehen beschädigt ist.

Schon 2015, als der VW-Skandal bekannt wurde, schrieben Medien weltweit, Deutschlands Image habe gelitten. Da half es wenig, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) das anders darstellte. Überall stand zu lesen, sie spiele den Vorfall herunter.

Das heißt: Nicht nur "Made in Germany", sondern auch Merkels Image hat bereits vor zwei Jahren einen Kratzer bekommen.

Hinzu kommen die neue Vorwürfe, die tatsächlich darauf hindeuten, dass es Deutschland mit dem Kehren vor der eigenen Türe aus Sorge um die eigene Industrie nicht so genau genommen hat.

In Verhandlungen könnten Politiker anderer Staaten das nutzen. So, wie es umgekehrt sicher auch die deutsche Regierung tun würde.

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(mf)

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