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26/07/2017 22:07 CEST | Aktualisiert 27/07/2017 07:02 CEST

Zwei Bundeswehrsoldaten sterben bei Hubschrauber-Absturz in Mali

dpa
Zwei Bundeswehrsoldaten sterben bei Hubschrauber-Absturz in Mali

  • Bei einem Hubschrauber-Absturz in Mali am Mittwoch sind zwei Bundeswehrsoldaten ums Leben gekommen

  • Die Absturzursache sei noch ungeklärt, sagte Verteidigungsministerin von der Leyen

  • Doch die Ministerin steht unter Druck - denn es gab Bedenken beim Einsatz des Hubschraubers

Beim Absturz eines Kampfhubschraubers in Mali sind zwei Bundeswehrsoldaten ums Leben gekommen. Das teilte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) am späten Mittwochabend bei einem kurzfristig anberaumten Pressestatement in Berlin mit.

Die Absturzursache ist noch ungeklärt. Hinweise auf eine Fremdeinwirkung lägen bisher nicht vor, sagte der Stellvertreter des Generalinspekteurs, Vizeadmiral Joachim Rühle.

Der Tiger-Hubschrauber sei gegen 14.20 Uhr 70 km nördlich von Gao abgestürzt. Der Hubschrauber sei ausgebrannt, es habe keinen Notruf aus der Maschine gegeben. Von der Leyen wollte am Abend keine Fragen von Journalisten beantworten.

Mali gilt als gefährlichster Einsatzort

Es handelt sich um die ersten Todesfälle der Bundeswehr in einem Auslandseinsatz seit fast zwei Jahren. Zuletzt waren im September 2015 deutsche Soldaten in Afghanistan ums Leben gekommen. Dort starben seit 2002 insgesamt 56 Soldaten der Bundeswehr.

Mali gilt seit längerem als der derzeit gefährlichste Einsatz der Truppe. Bislang waren die deutschen Soldaten dort aber verschont geblieben. An der Mission beteiligen sich derzeit 875 Bundeswehr-Soldaten. Die Truppe ist in der ehemaligen Rebellenhochburg Gao stationiert.

Die Mission Minusma der Vereinten Nationen (UN) soll zur Stabilisierung Malis und zur Umsetzung eines Friedensabkommens beitragen. Nach Angaben der Bundeswehr umfasst sie derzeit rund 13.000 Blauhelm-Soldaten und knapp 2000 Polizisten. Die Bundeswehr kann sich mit bis zu 1000 Soldaten an dem Einsatz beteiligen, das Mandat erlaubt auch den Einsatz von Waffen.

Mehr zum Thema: Militärhistoriker spricht in "Spiegel"-Interview eine unangenehme Wahrheit über die Bundeswehr aus

Mit den Hubschraubern gab es immer wieder Probleme

Technisches Versagen des Hubschraubers als Unfallursache könnte von der Leyen politisch enorm unter Druck setzen. Sie hatte in ihrer Amtszeit immer wieder die Bedeutung guter Ausrüstung der Soldaten im Einsatz betont. Laut einer Mitteilung von Minusma deuteten erste Erkenntnisse auf technisches Versagen als Ursache des Absturzes hin.

Mit dem Tiger gab es immer wieder Probleme. Zuletzt fehlten Piloten, um das Gerät zu fliegen. Der "Expertiseverlust" werde zunehmend zu einem "flugsicherheitsrelevanten Thema", hieß es im Juni in einem internen Bericht des Kommandos Heer, aus dem der "Spiegel" zitiert hatte.

Eine Handvoll Piloten werde für alle Übungs- und Schießvorhaben sowie Einsätze und einsatzgleiche Verpflichtungen herangezogen. Sie würden der hohen zeitlichen Belastung nicht mehr standhalten, hieß es in dem Bericht.

Bedenken gab es auch wegen der Einsatzbereitschaft der Hubschrauber in der westafrikanischen Hitze. Der Inspekteur des Heeres hatte eine Ausnahmegenehmigung für den Flug unter hohen Temperaturen erteilt, bevor sie am 1. Mai einsatzbereit gemeldet wurden.

Zunächst galt eine maximale Temperaturobergrenze von 43,26 Grad Celsius für den Start der Hubschrauber. Dieser Maximalwert, der sich je nach Luftdruck und Flughöhe berechnet, wurde für den Einsatz in Mali um fünf Grad angehoben.

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(ks)