Die AfD Bayern startet ein Antifa-Aussteigerprogramm - und sie meint das wirklich ernst

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  • Wenn Antifa-Aktivisten aus der linken Szene aussteigen wollen, werden sich viele direkt an die AfD wenden wollen
  • Das glaubt zumindest der bayerische Landesverband der Partei und hat ein entsprechendes Aussteiger-Programm gestartet

Wer seine linke WG satt hat, Demonstrationen gegen Neonazi-Aufmärsche plötzlich blöd findet, und Punk-Parolen nicht mehr hören kann, dem reicht die AfD Bayern nun die helfende Hand

"Deutschland lieben lernen! Antifa Ausstieg jetzt!" prangt es in riesigen Lettern auf einer eigens eingerichteten Internetseite. Was wie eine Satireaktion klingt, meint die AfD in Bayern wirklich ernst. Das bestätigte die rechtspopulistische Partei gegenüber der HuffPost.

afd antifa

"Da sind wirklich Leute für die Hilfe abgestellt. Wenn sich jemand meldet, wird dem geantwortet und geholfen", erklärt der AfD-Bayern-Chef Petr Bystron dem Online-Magazin "Vice". Den Aussteigewilligen wolle man "Rechtsbeistand, psychologische Hilfe, vielleicht ein paar Tipps" geben.

Denn aus Sicht der Partei würden Aktivisten der Antifa diese Hilfe tatsächlich benötigen. So heißt es auf der Website zwar zunächst ungewöhnlich anerkennend: "Bei der Antifa mitzumachen, scheint zunächst nicht verwerflich, sogar gesellschaftlich anerkannt."

Doch dann listet die AfD zahlreiche negativen Auswirkungen auf. "Erfahrungsgemäß" würde die weitere Entwicklung "meist in die Kriminalität" führen: Hausbesetzungen, Straßenschlachten, Brandstiftung oder gar versuchter Totschlag.

Harter Tobak. Bilder vom G20-Gipfel flackern auf.

"Nimm dein Leben in die Hand und nicht den nächsten Pflasterstein"

Aber zum Glück gibt es die AfD. Deshalb: "Wenn du betroffen bist: Übernimm Verantwortung in der Gesellschaft. (...) Nimm dein Leben in die Hand und nicht den nächsten Pflasterstein."

Der Text schließt mit der Aufforderung und einem Kontaktformular, "Wir hören zu, wir helfen dir!".

Bisher gebe es allerdings nur "wenige" ernsthafte Rückmeldungen, wie die AfD auf Nachfrage mitteilt.

Das könnte auch daran liegen, dass die Partei hohe Erwartungen an die Hilfesuchenden stellt: "Vor dem Gespräch steht der Anspruch, das Grundsatz- und Wahlprogramm gelesen zu haben."

Auch der Verfassungsschutz scheiterte schon

Auch der deutsche Verfassungsschutz musste allerdings schon feststellen: Die Nachfrage nach Aussteigeprogramm scheint in der linksextremen Szene gering zu sein.

Die Behörde hatte 2011 ein "Aussteigerprogramm für Linksextremisten" gestartet.

Ein Jahr später hatte sich ein einziger Linksextremist zum Ausstieg entschlossen - ein junger Mann aus Bayern, wie die "taz" berichtete.

Vielleicht landete der ja bei der AfD.

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(ll)

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