"Spiegel" löscht antisemitisches Buch von der Bestsellerliste - Rechtskonservative wittern Zensur

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FINIS GERMANIA
Der "Spiegel" hat das umstrittene Buch "Finis Germania" von der Bestsellerliste gelöscht. | dpa
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  • Das Buch "Finis Germania" ist auf Platz sechs der "Spiegel"-Bestsellerliste gelandet
  • Nun hat der "Spiegel" das Buch, das Kritiker als antisemitisch einstufen, von der Liste entfernt
  • Dafür erntet das Magazin heftige Kritik

Das Buch “Finis Germania” des Autors Rolf Peter Sieferle hat in den vergangenen Wochen heftige Debatten ausgelöst. Es sei “zutiefst von antisemitischen Vorstellungen“ geprägt, sagte beispielsweise der Politologe Herfried Münkler dem Deutschlandfunk.

Lesen wollten das Buch aber viele: Es landete auf Platz sechs der Bestsellerliste des Magazins "Spiegel", die sich nach den Verkaufszahlen richtet.

Buch verschwindet aus der Bestsellerliste

In der vergangenen Woche aber verschwand das Buch plötzlich aus dem Ranking: Platz sechs der Liste wurde einfach leergelassen, ausgeblendet. Auf Platz fünf folgte also gleich Platz sieben. Dies berichtete die “Welt” am vergangenen Samstag.

Nach Recherchen des Onlinemediums “Übermedien” handelte es sich dabei um eine Entscheidung der Chefredaktion des "Spiegel".

"Die Chefredaktion tut dies nur in absoluten Ausnahmefällen, aber sie hält das Buch für klar antisemitisch, hat dies auch bereits öffentlich geäußert und möchte die Verbreitung nicht unterstützen", heißt es zur Erklärung.

Auch in der Printausgabe werde das Buch nicht auf der Bestsellerliste stehen.

Löschvorgang ohne Vorankündigung

Vor allem konservative und rechtskonservative Kommentatoren kritisierten die Entscheidung. Der ehemalige “Focus“-Redakteur und AfD-Berater Michael Klonovsky klagte über die Methoden der “Literatur-Stasi“. Der Publizist Henryk M. Broder verglich die Vorgehensweise in der "Welt" mit sowjetischen Zensoren.

Doch nicht nur von rechts und aus dem konservativen Lager kommt Kritik. Der Journalist Mats Schönauer schrieb auf "Übermedien", dass der "Spiegel" durch die intransparente Entfernung an Glaubwürdigkeit verloren habe.

"Hätte der 'Spiegel' das Buch wenigstens transparent entfernt, wäre ihm Kritik aus der rechten Ecke gewiss gewesen, doch zumindest hätte er sich in vielen anderen Ecken Glaubwürdigkeit bewahrt. So aber untergräbt er diese nicht nur selbst, sondern gießt auch weiteres Öl ins 'Lügenpresse'-Feuer — und verschafft dem Buch einmal mehr Aufmerksamkeit."

Auch der Medienjournalist Stefan Niggemeier bezeichnet die Maßnahme des "Spiegel" als unfreiwillige Werbung.

Tatsächlich hätte es das Buch "ohne die heimliche Löschaktion" in der folgenden Wochen nicht mehr auf die Bestsellerliste geschafft, heißt es bei "Übermedien" unter Berufung auf die Verkaufszahlen. So aber empfahl es etwa ein AfD-Ortsverband als Lesetipp.

Diskussion um die “Bestenliste des Monats”

Bekannt geworden war "Finis Germania" durch den “Spiegel“-Journalisten Johannes Saltzwedel. Er war dafür verantwortlich, dass das Buch auf die "Bestenliste des Monats” kam. Diese Liste wird seit 15 Jahren von einer Jury herausgegeben, der Journalisten verschiedener Medien angehören, darunter auch des "Spiegel", des NDR und der "Süddeutscher Zeitung”.

Jedes Jurymitglied vergibt Punkte für Bücher, in der Regel werden die Punkte auf verschiedene Publikationen aufgeteilt. Saltzwedel aber hatte alle seine Punkte “Finis Germania” gegeben.

Mehr zum Thema: "Finis Germania" in der Bestenliste: "Spiegel"-Journalist verlässt wegen Empfehlung die Jury

Er habe "bewusst ein sehr provokantes Buch der Geschichts- und Gegenwartsdeutung zur Diskussion bringen wollen", sagte der “Spiegel”-Journalist. Er trat aus der Jury aus.

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(sk)

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