Türkischer Journalist warnt: "Erdogan hat es besonders auf Deutsche abgesehen"

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  • Journalisten befürchten, dass der türkische Präsident gezielt Deutsche verhaften lässt, um die Bundesregierung zu erpressen
  • Oben im Video: Der Journalist Yavuz Baydar zeigt, wie Deutschland darauf reagieren sollte und gibt ein Beispiel aus der Vergangenheit

In der Türkei hat der Prozess gegen 17 Mitarbeiter der regierungskritischen türkischen Zeitung "Cumhuriyet" begonnen.

Ihnen wird vorgeworfen, die PKK, die linksextreme DHKP-C und die Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen unterstützt zu haben.

Die Gülen-Bewegung wird in der Türkei für den versuchten Militärputsch vom 15. Juli 2016 verantwortlich gemacht. Der Auftakt am Montag in Istanbul wurde von scharfer internationaler Kritik begleitet.

Die Vorwürfe seien absurd und haltlos

Reporter ohne Grenzen nannte die Vorwürfe gegen die 17 Angeklagten "absurd". Diese Meinung teilt auch der renommierte Medienrechtler und Journalist Yavuz Baydar.

In einem Interview mit der "Welt" bezeichnete er die Vorwürfe gegen die Zeitungsmitarbeiter als "absurd und haltlos". Der Journalist stellte fest:

"Dieses Verfahren zeigt die tiefe Feindseligkeit der Regierung gegenüber Prinzipien wie Transparenz, der Verantwortlichkeit der Macht und deren Kontrolle durch freie Medien."

Erdogan spreche nur eine Sprache: "die Sprache der Macht, der Gewalt und der Härte", so Baydar. Dementsprechend kompromisslos handle er, um sein Ansehen in der Türkei und der Welt zu stärken und seine Ziele durchzusetzen.

"Er hat es vor allem auf Deutsche abgesehen"

Dies zeigt sich vor allem im Umgang mit der Bundesregierung: Erdogan scheint vor nichts zurückzuschrecken, um seinen Willen durchzusetzen.

Verschiedene Journalisten und Menschenrechtler befürchten, dass der türkische Präsident gezielt Deutsche verhaften lässt, um die Bundesregierung zu erpressen. Das glaubt auch Baydar:

"Ja, er nimmt gewissermaßen Geiseln, um sie dann auszutauschen gegen wen immer er haben will. Nicht nur auf Deutsche, aber besonders auf Deutsche hat er es abgesehen."

Wie solle Deutschland nun reagieren? Baydar nennt ein Beispiel aus der Vergangenheit: Putin. Als die Türkei 2015 ein russisches Kampfflugzeug abschoss, reagierte der russische Präsident in "Erdogans Sprache".

Der Medienrechtler erklärt: "Die russische Reaktion war so hart, dass Erdogan sich beugte."

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