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25/07/2017 23:22 CEST | Aktualisiert 26/07/2017 09:49 CEST

Erdogan bezichtigt Deutschland der Spionage

Umit Bektas / Reuters
Erdogan bezichtigt Deutschland der Spionage

  • Der türkische Präsident Erdogan behauptet, deutsche Spione wollten sein Land ins Chaos stürzen

  • Sein Berater Kalin nennt deutsche Journalisten "Geistesgestörte", andere Pseudo-Journalisten" würden Terror schüren

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat Deutsche der Spionage bezichtigt. In einer Rede vor Abgeordneten wandte er sich am Dienstag mit folgenden Worten an Deutschland:

"Du erlaubst dem Präsidenten und den Ministern der Türkei nicht, in deinem Land zu sprechen, aber deine Agenten kommen und tummeln sich hier in Hotels und zerteilen mein Land."

Der Hintergrund des Vorwurfs

Erdogan und seine Minister würden gerne in der Bundesrepublik zu Deutschtürken sprechen, bekommen aber von der Regierung keine Erlaubnis dazu.

Erdogan hat die Türkei nach dem Putschversuch vor einem Jahr in eine Autokratie umgewandelt und jede Kritik daran mit großer Aggressivität zurückgewiesen. Die Bundesregierung will ihm deshalb keine Bühne bieten.

Mit "Agenten" meinte Erdogan wohl unter anderem den inhaftierten deutschen Menschenrechtler Peter Steudtner. Er war Anfang des Monats festgenommen worden, als er türkischen Menschenrechtlern in einem Hotel bei Istanbul ein Seminar zu IT-Sicherheit gab.

Der Vater von zwei kleinen Kindern, der ausschließlich den deutschen Pass besitzt, wird in Untersuchungshaft festgehalten. Diese kann in der Türkei bis zu fünf Jahre dauern.

Erdogan-Berater nennt deutsche Journalisten "Geistesgestörte"

Erdogans außenpolitischer Chefberater Ibrahim Kalin kritisierte in einem Beitrag für die regierungsnahe Zeitung "Daily Sabah" deutsche Journalisten. Die Berichterstattung zeuge von "verirrten Gedanken Geistesgestörter“.

Auch Außenminister Mevlüt Cavusoglu griff deutsche Journalisten scharf an. Echte Journalisten dürften nicht mit Terroristen unterstützenden "Pseudo-Journalisten" verwechselt werden.

Offensichtlich bezog er sich damit auf den "Welt"-Journalisten Deniz Yücel, der seit Monaten in Haft sitzt. Er hatte im Rahmen seiner Arbeit auch mit Kurden gesprochen. Erdogan wirft ihm deshalb Terrorismus vor.

Forderung nach Respekt

Erdogan sagte außerdem, er erwarte, dass man das Recht der Türkei auf Souveränität achte. Sonst werde man die Antwort auf jede zur Schau gestellte Respektlosigkeit bekommen.

Sollte Berlin wirtschaftliche Maßnahmen gegen die Türkei ergreifen, werde Deutschland "selber einen viel höheren Preis zu bezahlen" haben.

Alle Brücken will die türkische Regierung wohl aber nicht nach Europa kappen - wohl auch wegen der wirtschaftlichen Abhängigkeit.

Erdogan-Sprecher Kalin schrieb: "Eine Beziehung zwischen der Türkei und Europa auf der Grundlage von Vertrauen, gemeinsamen Interessen, Gleichheit und Respekt ist möglich und notwendig. Türken, Deutsche und Europäer müssen hart daran arbeiten, irrationale Haltungen und unverantwortliche Politik zu vermeiden, die am Ende allen wehtut."

Er betonte, es gebe für Deutsche keine Bedrohung bei Besuchen oder Geschäften in der Türkei. Das Auswärtige Amt sieht das inzwischen anders.

Mit Material von dpa

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(mf)

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