US-Präsident Trump will seinen Justizminister aus dem Amt ekeln - ein gefährlicher Plan

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JEFF SESSIONS DONALD TRUMP
Zum Abschuss freigeben: Trump will seinen Justizminister aus dem Amt ekeln - doch der Plan ist gefährlich | Jonathan Ernst / Reuters
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  • Donald Trump hat Justizminister Sessions erneut öffentlich angegriffen
  • Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Sessions gefeuert wird - oder er selbst das Handtuch wirft
  • Doch ein Abgang Sessions würde Trump eher schwächen als stärken

Donald Trump hat seinen Morgen mit einer Attacke auf seinen Justizminister Jeff Sessions begonnen.

Um kurz nach sechs Uhr Ortszeit schickte Trump gleich zwei Nachrichten über den Kurznachrichtendienst Twitter, in denen er gegen Sessions schießt. Erstaunlich: Denn Sessions gehörte bis vor einigen Tagen zu Trumps engsten Vertrauten und Unterstützern - geht Sessions könnte das für Trump ernsthafte Folgen haben.

Noch ist Sessions im Amt. Doch mit jeder Stichelei wird deutlicher, dass dieser zum Abschuss freigegeben ist.

Trump wirft Sessions nun vor, "ukrainische Bemühungen zur Sabotage" seines Wahlkampf übergangen zu haben. Die Maßnahmen sollen Clinton gestärkt haben. "So, wo ist ist die Untersuchung, A.G.", fragt Trump auf Twitter. Die Abkürzung A.G. steht für Attorney General und ist die offizielle Bezeichnung für den US-Justizminister.

Um welche "ukrainischen Bemühungen es geht", ist dabei nicht ersichtlich.

Trump geht öffentlich auf Distanz zu Sessions

In einem zweiten Tweet setzte Trump nach: "Attorney General Jeff Sessions hat eine sehr unentschiedene Haltung gegenüber den Verbrechen von Hillary Clinton (...) und den Whistleblowern aus den Geheimdiensten eingenommen!"

Sessions steht derzeit wegen der Russland-Affäre stark unter Druck.

Und Trump ging bereits in der vergangenen Woche in einem Interview mit der "New York Times" öffentlich auf Distanz zu seinem Justizminister.

Hintergrund ist Sessions' Entscheidung vom März, sich wegen Befangenheit aus den Russland-Ermittlungen des FBI herauszuhalten. Der 70-Jährige hatte sich zu diesem Schritt entschlossen, nachdem seine Treffen mit dem russischen Botschafter Sergej Kisljak öffentlich geworden waren.

Mehr zum Thema: Trump stellt seinen Justizminister Jeff Sessions öffentlich bloß

Trump soll sich schon erkundigt haben, wie er Sessions feuern kann

Wie zahlreiche politische Kommentatoren glauben, legt Trump mit seinem jüngsten Angriff die Basis, um Sessions zu feuern oder ihn dazu zu bringen, zurückzutreten. Trump soll sich bereits bei seinen Beratern erkundigt haben, wie er vorgehen kann. Bisher lehnte es Sessions allerdings ab, zurückzutreten.

Ein Abgang Sessions - in welcher Form auch immer - würde Trump wohl vor allem selbst schaden.

Denn neben einem Aufschrei bei den Demokraten - sie werfen Trump vor, mit der Einschüchterung von Sessions die Ermittlungen in der Russland-Affäre behindern zu wollen - würde wohl auch Gegenwehr aus seiner eigenen Partei kommen.

Denn Sessions ist sowohl bei den konservativen Kongressabgeordneten als auch bei der Parteibasis der Republikaner äußerst populär.

Allein die Wahl des Amtsnachfolgers von Sessions könnte so schon zum Problem werden. Und als ultimativer Schritt könnten sich frustrierte republikanische Abgeordnete gegen Trump stellen - und seine Präsidentschaft noch chaotischer machen.

Trumps Sessions-Bashing ein "nutzloser, selbstzerstörerischer Akt"

Sogar der sonst so Trump-freundliche "Fox News"-Moderator Tucker Carlson bezeichnete Trumps Session-Bashing als "nutzloser, selbstzerstörerischer Akt".

"Den Mann, der einer seiner wichtigsten Unterstützer im Senat war! Der Mann, der geholfen hat, Trumps Einwanderungspolitik zu formen", betont CNN-Kommentator Chris Cillizza.

Trump hatte seinen eigenen Minister Anfang der Woche als "angeschlagen" bezeichnet.

Mit einem Abgang von Sessions würde Trump auch keines seiner Probleme lösen.

Denn auch Sessions Stellvertreter Rod Rosenstein, der im Fall einer Entlassung des derzeitigen Justizministers nachrücken würde, ist nicht die erste Wahl für den US-Präsidenten. Trump hatte Rosenstein sowohl öffentlich als auch im Privaten für dessen Haltung in der Russland-Affäre scharf kritisiert. Das berichtet der US-Sender CBS.

Aus diesem Grund kursierte bereits am Montag der Name von Trumps Langzeit-Verbündetem Rudy Giuliani in den Medien als Ersatz für Sessions. Doch Giuliani erklärte am Montag dem TV-Sender CNN, dass er den Posten des Justizministers nicht wolle.

Vorerst wird Trump wohl mit Sessions leben müssen - die Frage ist, wie lange noch.

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(ben)

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