Das ist der Grund, warum die Grünen im Wahlkampf BMW-Limousinen fahren

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dpa
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  • Die Grünen wollten auch in diesem Bundestagswahlkampf mit Kleinbussen durch Deutschland touren
  • Dabei sollten Vans mit umweltfreundlichen Antrieben zum Einsatz kommen
  • Doch daraus wurde nichts - die Geschichte zeigt, wie rückständig die Autoindustrie in Deutschland ist

Die Grünen müssen sich im Bundestagswahlkampf mit einem Problem auseinandersetzen, das außer ihnen wohl keine andere Partei haben dürfte:

Wie bereits vor vier Jahren wollten ihre Spitzenkandidaten in einem Kleinbus durch Deutschland touren, um auf Stimmenfang zu gehen.

Kampfansage an den Dieselmotor bringt Probleme

Das Problem: 2013 waren die Autos noch mit Diesel unterwegs - das ging in diesem Jahr natürlich nicht mehr. Denn die Grünen haben bei dieser Bundestagswahl dem Dieselmotor den Kampf angesagt.

"Wie keine andere Partei wettert sie gegen die Luftbelastung durch übermäßige Stickoxid-Emissionen vom schmutzigen Diesel", schreibt die "Süddeutsche Zeitung".

Seit ihrem jüngsten Parteitag fassen sie sogar ein konkretes Ende des Verbrennungsmotor ins Auge - ab 2030 soll kein Wagen mit mehr mit fossilem Verbrennungsmotor neu zugelassen werden."

Was also tun?

Wie die "SZ" schreibt, fragten die Grünen mehrere Hersteller an, um einen Kleinbus mit Erdgas- oder Hybridantrieb aufzutreiben.

Die Autos sollten die aktuelle Euronorm (Euro 6) erfüllen, von einem deutschen Hersteller kommen, einen geringen Kraftstoffverbrauch und Schadstoffausstoß haben und reichlich Platz für möglichst sieben bis neun Personen bieten. Doch keine Chance.

Zu wenig Tankstellen, zu wenige Modelle

VW vermeldete einen Engpass beim Hybrid-Passat GTE, BMW empfahl als Alternative zum Diesel einen Benziner. Die Fahrzeugsuche, sagt Grünen-Chef Cem Özdemir, "hat uns noch einmal direkt vor Augen geführt, wie dick das Lastenheft für die deutsche Automobilindustrie im Moment ist".

Sprich: Wer derzeit in Deutschland umweltfreundlich unterwegs sein will, tut sich mitunter sehr schwer.

Schließlich konnte BMW dann doch noch sechs Hybride auftreiben, in denen die Spitzenkandidaten Özdemir und Katrin Göring-Eckardt sowie die Bundesvorsitzenden Simone Peter und der Fraktionsvorsitzende Anton Hofreiter reisen können.

Doch handelt es sich dabei nicht um emissionsfreie Kleinbusse – die hat BMW nämlich nicht im Angebot – sondern um Limousinen: vier BMW 5er Hybride sowie zwei BMW 2er Hybride.

Vielleicht werden die Grünen aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen jetzt ihrem Wahlprogramm noch etwas mehr Nachdruck verleihen, denn in Deutschland ist die Infrastruktur der Elektro- und Erdgasmobilität noch sehr ausbaufähig.

Das kündigte Özdemir auch auf Nachfrage der HuffPost an: "Wir werden bei einer Regierungsbeteiligung dafür kämpfen, dass bei der nächsten Bundestagswahl emissionsfreie Fahrzeuge nicht nur für grüne Wahlkampf-Touren Normalität sind, sondern dass sie auf deutschen Straßen zum Alltag gehören - bezahlbar, komfortabel, ohne Steckerchaos und mit ausreichend Reichweite".

Kehrtwende vom Verbrennungsmotor

International geht der Trend jetzt schon weg vom Verbrennungsmotor. Erst kürzlich kündigte Volvo an, sich in den kommenden Jahren Schritt für Schritt von Fahrzeugen mit reinen Verbrennungsmotoren zu verabschieden.

Von 2019 an werde jedes neue Volvo-Modell einen Elektromotor haben, kündigte der Autobauer Ende Juli an. Zwar relativierte Volvo-Chef Håkan Samuelsson wenige Tage später seine Ankündigung in einem Interview mit der "Wirtschaftswoche", er könne nicht versprechen, dass Volvo bis 2025 hundert Prozent elektrisch sei, doch er halte an seinem Ziel fest, bis dahin "eine Million elektrifizierte Volvo Modelle auf der Straße" zu haben.

Auch in Indien und Frankreich kündigte die Regierung tiefgreifende Veränderungen auf dem Automarkt an: Laut einem aktuellen Plan der Regierung in Delhi, sollen alle neu verkauften Autos ab 2030 mit einem elektrischen Antrieb ausgestattet sein. Damit will die Regierung den Benzin- und Dieselverbrauch radikal eindämmen.

Und auch Frankreich will die Regierung bis zum Jahr 2040 den Verkauf von Benzin- und Dieselautos verbieten.

Das sagte der französische Umweltminister Nicolas Hulot bei der Vorstellung des Klimaplans seiner Regierung Anfang Juni. Sein Plan geht sogar noch weiter: Wie im Wahlprogramm von Präsident Emmanuel Macron angekündigt, sollen bis 2022 die verbliebenen Kohlekraftwerke in Frankreich geschlossen werden.

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