Aldi will Fleisch-Verpackungen besonders vorbildlich markieren, aber das geht nach hinten los

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  • Aldi Nord möchte mit QR-Codes auf Fleischverpackungen mehr Transparenz schaffen
  • Doch dieser Versuch ging nach hinten los - meint zumindest Foodblogger Hendrik Haase
  • Oben im Video: Das steckt hinter den QR-Codes von Aldi Nord

Fleisch aus der Metzgerei kostet zwar etwas mehr als Fleisch aus dem Discounter - doch viele Menschen sind bereit, diesen Preis zu bezahlen, da sie bessere Qualität und humanere Tierhaltung erwarten.

Der Discounter Aldi Nord wollte nun anscheinend genau diese Zielgruppe bedienen und bewirbt das angebotene Hackfleisch mit dem Namen "Meine Metzgerei".

QR-Code für mehr Transparenz

Auf der Verpackung finden die Kunden einen QR-Code, mit dem sie angeblich nachverfolgen können, woher das Fleisch stammt. Der Blogger Hendrik Haase hat dieses Angebot nun getestet und seine Ergebnisse auf Facebook gepostet.

"Wenn ich den QR-Code einscanne, erfahre ich gerade einmal, dass das Rind irgendwo aus Deutschland stammt. Also von einer Fläche von gut 35 Millionen Hektar!", schreibt der Berliner-Foodblogger auf Facebook.

Informationen über Haltungsform, Futter oder Rasse bekomme man durch diese Funktion nicht. Man erfahre lediglich den Lieferanten und den Ort der Schlachtung.

"Meine Schlachtfabrik" statt "Meine Metzgerei"

Demnach wurde das Rind der Marke "Meine Metzgerei" in Husum geschlachtet und in Oldenburg verarbeitet. Dies sind Standorte des Schlachtkonzerns Danish Crown.

In Husum werden nach eigenen Angaben rund 2000 Rinder pro Woche und im Jahr rund 600.000 Rinder geschlachtet. Haase kritisiert, dass unter diesen Umständen statt "Meine Metzgerei" eher "Meine Schlachtfabrik" die richtige Markenbezeichnung sei.

750 Kilometer bis zum Zielort

Auch die Bezeichnung "Qualität und Frische" sei nicht gerechtfertigt. Von Husum fahre das geschlachtete Rind 300 Kilometer nach Oldenburg und anschließend 450 Kilometer nach Berlin - das sei für Hendrik Haase alles andere als "frisch".

Hendrik Haase ist übrigens nicht nur Foodblogger, sondern auch Inhaber einer eigenen Metzgerei in Berlin - und damit im entferntesten Sinne ein Konkurrent von Aldi Nord.

Die Pressestelle von Aldi Nord meinte auf HuffPost-Anfrage: "Gerne würden wir noch konkretere Angaben zur Herkunft des Hackfleischs zur Verfügung stellen. Das Bereitstellen dieser Informationen ist jedoch vor allem für die beteiligten Betriebe ein enormer technischer Aufwand. Als Händler stehen wir am Ende einer komplexen Lieferkette, das heißt wir sind auf die Weitergabe der Informationen jedes einzelnen Betriebes angewiesen."

Und verspricht: "Wir werden weiter daran arbeiten, unsere Kunden noch transparenter über unsere Produkte zu informieren, um ihnen eine bewusste Kaufentscheidung zu ermöglichen."

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(jds)

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