Berührende Fotos: Hier zeigen Mamas, dass sie nicht länger für ihren Körper verurteilt werden wollen

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  • Das "Honest Body Project" der Fotografin Natalie McCain zeigt, welchen Selbstzweifeln viele Mütter ausgesetzt sind
  • Mit wunderbar intimen Fotos will McCain Frauen mit Kindern die Angst nehmen, dass ihr Körper nicht perfekt ist

Die Fotografin Natalie McCain sorgt gerade mit ihrem “Honest Body Project” für Schlagzeilen. Das Projekt besteht aus einer Sammlung intimer Bilder, die Mütter nach der Geburt zeigen. Begleitet werden die Fotos von Textabschnitten, in denen die Mütter über ihre Erfahrungen als Mama und über ihr eigenes Körperbild sprechen.

In ihrer letzten Fotoreihe für dieses Projekt beschäftigt McCain sich mit einem Thema, das viele Mütter nur allzu gut kennen: von anderen beschämt und verurteilt zu werden. Die Fotoserie “Speaking Out” zeigt sechs Mütter, die unter anderem für ihre Körper, ihre Beziehungen oder für ihre Erziehungsmethoden kritisiert wurden.

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“Manche Menschen sind so schnell darin, andere zu verurteilen und zu beschämen, ohne auch nur einmal darüber nachzudenken, was diese Kritik mit der betroffenen Person machen könnte”, sagte die Fotografin der HuffPost.

Die Fotos sollen daran erinnern, wie schnell wir andere verurteilen

“Worte bedeuten sehr wohl etwas. Denn sie können verletzen. Die Frauen in meiner Fotoserie berichten darüber, wie sie wegen ihrer Körper und aus verschiedenen anderen Gründen kritisiert und verurteilt wurden.”

McCain fand die sechs Teilnehmerinnen durch einen Aufruf bei Facebook. Eines ihrer Models ist die Mutter einer engen Freundin. “Sie ist sowohl Mutter als auch Großmutter, und sie ist eine unglaublich tolle Frau", sagt McCain. "Sie wollte unbedingt an der Fotoserie teilnehmen und darüber berichten, dass sie ihr ganzes Leben lang für ihren großen Po kritisiert wurde."

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“Ihre Fotos gehörten am Ende zu meinen Lieblingsbildern der Serie, weil sie so stolz auf ihren Körper war und weil man das auch wirklich sehen konnte”, sagt die Fotografin.

“Mittlerweile hat sie es geschafft, auch diesen Teil ihres Körpers anzunehmen, der ihr früher so verhasst war und für den sie ausgelacht wurde! Wir sollten alle lernen, unsere Körper anzunehmen und uns nicht mehr dauernd den Kopf über angebliche 'Makel' zerbrechen, die andere uns einreden wollen!”

"Wir können nie wissen, was andere gerade durchmachen"

McCain möchte die Betrachter ihrer Fotoserie dazu anregen, einen Moment nachzudenken, bevor sie über andere urteilen.

“Wir kritisieren andere so schnell”, sagt sie. “Wir können jedoch nie wissen, was andere gerade durchmachen, und deshalb ist es falsch, einfach über sie zu urteilen."

Die Menschen sollten sich klar machen, dass es nicht in Ordnung sei, ein Urteil über andere Mamas zu fällen, ohne ihre ganze Geschichte zu kennen. "Kinder großzuziehen ist auch so schon schwer genug, man muss dazu nicht auch noch für jeden kleinen Handgriff kritisiert werden.”

Wenn ihr weiterscrollt, findet ihr mehr Fotos und Textauszüge aus “Speaking Out”. Bei Amazon kannst du McCains in Kürze erscheinendes Buch mit Geschichten und Portraits aus den ersten beiden Jahren von “The Honest Body Project” vorbestellen.

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“Mein jüngster Sohn wurde im März völlig aus dem Nichts heraus mit Typ-1-Diabetes diagnostiziert. Es ist nicht leicht, mit der Krankheit umzugehen, doch wir schaffen es irgendwie. Doch dann kommen die ganzen Kommentare … Die fragenden Blicke, wenn ich anderen erzähle, dass er Diabetes hat.

Kommentare wie: ‘Das kommt davon, dass du selbst Diabetes hast, stimmt’s?’ Nein, habe ich nicht. ‘Dann musst du aber zumindest Schwangerschaftsdiabetes gehabt haben …’ Nein, hatte ich nicht. Bei keinem einzigen meiner Kinder. ‘Sag mal, was hast du denn in der Schwangerschaft gegessen, dass so etwas passieren konnte?’ Die Krankheit wurde nicht durch mein Essverhalten in der Schwangerschaft ausgelöst.

‘Dann liegt es daran, dass du so übergewichtig bist?’ Nein, es hat nichts mit meinem Übergewicht zu tun. ‘Liegt es daran, dass du ihm Säuglingsnahrung gegeben hast?’ Ich stille noch immer meinen mittlerweile dreijährigen Sohn. ‘Ist er vielleicht einfach nur zu faul?’ Mein Sohn ist nicht faul, er ist sogar ein sehr aktiver Junge.

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Doch sie machen einfach weiter und versuchen mir einzureden, dass es an meinem Gewicht liegt und dass ich etwas falsch gemacht haben muss, dass meinem kleinen Jungen so etwas passieren konnte. Ich habe mich nicht gesund ernährt, ich habe nicht genug geschlafen und ich habe auch zu wenig Sport getrieben, als ich mit ihm schwanger war.

Mein Körper hat ihm das angetan. Und weil mein Körper die Figur hat, die er nun einmal hat, wird mein Sohn es später schwer haben. Er wird mit dem Gedanken aufwachsen, dass es in Ordnung ist, dick zu sein, und das wird ihm den Umgang mit seiner Krankheit erschweren.”

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“Ich kann Hunter nicht einfach bei irgendjemandem abgeben, weil seine Krankheit noch zu neu ist. Ich muss alle drei Stunden seinen Blutzucker messen und ich muss ihn zwischen zwei und sechs Mal am Tag festhalten und ihm Insulin verabreichen. Es handelt sich um eine Autoimmunerkrankung. Eigentlich produziert die Bauchspeicheldrüse das Hormon Insulin. Doch sein Körper, also seine Bauchspeicheldrüse, produziert kein Insulin.

Dafür kann niemand etwas. Es könnte jedem Kind passieren. Warum glauben alle, dass das von meinem Gewicht kommt? Was hat MEIN Gewicht mit der Krankheit meines Sohnes zu tun? NICHTS! Wenn ich 1,70 m groß wäre und 54 Kilogramm wiegen würde, wäre dann noch immer mein Gewicht für die Krankheit verantwortlich?”

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“Ich war schon immer eine etwas dickere Frau. Ich habe harte Zeiten hinter mir, denn früher war ich drogenabhängig (mittlerweile bin ich jedoch seit 10 Jahren clean, und zwar seit genau dem Zeitpunkt, an dem ich herausgefunden hatte, dass ich mit meinem ersten Sohn schwanger war). Ich habe meinen Selbstwert komplett verloren, als ich zuließ, dass ein Mann mich schlägt, weil ich dachte, dass mich mit meinem Gewicht sowieso niemand lieben könnte (das Ganze hörte auf, als mein ältester Sohn sich gegen diesen Mann stellte).

Wir wurden von Menschen zurückgewiesen, die uns eigentlich lieben sollten. Doch jetzt geht es uns endlich gut. Es geht mir gut und ich bin aus meinem schwarzen Loch herausgekrochen. Ich versuche meine Gesundheit ganz allgemein zu verbessern, nicht nur mein Gewicht. Und dann dieser Schlag ins Gesicht durch die Diagnose meines kleinen Sohns. Jetzt geht alles wieder von vorne los.

Schlimme Dinge können einem auch dann passieren, wenn man alles richtig macht

Meine Kinder sollen wissen, dass ich stark bin und die ganze Welt soll wissen, dass die Diabetes-Erkrankung meines Sohnes nicht mit meinem Gewicht zusammenhängt! Schlimme Dinge können einem auch dann passieren, wenn man alles richtig macht, egal ob man stillt oder seinem Baby Fertignahrung gibt, ob man schlank ist oder nicht, ob man zur Arbeit geht oder zu Hause bleibt. Wir sollten uns gegenseitig unterstützen, und zwar unabhängig von unserem Gewicht und von den äußeren Umständen.”

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“Ich war schon immer eine schlanke Frau. Solange ich zurückdenken kann, musste ich mir anhören, dass ich keine Brüste und keinen Hintern habe, also gar keine Kurven. Ich bin einfach nur dünn.

Viele Leute waren sich nicht im Klaren darüber, was ihre Worte in mir auslösten, und manche dachten sogar, sie würden mir ein Kompliment machen, wenn wie mich dürr nannten. Am schlimmsten waren diejenigen, die mich mit dieser Aussage bewusst verletzen wollten. Ich wollte auch immer so kurvig sein wie andere Frauen. Doch viele dieser Frauen verfluchten wiederum ihre Kurven und wünschten sich, so dünn zu wie ich.”

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“Als ich schwanger war, sagte man mir anfangs: ‘Oh, dein Bauch ist aber klein!’ Später kamen dann Aussagen wie: ‘Wow! Dein Bauch ist ja riesig! Bist du dir sicher, dass du keine Zwillinge bekommst?!’ (Ich weiß, dass ich nicht die einzige Frau bin, die sich diesen Spruch anhören muss.)

Ich habe den Eindruck, dass die Leute eine total verzerrte Vorstellung davon haben, wie der Körper einer Schwangeren aussehen soll und dass ihnen nicht klar ist, dass auch Schwangere die unterschiedlichsten Figuren und Kleidergrößen haben können, genau wie alle anderen Menschen.

Wir sollten uns dringend von diesem Idealbild eines genormten, unechten, retuschierten und mit Photoshop bearbeiteten Körpers lösen und uns endlich klar machen, dass die wahre Schönheit in jedem von uns liegt. Und bis es so weit ist, wäre es echt nett, wenn die Leute lernen würden, ihre Kommentare und ihre Meinungen über die Körper von anderen Menschen einfach mal für sich zu behalten.”

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“Egal was wir tun, es wird sowieso keiner von uns jemals gut genug für diese Welt sein. Am Ende ist das Gras ja doch nirgends grüner. Du bist entweder zu dünn oder zu dick. Dein Hintern ist entweder zu groß oder zu klein. Deine Brüste sind entweder zu groß, oder sie sind nicht straff genug, oder du hast zu wenig Oberweite. Du bist zu muskulös und schaust zu ‘männlich’ aus, weil du viel Sport treibst, oder du bist dick und faul, weil du keinen Sport treibst.

Wir werden den Erwartungen der anderen niemals genügen, und deshalb sollten wir uns selbst genügen. Wir werden die Grausamkeit dieser Welt niemals komplett abschaffen können, doch wir können etwas gegen sie unternehmen. Wir können anderen Menschen immer und immer wieder zeigen, dass jeder von uns etwas Schönes in sich trägt, und zwar unabhängig von seiner Figur oder Kleidergröße.

"Denkt immer daran, euch selbst zu lieben"

Und wir können ihnen zeigen, dass das Schönste an uns Menschen ist, dass wir alle so unterschiedlich sind. Außerdem können wir uns nur immer wieder gegenseitig darin bestärken, uns selbst mit einem liebevollen Blick zu betrachten. Wir können uns selbst lieben und unseren Kindern als gute Beispiele vorangehen.

Und zu denjenigen, die Kommentare ablassen wie, ‘es ist zwar gut, sich selbst zu lieben, aber Übergewicht ist ungesund’, möchte ich sagen: Zu dünn zu sein ist auch nicht gesund, genauso wenig, wie zu hungern oder permanent Kalorien zu zählen, oder zu viel Sport zu treiben. Und vor allem ist es überhaupt nicht gesund, sich selbst zu hassen.

Es ist toll, wenn man versucht, gesünder zu leben, wenn man auf seine Ernährung achtet und mehr Sport treibt und all das, doch man muss es für SICH SELBST tun, und nicht für andere Leute. Und denkt auf diesem Weg immer daran, euch selbst zu lieben.”

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“Ich bin ein geselliger, intelligenter und lustiger Mensch. Und ich habe einen echt großen Hintern. Mir war nie bewusst, dass ich einen Riesenhintern habe, bis ich in die 5. Klasse kam und ein paar Mädchen mir in aller Deutlichkeit zu verstehen gaben, dass ich einen großen Hintern habe. Sie wiesen mich jeden einzelnen Tag mehrmals darauf hin und waren dabei immer so gemein wie nur irgendwie möglich.

Sie nannten mich Entenarsch und Apfelpopo (diesen Ausdruck hasse ich bis heute). Außerdem warfen sie mir vor, ich würde beim Gehen mit dem Hintern wackeln, um die Aufmerksamkeit der Jungs auf mich zu ziehen. (Da ich damals gerade mal 10 Jahre alt war und Jungs noch eklig fand, verstand ich überhaupt nicht, warum sie so etwas behaupteten.)

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In der Schule liefen sie mir im Flur hinterher und ärgerten mich und wenn ich auf die Toilette ging, terrorisierten sie mich so sehr, dass ich mich irgendwann in der Schule überhaupt nicht mehr auf die Toilette zu gehen traute. Kein einziger Lehrer oder Schulmitarbeiter unternahm etwas, um sie aufzuhalten. Ich kann mich nicht mehr an die Namen dieser Mädchen erinnern und ich weiß auch nicht mehr genau, wie ihre Anführerin aussah.

Mir ist vor allem der Spott im Gedächtnis geblieben und dass ich mich damals immer fragte, was ich eigentlich getan hatte, dass ich das verdiente. Meine Familie musste ein paar Mal umziehen, weil mein Vater seinen Job wechselte. Insgesamt ging ich in drei verschiedene Grundschulen, in eine Mittelschule und in zwei Highschools, von Florida über North Carolina nach Tennessee und schließlich zurück nach Florida. Und in jeder Schule wurde ich für meinen großen Hintern verspottet.”

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“Ich war nicht dick. Ich war sogar ein sehr sportliches Mädchen. Ich ging reiten, ich fuhr kilometerweit mit dem Fahrrad, ich ging viel spazieren, ich lebte auf einem Bauernhof. Ich war also fit, durchtrainiert und gesund. (Anders als jetzt!) Und ich hatte einen großen Hintern. Von den Mädchen wurde ich schikaniert und die Jungs grabschten mir dauernd an den Hintern (oder sie gaben mir einen Klaps).

Schausteller und Richter bei Reitturnieren ließen permanent ihre Kommentare zu meinem ‘prallen Hinterteil’ ab. Auch die Modeindustrie gab mir zu verstehen, dass mein Hintern zu groß war. Röcke waren bei mir hinten immer acht Zentimeter kürzer als vorne und Hosen passten mir gleich gar nicht. Entweder waren sie mir um die Taille herum viel zu groß, oder sie waren mir insgesamt zu eng. Während meine Taille gerade mal 53 Zentimeter maß, betrug mein Hüftumfang 117 Zentimeter. Breite Hüften, ein großer Hintern und dazu noch ein Hohlkreuz. Nicht gerade Modelmaße!”

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“Ich versuchte, meinen Hintern zu verstecken. Ich trug weite T-Shirts, Tellerröcke, dunkle Hosen und ich achtete darauf, nicht vor anderen herzugehen, lauter solche Sachen. Als ich auf dem College war, suchte ich sogar einen Schönheitschirurgen auf, weil ich meinen Hintern verkleinern lassen wollte.

Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie überrascht ich war, als er mir sagte, dass er diesen Eingriff nicht vornehmen könne, da er dafür Muskeln entfernen müsse und dass dies bedeuten würde, dass ich danach nicht mehr richtig gehen könnte. So blieb mir also nichts anderes übrig, als mich mit meiner Rolle als hässliche Außenseiterin zurechtzufinden. Und irgendwann fing ich an, Witze über mich selbst zu machen.

"Plötzlich war es total im Trend, einen großen Hintern zu haben"

Mein Selbstwertgefühl veränderte sich dadurch sehr stark und mir wurde klar, dass ich zwar niemals die Hübsche sein würde, dass ich jedoch die Lustige sein konnte, die einen tollen Charakter hat. Gerade als ich zu dem Schluss gekommen war, dass ich total ekelhaft entstellt war, brachte der Rapper Sir Mix-a-Lot den Titelsong meines Lebens heraus: ‘Baby Got Back’. Da wurde mir klar, dass mein Hintern vielleicht doch gar nicht so hässlich war.

Und plötzlich war es total im Trend, einen großen Hintern zu haben! Dein Hintern ist zu flach? Dann kauf dir Unterwäsche mit speziellen Po-Einlagen! Ich konnte es nicht fassen! Es kamen immer mehr Songs zu dem Thema heraus. Im Radio lief ‘Fat Bottomed Girls’ von Queen herauf und herunter, in Filmen spielten plötzlich Schauspielerinnen mit großen Hintern mit, und mittlerweile passen mir auch Jeans.”

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“Man hört so viel über die Probleme von Frauen mit großen Brüsten. Und nur so wenig über Frauen mit einem großen Hintern. Ich frage mich, woran das liegt? Wie dem auch sei, wir müssen unsere Kinder schützen. Wenn ihr mitbekommt, dass jemand ein Kind oder einen jungen Erwachsenen schikaniert, müsst ihr ihn darauf ansprechen. Ich weiß nicht, was man sonst noch tun könnte.

Und wenn ihr ein Körperteil habt, das nicht der Norm zu entsprechen scheint, dann kann ich euch sagen, dass das nicht stimmt! Hört nicht auf Negativität, selbst wenn sie unter dem Deckmantel von Positivität versteckt ist. Das ist nur eine verdeckte Beleidigung.

Und an all diejenigen, die früher auf mir herumgehackt haben: Eure Meinung interessiert mich nicht mehr. Am liebsten würde ich ihnen sagen: ‘HA! Mein Hintern ist jetzt in Mode, ich bin süß und ich habe einen NASA-Ingenieur geheiratet! Und was ist mit euch, ihr fiesen alten Schlampen???’ Na gut, das würde ich wohl nicht sagen. Aber ich würde es mir denken.”

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“Es machte mich sehr traurig, dass andere nicht das sehen konnten, was ich sah. Dass sie sich nicht mit der Tatsache abfinden konnten, dass wir uns lieben, obwohl wir zwei Frauen sind. Mittlerweile bin ich sehr viel stärker als noch vor sieben Jahren. Ich kann mit den Blicken und dem Getuschel umgehen.

Zum Glück kommt es nicht oft vor. Ich wünschte, ich könnte all den Menschen, die mich in der Vergangenheit verurteilt haben, klar machen, dass das Geschlecht doch keine Rolle spielt. Dass ihnen gesellschaftliche Normen egal sein sollten. Schaut euch unsere Liebe an. Schaut euch unser Glück an. Schaut euch unsere Familie an.

Wir befinden uns im Jahr 2017 und mittlerweile sind eben andere Dinge normal. Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich genau in dieser Zeit leben darf und dass ich mich selbst und meine Liebe nicht mehr verstecken muss.”

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“Mein schlimmstes Erlebnis war Folgendes: Ich unterhielt mich mit der Kundin meines Chefs über eine neue Hochzeitslocation, die ihre Familie demnächst eröffnen wollte. Sie zeigte mir Bilder von der Location und erzählte mir alle Details dazu. Sie sagte, dass die Eröffnung bald stattfinden würde. Das war perfekt für mich, denn ich wollte erst in ungefähr einem Jahr heiraten.

Nachdem die Kundin gegangen war, bat ich meinen Chef, sie nach der Location zu fragen. Mein Chef sagte mir, dass die Familie der Kundin in ihrer Hochzeitslocation keine gleichgeschlechtlichen Eheschließungen gestattete. Ich war den Tränen nahe und unglaublich wütend. Doch ich akzeptierte die Einstellung der Kundin. Wenn jemand so denkt, dann ist das nun einmal so. Doch es versetzte mir trotzdem einen unglaublichen Stich zu erfahren, dass ich diese wunderschöne neue Location nicht bekommen würde, die ich so gerne gehabt hätte, bloß weil ich lesbisch bin.”

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“Ich bin so froh, dass ich mittlerweile keine Angst mehr davor habe, für meine Homosexualität verurteilt zu werden. Als ich mit meiner jetzigen Verlobten zusammenkam, traute ich mich anfangs in der Öffentlichkeit nicht einmal Händchen mit ihr zu halten. Ich hatte zu große Angst, dass jemand uns sehen könnte.

Dass jemand hinter meinem Rücken über mich tuscheln oder Gerüchte verbreiten könnte. Ich war dauernd nervös. Ich brauchte Jahre, um darüber hinwegzukommen. Mittlerweile habe ich überhaupt kein Problem mehr damit, meine Liebe in der Öffentlichkeit zu zeigen. Ich kann mit der Liebe meines Lebens Händchen halten und wir zeigen unseren Kindern, dass jeder genau den Menschen lieben darf, den er sich ausgesucht hat.”

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“Manche Leute können sich einfach nicht vorstellen, wie viel Liebe und Zuneigung man auch einem Menschen gegenüber verspüren kann, der das gleiche Geschlecht hat wie man selbst. Es ist völlig in Ordnung, sich Zeit zu lassen und sich erst einmal an den Gedanken zu gewöhnen, offen dazu zu stehen, dass man homosexuell oder bisexuell ist, oder was auch immer man eben sein will. Wenn du so weit bist, solltest du jedem zeigen, dass LIEBE EINFACH LIEBE IST.”

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“Meine Geschichte beginnt im Alter von neun Jahren, als meine Stiefmutter einen Kommentar dazu abließ, dass ich zu oft vor dem Kühlschrank stand. Obwohl ich noch so jung war, verletzte mich ihre Aussage. Um ehrlich zu sein habe ich ihre Worte nie ganz vergessen, und ich erinnere mich so deutlich daran, welch unangenehmes Gefühl von purer Scham ich damals in der Magengrube hatte, dass ich mich nicht einfach so mit diesem Vorfall abfinden kann.

Ich hatte als Mädchen zu viel Speck auf den Hüften und ein rundliches Gesicht, was man auf Fotos deutlich erkennen konnte. Ich erinnere mich daran, dass ich meine Stiefmutter ansah und mir dachte: ‘Du bist irgendwie anders, und das ist nicht in Ordnung.’ Damals klammerte ich mich an meine Freunde, die sich nur aus Mitleid mit mir abgaben.

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Ich war ein pummeliges, vorpubertäres Mädchen, das jeden Tag einen 14 Kilogramm schweren Rucksack und eine Klarinette mit in die Schule schleppte und immer Hochwasserhosen anhatte, die es nicht nur einmal pro Woche trug. Außerdem hatte ich eine riesige Brille und litt an aufkeimender Akne. Ich war eines der Mädchen, die beim Treppensteigen hinfielen, weil sie die Hände so voll hatten, und über die alle nur lachten, ohne sich auch nur einen Moment lang zu überlegen, ihr zu helfen.”

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“Und so wurde ich mit 14 Jahren, in meinem ersten Jahr an der Highschool, schließlich zu einem Mädchen, das sich selbst hasste und sich für seinen Körper schämte. In meinem Kopf kreisten ständig Gedanken wie: ‘Ich werde niemals hübsch genug sein.’ Oder: ‘Ich bin pummelig und flachbrüstig, außerdem habe ich schiefe Zähne und Akne.’

Diese Gedanken bestimmten über meinen Selbstwert. Sie beeinflussten mich in all meinen Entscheidungen, und traurigerweise tun sie das noch immer sehr viel mehr als ich zugeben will. Eines meiner wenigen Talente ist mein Humor. Ich konnte meine Unsicherheit immer hinter meinem Humor verstecken, und ehrlich gesagt mache ich das auch heute noch so.

Wenn ich einen Witz reiße, sagt meine innere Stimme mir: ‘Neige deinen Kopf nicht zu weit nach hinten, damit sie deine schrecklichen Zähne nicht sehen. Sitz nicht so zusammengekrümmt da, sonst bemerken sie noch deine riesigen Speckrollen. Reib dir bloß nicht durchs Gesicht, sonst fällt ihnen noch deine eklige Erwachsenen-Akne auf.’

Diese Gedanken kann zwar eigentlich niemand außer mir selbst hören, doch ich könnte schwören, dass sie manchmal so laut sind, dass jeder um mich herum sie hören muss.”

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“Die Schwangerschaft bescherte meinem Körper 24 Extra-Kilos und schlaffe Hängebrüste, die ich oft als Pfannkuchen bezeichne. Außerdem ärgere ich mich ziemlich über mich selbst, weil ich in der Schwangerschaft so wenig wert auf meine Gesundheit und Fitness gelegt habe. Ich war gefangen in einer Welt, in der ich mich permanent mit anderen vergleichen musste.

Ich verglich mein Gewicht mit dem Gewicht anderer Frauen. Ich verglich mein Essen und sogar die Vitamine, die ich einnahm, mit dem Essen und den Vitaminen von anderen schwangeren Frauen. Als mein Sohn zur Welt kam, hatte ich Probleme mit dem Stillen. Doch wie sehr ich mich selbst mental und emotional dafür verurteilte, war einfach nur noch schrecklich.

Schließlich musste ich mit Schrecken feststellen, was die Schwangerschaft mit meinem Körper gemacht hatte. Nachdem ich bereits mit postpartalen Depressionen und Problemen mit dem Stillen kämpfte, sah ich, dass meine Brüste bei weitem nicht mehr so straff waren wie früher und dass die Haut an meinem Bauch sich nie wieder komplett erholen würde.

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Und so kam ich schließlich zu der Einstellung: ‘Scheiß drauf, jetzt kannst du auch gleich anfangen zu essen und deinen Körper komplett zerstören.’ Also aß ich und aß ich und hörte nicht mehr damit auf. Irgendwann hatte ich fast wieder dasselbe Gewicht wie in meinem neunten Schwangerschaftsmonat. Alle anderen Mütter hingegen hatten es geschafft.

Sie hatten Kinder zur Welt gebracht und mit scheinbarer Leichtigkeit ihr Gewicht vor der Schwangerschaft zurückerlangt. Ich war die Einzige, die nicht motiviert genug war, um durchzuhalten, also verdiente ich es auch, dick zu sein. Jeden Tag nach dem Aufwachen betrachtete ich mich angeekelt in meinem Ganzkörperspiegel. Und obwohl ich es vor kurzem geschafft habe, 11 Kilo abzunehmen, sehe ich noch immer keine hübsche Frau im Spiegel.

Die Schönheit anderer Frauen erkenne ich hingegen immer sofort, und ich bin oft neidisch darauf. Ich sage oft, dass alle Frauen toll sind, und dass sie Achtung und Respekt verdienen, ganz egal welche Kleidergröße oder Figur sie haben. Meine Geschichte ist noch nicht zu Ende, denn ich verurteile mich nach wie vor selbst für meinen Körper. Doch ich versuche dem Abgrund zu entgehen, in den man sich stürzt, wenn man sich für seinen Körper schämt.”

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”’Ist er euer erstes Kind?’ ‘Ja, und er wird auch unser einziges Kind bleiben.’ Auf dieses Stichwort hin bekomme ich dann entweder einen Blick im Sinne von ‘schon klar’, oder ich höre meinen Lieblingsspruch: ‘Du wirst es dir bestimmt noch einmal anders überlegen, wenn er erst einmal älter ist.’ Nein. Ich werde es mir nicht anders überlegen.

Ich habe einen behinderten Ehemann, der aus medizinischen Gründen von der US-Army in den Vorruhestand geschickt wurde. Ich muss mich jetzt schon jeden Tag um zwei Menschen kümmern. Es ist echt anstrengend, mit einem Kleinkind und einem behinderten Ehemann, der aufgrund einer Wirbelsäulenverletzung permanent an Rückenschmerzen leidet. Es ist ein täglicher Kampf.

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Arzttermine wahrzunehmen, regelmäßig neue MRT-Aufnahmen zu machen und einen Spezialisten nach dem anderen aufzusuchen, damit wir endlich mal eine langfristige Lösung finden, die meinem Mann hilft, während ich permanent mit einem abenteuerlustigen, energiegeladenen Kleinkind kämpfe. Meiner Meinung nach bin ich eine echte Superheldin. Wenn ich also sage, dass unser Sohn unser einziges Kind bleiben wird, dann meine ich das auch ganz genau so.”

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“Manche Leute fragen mich: ‘Aber findest du denn nicht, dass er ein Geschwisterchen braucht? Was, wenn ihm langweilig wird oder er sich einsam fühlt?’ Dann kann ich nur wieder sagen, dass jede Familie anders ist. Jede Situation ist anders. Meinem Jungen geht es gut. Er wird unglaublich geliebt. Er hat Cousins. Er wird irgendwann Klassenkameraden haben. Er wird Freunde haben.

Meinem Mann und mir wird es nicht so schwer fallen, das Geld für seine Turnstunden aufzubringen oder für seine Tagesbetreuung oder für sein Fußball-Camp oder für welche Sache auch immer er sich in Zukunft begeistern wird, weil wir in der Lage sind, seine Talente und Gaben komplett zu fördern, ohne dafür ständig auf dieses oder jenes verzichten zu müssen.

Außerdem finde ich es toll, eine saubere Küchenablage zu haben, und dass nicht mehr überall Babyflaschen und Schnuller herumliegen. Ich genieße es, dass ich die Nächte wieder durchschlafen kann und mich am nächsten Morgen gut erholt fühle. Ich finde es super, dass ich keine Säuglingsnahrung mehr anrühren muss. Ich bin echt froh darüber, dass ich jetzt nicht mehr stillen brauche und dass ich auch kein schlechtes Gewissen mehr haben muss, weil es nicht klappt.

Ich vermisse es nicht, jeden Tag zu weinen. All das fehlt mir überhaupt nicht. Ich möchte diese Dinge nicht noch einmal durchmachen müssen. Ich liebe meinen Sohn. Ich habe das erste Jahr mit ihm genossen, doch ich verspüre keinerlei Bedürfnis oder Verlangen danach, all das noch einmal zu erleben.

Ich verstehe, dass andere Eltern größere Familien haben wollen und sich noch mehr Kinder wünschen. Das ist echt schön. Große Familien sind toll und wunderbar. Genauso wie kleine Familien. Also hört bitte auf, mich dauernd zu fragen, wann ich mein zweites Kind bekommen werde. Fragt mich stattdessen doch lieber, ob ich überhaupt vorhabe, noch ein Kind zu bekommen. Und habt dann aber bitte auch Verständnis für meine Antwort.”

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“Anfangs habe ich mich über die Frage geärgert, wann ich denn mein zweites Kind bekommen will. Ich habe doch gerade erst ein Kind zur Welt gebracht! Warum sollte ich denn jetzt schon über ein zweites nachdenken? Kann ich mich denn nicht erst einmal über mein erstes freuen? Ich hatte mir immer einen Jungen gewünscht, und ich habe ihn auf Anhieb bekommen. Meiner Meinung nach hatte ich damit alles, was ich wollte!

Ich war vollkommen zufrieden mit meiner kleinen Familie. Sie ist perfekt, und zwar genau so, wie sie ist. Als ich dann ständig diese Frage zu hören bekam, fühlte ich mich anfangs unter Druck gesetzt und irgendwann wurde ich richtig wütend. Es weiß doch keiner, wie die finanzielle oder emotionale Situation in einer Familie gerade aussieht. Warum sollte man also eine Mutter unter Druck setzen, die vielleicht auch ohne weiteren Familienzuwachs schon damit kämpft, alles im Griff zu behalten?”

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“Seid offen und habt Verständnis für die Lebensumstände anderer Menschen. Macht euch klar, dass nicht jeder dasselbe Lebensziel verfolgt wie ihr selbst. Bloß weil jemand sein Leben ein bisschen anders gestaltet als ihr, muss das nicht heißen, dass er etwas falsch macht. Er ist einfach nur anders als ihr!”

Alles Fotos: Natalie McCain/The Honest Body Project; Die Zitate wurden bearbeitet und zur besseren Verständlichkeit gekürzt.

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei der HuffPost USA und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.

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