Die Weltkonjunktur wächst wie lange nicht – doch Trump birgt eine große Gefahr

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  • Die Weltwirtschaft soll laut Prognosen des Internationalen Währungsfonds bald den größten Wachstumsschub der letzten zehn Jahre erhalten
  • Das Wachstum der deutschen Wirtschaft soll aber etwas schlechter ausfallen als der europäische Durchschnitt
  • US-Präsident Trump und der Brexit bremsen die Weltkonjunktur jedoch
  • Eine Zusammenfassung seht ihr oben im Video

Die Weltwirtschaft wächst und gedeiht – das ist die Ansicht der Ökonomen des Internationalen Währungsfonds (IWF). Nach ihren Prognosen soll die Weltwirtschaft in den nächsten Monaten so stark wachsen wie seit zehn Jahren nicht mehr.

Die jüngsten Daten deuten darauf hin, dass der Weltwirtschaft der breiteste gleichzeitige Aufschwung des Jahrzehnts bevorsteht, heißt es in dem zweimal jährlich erscheinenden "Weltwirtschaftlichen Ausblick".

Demnach soll die gesamte Weltwirtschaft in diesem Jahr um 3,5 Prozent wachsen und im kommenden Jahr sogar noch einmal um 3,6 Prozent.

Deutsche Wirtschaft wächst langsamer

Dabei habe gerade Europa einen großen Einfluss auf die Weltkonjunktur: "Wir haben die Wachstumserwartungen für 2017 für viele Euro-Zone-Länder nach oben korrigiert“, schreiben Ökonomen. "Unter anderem für Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien, wo das Wachstum im ersten Quartal grundsätzlich stärker war als erwartet.“

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Für die deutsche Wirtschaft jedoch wird ein geringeres Wachstum erwartet als im europäischen Schnitt: Während die Euro-Zone in diesem Jahr um 1,9 Prozent weiter wächst, kann Deutschland mit Steigerung der Wirtschaftsleistung um 1,8 Prozent und 2018 dann um weitere 1,6 Prozent rechnen.

Doch manche Länder betrachtet der IWF als kontraproduktiv für die Weltwirtschaft. Allen voran: die USA.

Trump bremst Weltkonjunktur

So wird die Prognose für die Trump-Regierung auf nur noch jeweils jeweils 2,1 Prozent für dieses und das kommende Jahr veranschlagt, was eine Korrektur nach unten um 0,2 Punkte für 2017 und 0,4 Punkte für 2018 bedeutet.

Als Gründe nennen die Ökonomen die Unsicherheiten, die Trump mit seinem laienhaften Führungsstil und seiner Politik erzeugt. Außerdem sind die Analysten enttäuscht von den geringen Staatsausgaben. So hatte Trump im Mai angekündigt, in den kommenden zehn Jahren 200 Milliarden Dollar in die Infrastruktur zu stecken und damit 800 Milliarden weniger als versprochenen.

Ein anderes Problem könnte vor allem Schwellenländer treffen, die sich in Dollar verschuldet haben, da steigende Zinsen in den USA zu einer größeren Verschuldung führen könnten.

Doch auch Großbritannien bremse durch die Brexit-Verhandlungen die Weltkonjunktur: Die Experten haben ihre Erwartungen für das Vereinigte Königreich massiv um 0,3 Prozent nach unten korrigiert, womit die britische Wirtschaft in diesem Jahr noch um 1,7 Prozent und im kommenden Jahr nur um 1,5 Prozent wachsen soll.

Wachstumsweltmeister ist übrigens China. Das Land soll nach IWF-Prognosen in diesem Jahr um ganze 6,7 Prozent und im nächsten Jahr um 6,4 Prozent zulegen.

Chancen und Risiken

Für den Euroraum gebe es die Chance, dass das Wachstum sogar noch etwas kräftiger ausfallen könnte, wenn die politischen Risiken – wie der Bürgerkrieg in der Ukraine oder der Rechtsruck in Europa – abnähmen.

Andererseits könnte die von Ökonomen erwartete Wende in der Geldpolitik großer westlicher Zentralbanken für viele Schwellen- und Entwicklungsländer Gefahren mit sich bringen.

Und auch Chinas Wirtschaft birgt trotz des enormen Wachstums ein Risiko: die hohe Kreditfinanzierung des Landes berge nämlich Stabilitätsgefahren. Auch der wachsende Protektionismus in der Welt könnte zu gravierenden Problemen führen.

Euro-Zone treibt Weltkonjunktur voran

Gerade die positiven Entwicklungen innerhalb der europäischen Währungsunion haben für den positiven Schub der Weltkonjunktur gesorgt. In der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt blicken Konsumenten und Unternehmen zuversichtlich in die Zukunft.

Die Gründe sind vielfältig: Die Gefahr von politischen Krisen hat sich reduziert, die Auftragsbücher sind – nicht zuletzt dank des Aufschwungs des internationalen Handels – wieder voller und mit der verbesserten Wirtschaftslage rückt auch die Normalisierung der Geldpolitik in Sichtweite.

Das hat wiederum positive Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt: In den vergangenen vier Jahren wurden 4,5 Millionen neue Stellen in Europa geschaffen. Die Jobs entstehen nicht nur im boomenden Deutschland, sondern auch in Frankreich, Irland, in Spanien und sogar in Griechenland.

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(ks)

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