Seehofer schließt Schwarz-Grün nicht mehr aus - und spricht über ein Comeback von Guttenberg

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"Kein angenehmer Partner, aber..." - Seehofer schließt Schwarz-Grün nicht mehr aus | Axel Schmidt / Reuters
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  • CSU-Chef Horst Seehofer schließt in einem Interview ein Bündnis mit den Grünen nicht mehr aus
  • Eine große Koalition will er nach Möglichkeit verhindern
  • Außerdem wünscht er sich die Rückkehr von Guttenberg in die Politik

CSU-Chef Horst Seehofer kann sich eine schwarz-grüne Koalition vorstellen. Das sagt der bayerische Ministerpräsident in der "Welt am Sonntag".

"Natürlich wären die Grünen kein angenehmer Partner", sagt Seehofer. "Aber Wahlergebnisse suchen sich ihre Koalitionen."

Eine Große Koalition hält der CSU-Chef im Interview für keine gute Idee. "Wir brauchen eine starke Regierung und eine starke Opposition", sagt er. Also braucht die Union andere Koalitionspartner als die SPD - und da möchte Seehofer offenbar keine Option ausschließen.

Die "Welt"-Journalisten haken im Interview nach: Würden die bayerischen Wähler die CSU bei der nächsten Landtagswahl nicht für eine schwarz-grüne Koalition abstrafen?

Die Frage hält Seehofer offenbar für lächerlich. "Was ist das denn für eine Micky-Maus-Strategie", sagt er so, als ob er mit einer Koalition im Bund niemals an die Wahl des bayerischen Landtags denken würde. So als wären ihm solche Taktik-Spielchen völlig fremd.

Für den CSU-Chef ist ein Bündnis mit den Grünen nun also vorstellbar. Anfang des Jahres klang das noch anders.

Seehofer polterte hinter verschlossenen Türen

Bei einer Klausursitzung im Januar soll Seehofer hinter verschlossenen Türen eine mögliche Koalition mit den Grünen vom Tisch gefegt haben. Das berichtete damals unter anderem "Focus Online".

Hintergrund dafür waren die umstrittenen Äußerungen der Grünen-Chefin Simone Peter zu den Sicherheitsmaßnahmen der Kölner Polizei in der Silvesternacht. Die Distanz zwischen CSU und Grünen schien Anfang des Jahres zu groß für ein Bündnis. Nun denkt Seehofer offenbar anders darüber.

Schon länger machen die schwarz-grüne Koalition in Hessen und das grün-schwarze Bündnis in Baden-Württemberg vor, dass diese Partnerschaft möglich ist. Auch in Schleswig-Holstein zeigt die Jamaika-Koalition, dass ein Bündnis zwischen der CDU und den Grünen funktionieren kann.

Wie realistisch ist Schwarz-Grün?

Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage käme Schwarz-Grün derzeit auf 48 Prozent, eine regierungsfähige Mehrheit wäre vermutlich möglich. Den Umfragewerten zufolge könnte die Union allerdings auch ein Bündnis mit der FDP eingehen.

Schwarz-Gelb scheint derzeit auch die wahrscheinlichere Option zu sein. Zwar haben die Grünen auf ihrem Parteitag ein Wahlprogramm verabschiedet, das ebenso dem Realo-Flügel wie den Linken in der Partei Rechnung trägt. Auch die Ehe für alle ist ja bereits als Koalitionsbedingung abgeräumt.

Trotzdem sind die inhaltlichen Unterschiede gerade zwischen den Grünen und der CSU noch groß. Um ein Beispiel zu nennen: Die Ökopartei will ab 2030 keine Dieselautos mehr zulassen, die CSU hält pauschale Verbote für das falsche Mittel, um die Umwelt zu schützen.

Nicht umsonst sagt Seehofer also im Interview, die Grünen wären kein "angenehmer Partner".

Dennoch: Der CSU-Chef will sich alle Optionen offen halten. Bereits 2013 hieß es, Seehofer habe bei den Sondierungsgesprächen mit den Grünen eine "beachtliche Geschmeidigkeit" gezeigt.

Und was ist mit Guttenberg?

Im Gespräch mit der "Welt am Sonntag" spricht Seehofer auch noch über eine brisante Personalie. Seehofer würde den ehemaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg gerne nach der Wahl in Berlin sehen.

Seehofer hat ohnehin dafür gesorgt, dass sich Guttenberg im Wahlkampf bei der CSU "Schritt für Schritt" einfädelt, wie er es im Interview nennt. Ende August soll Guttenberg eine erste Wahlkampfveranstaltung für die CSU absolvieren.

Derzeit stehe einer Rückkehr Guttenbergs aber vor allem einer entgegen, sagt Seehofer: Guttenberg selbst. Der 45-Jährige zögere noch, berichteten auch der "Spiegel" und die "Süddeutsche Zeitung" kürzlich.

"Zweite Chancen sind kostbar. Manche bekommen sie nie", kommentiert die "Süddeutsche Zeitung" Guttenbergs Bedenken. Aber Seehofer präsentiere ihm seine zweite Chance gerade auf dem Silbertablett.

Womöglich findet sich Guttenberg also im September als Minister in Berlin wieder. Womöglich in einer Koalition mit den Grünen. Seehofers Aussagen geben zumindest Anlass, darüber zu spekulieren.

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(ks)

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