Ins Auto steigen und losfliegen: Dieses Unternehmen will, dass das für jeden Realität wird

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  • Das niederländische Unternehmen PAL-V hat das erste fliegende Auto entwickelt
  • Ende 2018 wird es auf dem Markt erhältlich sein - doch die Konkurrenz ist groß
  • Oben im Video: Wir sind probegeflogen

Zahlreiche Unternehmen weltweit arbeiten an der Umsetzung einer Idee, die bisher nur in Science-Fiction-Romanen existiert: Sie wollen ein fliegendes Auto bauen.

Eines davon ist das niederländische Unternehmen PAL-V. Das Unternehmen hat nun bekannt gegeben, Ende 2018 das erste serienmäßig produzierte fliegende Auto - den "PAL-V Liberty" - auf den Markt zu bringen. Futuristisch sieht das Modell aus, ausklappbare Rotoren sollen es in die Luft befördern.

Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen bereits mehrere Vorverträge und interessierte Investoren.

Seit 1999 forschen mehr als 50 Ingenieure in Raamsdonksveer, gut 100 Kilometer südlich von Amsterdam, an der Idee, die den meisten Menschen im ersten Moment nur ein amüsiertes Augenrollen abverlangt.

In der Bevölkerung überwiegt die Skepsis

Doch fliegende Autos könnten den Verkehr für immer verändern. Lästige Staus, Unfalltote, Städte voller Smog und immer wiederkehrende Bauarbeiten könnten so irgendwann der Vergangenheit angehören.

"Ich bin mir sicher, dass die Luft in Zukunft noch viel mehr genutzt wird", sagt Markus Hess von PAL-V.

"Ein fliegendes Auto, das kann gar nicht funktionieren", hieß es zwar etwa in den Kommentaren unter dem HuffPost-Live-Video, das Anfang Juli gedreht wurde (siehe unten).

Aber aller Voraussicht nach wird die European Aviation Safety Agency (EASA) das Konzept des Unternehmens Ende 2018 freigeben, heißt es bei PAL-V.

Die Konkurrenz in der Luft ist groß

PAL-V ist nicht das einzige Unternehmen, das an einem fliegenden Auto forscht. Aber die Niederländer behaupten, im Gegensatz zur Konkurrenz ein realistisches Konzept zu haben. "Der Unterschied ist, dass wir unser Produkt an die bestehenden Gesetze anpassen und nicht in einer Traumwelt leben", sagt Markus Hess von PAL-V dazu im HuffPost-Interview.

Einige Einschränkungen müssen gewillte Fahrer des Geräts allerdings hinnehmen.

Der "PAL-V Liberty" kann beispielsweise nicht direkt vor der Garage abheben. Wer losfliegen will, muss erst zu einem Flugfeld oder -hafen fahren.

Manche Konkurrenz-Unternehmen verfolgen eine andere Taktik, sie wollen keine Mischform zwischen Flugobjekt und Auto. Sie gehen davon aus, dass die Zukunft den Senkrechtstartern gehört, die unkompliziert vom Hausdach oder vom Supermarktparkplatz starten können.

Das Münchner Start-Up Lilium etwa entwickelt momentan ein Lufttaxi, das komplett elektrisch betrieben werden und eine Reichweite von bis zu 300 Kilometern abdecken soll.

Der "Ehang184", ein autonomes Drohnen-Taxi eines chinesischen Herstellers, soll irgendwann in Dubai auf den Markt kommen und Geschäftsleuten den lästigen Stau in der Wüsten-Metropole ersparen.

"Der Ansatz war nie erfolgreich und wird es auch nie sein"

Auch Google-Gründer Larry Page hat bereits 100 Millionen Dollar in die amerikanischen Start-Ups Zee-Aero und Kitty Hawk investiert. Beide forschen an fliegenden Roboter-Drohnen. Der amerikanische Fahrdienstleister Uber will ebenfalls mit seinem Modell "Uber Elevate" in den Luftraum vorrücken.

Den Schweizer-Zukunftsforscher Lars Thomson überzeugen diese Modelle mehr als der "PAL-V Liberty". Er hält relativ wenig von einer Mischform aus Auto und Flugobjekt: "Der Ansatz war nie erfolgreich und wird es auch nie sein", sagte Thomson der "Welt".

Vielmehr geht der Zukunftsforscher davon aus, dass bereits in zehn bis zwanzig Jahren autonome Drohnen durch die Luft fliegen könnten. Das versteht er unter einem fliegenden Auto.

Kosten: Zwischen 299.000 und 499.000 Euro

Aber bei diesen Modellen sind noch wichtige Fragen zu klären. Etwa, wie der Verkehr in der Luft koordiniert werden soll. Die Kommunikation zwischen Flugobjekt und der jeweiligen Flugsicherung muss sichergestellt, ein reibungsloser Ablauf gewährleistet werden.

Die Konkurrenz-Unternehmen punkten bislang also vor allem mit tollen Ideen. Die Umsetzung scheint schwierig. Im Gegensatz dazu möchte PAL-V ein Produkt anbieten, das vielleicht nicht ganz so weit entwickelt sei, aber dafür eben schon jetzt funktioniere, argumentiert Markus Hess.

Der "PAL-V Liberty" wird zwischen 299.000 und 499.000 Euro kosten. Ein stolzer Preis, der das private Flugobjekt erst mal zum Luxus-Objekt und für die Mehrheit der Autofahrer nicht finanzierbar macht.

Sollte der "PAL-V" in einer höheren Stückzahl produziert werden können, würde sich im Laufe der Zeit aber auch der Preis anpassen, sagt Hess.

Das sicherste Flugobjekt auf dem Markt?

Das Unternehmen betont, dass jeder "normal talentierte Mensch in der Lage sein wird, den 'PAL-V-Liberty' zu fliegen". Das liege daran, dass er sich wie ein Gyrocopter steuern lasse.

Bei Gyrocoptern ist ein Strömungsabriss so gut wie unmöglich. Selbst bei einem Motorschaden kann das Gerät sicher landen.

Um den "Liberty" zu fliegen, benötigt der Fahrer einen normalen Führerschein und einen Privat-Pilotenschein, der in ungefähr 40 Flugstunden erworben werden kann.

Innovativ, aber vorerst nicht gesellschaftsfähig

Das niederländische Unternehmen hat auch schon Pläne, wie es das Pionier-Modell ausbauen möchte. Für die Zukunft plane man, einen Mehrsitzer anbieten zu können und den "PAL-V" auf elektrischen Antrieb umzustellen – und damit umweltfreundlicher zu machen. Momentan sei die Technologie dafür jedoch noch nicht ausgereift genug.

Bis jeder die Möglichkeit haben wird, ein fliegendes Auto fahren – oder besser gesagt - fliegen zu können, wird es wohl noch einige Zeit dauern. Doch der Grundstein dafür ist gelegt.

HuffPost-Reporter Tim Grübl hat in der Nähe von Amsterdam schon mal ausprobiert, wie sich das erste fliegende Auto anfühlt.

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(ll)

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