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23/07/2017 22:15 CEST | Aktualisiert 24/07/2017 07:44 CEST

Die Krise um den Tempelberg ist eskaliert - das sind die 5 wichtigsten Fragen und Antworten

Ronen Zvulun / Reuters
Die Krise um den Tempelberg ist eskaliert - das sind die 5 wichtigsten Fragen und Antworten

  • Bei blutigen Unruhen in Israel sind am Wochenende mehrere Menschen ums Leben gekommen

  • Der Streit um den Tempelberg ist eskaliert

  • Hier die fünf wichtigsten Fragen und Antworten

In Jerusalem streiten Israelis und Palästinenser um den Tempelberg. Der Konflikt bahnte sich bereits vergangene Woche an. Am Freitag kam es zu blutigen Unruhen, mehrere Menschen starben, Hunderte wurden verletzt.

Und die Gewalt findet kein Ende. Am Sonntag soll es einem Bericht zufolge auf dem Gelände der israelischen Botschaft in Amman zu einem Kampf gekommen sein. Ein Mensch sei getötet, ein weiterer verletzt worden, heißt es.

Der Nahost-Konflikt spitzt sich zu. Ein Einlenken beider Seiten zeichnet sich bisher nicht ab.

Das müsst ihr über den Konflikt wissen:

1. Was war der Auslöser des Streits?

Der Konflikt begann mit einem Doppelmord an israelischen Polizisten am vergangenen Freitag. Drei arabische Israelis töteten zwei israelische Polizisten an einem der Zugänge des Tempelbergs. Danach wurden sie selbst erschossen.

Israel beschloss daher, erhöhte Sicherheitsmaßnahmen für den Zugang zum Tempelberg zu erlassen. Auch Muslime müssen nun durch Sicherheitsschleusen mit Metalldetektoren.

Für das Freitagsgebet schränkten die Behörden den Zutritt weiter ein. Nur Männer über 50 und Frauen sollten den Tempelberg betreten dürfen.

Der Tempelberg (Al-Haram al-Scharif) in Jerusalem ist eine wichtige heilige Stätte sowohl für Juden und Muslime als auch für Christen. Auf ihm liegen die Klagemauer, die Al-Aksa-Moschee und der Felsendom. Die Al-Aksa-Moschee auf dem Tempelberg gilt als drittheiligste Stätte des Islams.

Die Muslime fürchten, dass Israel seine Macht mit den Maßnahmen auf dem Areal ausweiten wolle. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte laut Medienberichten mehrmals, er wolle den Status Quo nicht ändern, sondern nur für Sicherheit sorgen.

Die muslimischen Vertreter glaubten ihm jedoch nicht. Für Freitag mobilisierten Imame nicht nur in Jerusalem Muslime, sondern auch im Westjordanland.

Blutige Ausschreitungen wurden befürchtet. Und so kam es auch.

2. Wie schwer waren die Ausschreitungen?

Am Freitag kamen vier Palästinenser ums Leben und rund 400 weitere wurden verletzt.

Außerdem erstach am Freitagabend ein 19-jähriger Palästinenser drei Mitglieder einer jüdischen Familie in der Siedlung Halamisch im Westjordanland. Ein Soldat außer Dienst konnte ihn danach überwältigen.

Auch am Samstag kam es vereinzelt in und um Jerusalem zu neuen Konfrontationen. Östlich von Jerusalem erlitt ein Palästinenser tödliche Verletzungen, nach Angaben der israelischen Armee offenbar bei der Explosion eines Sprengsatzes, den er bauen wollte.

Am Sonntag schließlich soll ein 17-jähriger Jordanier auf dem Gelände der israelischen Botschaft in Amman in Jordanien gestorben sein. Das berichtet die private jordanische Zeitung Al-Ghad.

Ein Israeli habe Stichverletzungen in der Brust erlitten und sei in kritischer Verfassung. Der arabische Nachrichtenkanal Al-Arabiya berichtete derweil von zwei Todesopfern. Der Hintergrund des Vorfalls war zunächst nicht bekannt.

3. Wie reagierten die Israelis und die Palästinenser?

Am Freitag brach Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas den diplomatischen Kontakt zu Israel ab. Er erklärte, die Beziehungen würden erst wieder aufgenommen, sollten die Sicherheitsmaßnahmen am Tempelberg zurückgenommen werden.

Der Abbruch der Beziehungen schließt erstmals seit einem Jahrzehnt auch die Sicherheitszusammenarbeit mit Israel ein, wie Abbas am Sonntag bestätigte.

Der israelische Verteidigungsminister Avigdor Lieberman sagte der Nachrichtenseite "Ynet" dazu am Sonntag: "Wir sind viele Jahre lang ohne Sicherheitszusammenarbeit ausgekommen, wir werden es auch jetzt schaffen."

Israelische Soldaten nahmen nach Medienberichten in der Nacht zum Sonntag 25 Palästinenser im Westjordanland fest. Eine Armeesprecherin bestätigte lediglich, es seien neun Mitglieder der radikal-islamischen Hamas inhaftiert worden.

Am Sonntag rief der israelische Oberrabbiner Jitzhak Josef laut einem Medienbericht zur Tötung von Terroristen auf. Er reagierte damit auf den Anschlag im Westjordanland.

Am Sonntag kündigte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bei einer Dringlichkeitssitzung seiner Regierung die rasche Zerstörung des Hauses an, in dem der 19 Jahre alte Attentäter von Halamisch wohnte. Außerdem verstärkte er die Sicherheitsmaßnahmen auf dem Tempelberg.

Mehr zum Thema: Israels Ministerpräsident Netanjahu teilt ein Foto - es könnte den Nahost-Konflikt gefährlich anheizen

Israels Polizei installierte am Sonntagmorgen zusätzlich Überwachungskameras am Eingang des Tempelbergs. Eine weitere Provokation in den Augen der Palästinenser.

4. Wie reagierte die internationale Gemeinschaft?

Schweden, Frankreich und Ägypten haben eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats wegen des Konflikts beantragt. "Dialog, Deeskalation und die Wahrung des Status quo an den heiligen Stätten" seien unbedingt notwendig, sagte die schwedische Außenministerin Margot Wallström am Sonntag.

Auch das Nahost-Quartett - das sind die USA, Russland, die EU und die UN - rief alle Beteiligten zur Mäßigung auf.

5. Wie geht es jetzt weiter?

Israels Regierung beriet am Sonntag über das weitere Vorgehen.

Gilad Erdan, Minister für öffentliche Sicherheit, sprach sich dafür aus, die Detektoren so lange vor Ort zu belassen, bis eine andere Lösung gefunden werde. Israel dürfe Drohungen nicht nachgeben.

Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Ahmed Abul Gheit, warnte Israel am Sonntag vor gefährlichen Konsequenzen.

"Die israelische Regierung spielt mit dem Feuer und riskiert es, eine große Krise mit der arabischen und der islamischen Welt auszulösen", sagte er nach Angaben eines Sprechers in Kairo. Jerusalem sei für Araber und Muslime eine rote Linie, die nicht überschritten werden dürfe.

Eine Lösung des Konflikts ist nicht in Sicht. Die Friedensverhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern liegen seit mehr als drei Jahren brach. Das begünstigt immer neue Gewaltausbrüche.

Im neuen Jahresbericht des US-Außenministeriums zu Terrorismus heißt es, die palästinensische Gewalt werde auch angeheizt durch einen "Mangel an Hoffnung auf einen eigenen Staat", den israelischen Siedlungsbau im Westjordanland, Siedlergewalt und harte Militäreinsätze.

US-Präsident Donald Trump hat zwar einen neuen Anlauf zur Lösung des Konflikts in Aussicht gestellt, bisher gab es dabei jedoch kaum Bewegung.

Mit Material der dpa.

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(sk)

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