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22/07/2017 15:28 CEST | Aktualisiert 22/07/2017 15:49 CEST

"Dieses Phänomen wird es immer geben": Gloria von Thurn und Taxis empört mit Aussagen zum Regensburger Missbrauchsskandal

dpa
"Dieses Phänomen wird es immer geben": Gloria von Thurn und Taxis empört mit Aussagen zum Regensburger Missbrauchsskandal

  • Die Regensburger Unternehmerin Gloria von Thurn und Taxis hat in einem Interview den Domspatzen-Missbrauchsskandals relativiert

  • In ihrer Jugend seien Schläge ein ganz normales pädagogisches Mittel gewesen

  • Auf die Frage, ob die Kirche den Missbrauch ermöglicht habe, sagte sie: "Das ist totaler Schmarrn"

Die Regensburger Unternehmerin Gloria von Thurn und Taxis hat mit Aussagen zum Missbrauchsskandal der Regensburger Domspatzen für Empörung gesorgt. Im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk (BR) relativierte die 57-Jährige den Skandal mit einem Verweis auf frühere Erziehungsmethoden:

"In meiner Jugend waren Schläge ein ganz normales pädagogisches Mittel, um mit frechen Kindern, wie ich eines war, fertig zu werden", sagte Thurn und Taxis.

Für die Opfer musste das wie Hohn klingen. Der am Dienstag vorgelegte Abschlussbericht hatte ergeben: Das Ausmaß der körperlichen und sexuellen Gewalt war größer als bisher bekannt war.

Der Kirche die Schuld zu geben, sei "richtig gemein"

Mindestens 547 Sänger des weltberühmten Chores wurden zwischen 1945 und dem Anfang der 1990er Jahre in der Vorschule und im Gymnasium brutal geschlagen und teilweise sexuell missbraucht. Viele Opfer schilderten die Jahre als "schlimmste Zeit ihres Lebens, geprägt von Angst, Gewalt und Hilflosigkeit".

Was den körperlichen Missbrauch angeht, sagte Thurn und Taxis im Gespräch mit dem BR, sie fände es unfair, heutige Maßstäbe auf frühere Dekaden anzuwenden. "Das geht nicht. Die Welt hat sich verändert", sagte sie.

Beim Thema sexueller Missbrauch spielte Thurn und Taxis die Dimension des Regensburger Missbrauchsskandals herunter. Den Missbrauch habe nicht die katholische Kirche als Institution ermöglicht, sagt Thurn und Taxis.

"Das ist totaler Schmarrn. Das ist einfach richtig gemein", sagte sie. "In jeder Schule, in jedem Sportverein gibt es dieses Phänomen und das wird es auch immer geben. Man geht gerne auf die Kirche los und das ist ein gefundenes Fressen."

Opfer reagieren mit Empörung

Der Sprecher der Opfer, Alexander Probst, reagierte gegenüber dem BR empört auf diese Aussagen. Thurn und Taxis solle es "für alle Zukunft unterlassen, dumme und undifferenzierte Aussagen zu treffen" über Dinge, von denen sie keine Ahnung habe.

Der Abschlussbericht gab auch dem früheren Domkapellmeister Georg Ratzinger, dem Bruder des emeritierten Papstes Benedikt XVI., eine Mitschuld. Kritik gab es auch am früheren Regensburger Bischof und heutigen Kardinal Gerhard Ludwig Müller.

Es müsse davon ausgegangen werden, dass nahezu alle Verantwortungsträger bei den Domspatzen zumindest ein Halbwissen über Gewaltvorfälle gehabt hätten. Der mit der Aufklärung beauftragte Rechtsanwalt Ulrich Weber sprach am Dienstag von einer "Kultur des Schweigens".

Mehr zum Thema: Der Brief eines kleinen Jungen zeigt die Höllenqualen, die Kinder bei den Domspatzen erleiden mussten

Mit Material der dpa.

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(ame)