Was bedeutet Spicers Rücktritt für Trumps Präsidentschaft? So kommentieren die US-Medien

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Was bedeutet Spicers Rücktritt für Trump? So kommentieren die US-Medien | Carlos Barria / Reuters
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  • Trumps Pressesprecher Sean Spicer ist am Freitag zurückgetreten
  • Mit Kommunikationsdirektor Anthony Scaramucci zieht ein neuer Mann ins Weiße Haus ein
  • Was bedeutet das für Trumps Präsidentschaft?

Es herrscht Aufruhr im Weißen Haus: Donald Trumps Speerspitze in der Presseöffentlichkeit räumt das Feld. Sein Sprecher Sean Spicer bestätigte am Freitag seinen Rücktritt, nachdem zuvor bereits die "New York Times" darüber berichtet hatte.

Hintergrund des Rücktritts soll eine Personalentscheidung des Chefs sein. Trump ernannte am Freitag den Investor Anthony Scaramucci zum neuen Kommunikationsdirektor des Weißen Hauses. Für Spicer sei das "ein kapitaler Fehler", schrieb die "New York Times".

Wer ist der neue Mann im Weißen Haus? Warum wehrte sich Spicer offenbar so vehement gegen ihn? Und was bedeutet das Ganze für die Zukunft von Trumps Präsidentschaft?

Die Reporter im Weißen Haus und die US-Medien generell widmen sich derzeit all diesen Fragen.

1. Spicer schmeißt hin - wie geht es nun weiter?

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Pressesprecher Sean Spicer, Quelle: Reuters

Spicer wird sein Amt noch bis Ende August ausführen. Auf den umstrittenen Sprecher folgt die bisherige stellvertretende Pressesprecherin Sarah Huckabee Sanders.

Spicer war berüchtigt für seine Wortgefechte mit Journalisten. Teilweise log er, teilweise war er falsch informiert - und einmal versteckte er sich glatt vor den Pressevertretern, um heiklen Fragen zu entgehen. Die US-Medien reagierten mit Erleichterung auf seinen Rücktritt:

"Weint nicht wegen Spicer", kommentiert die "Washington Post". "Seine Amtszeit war seit dem ersten Tag ein Desaster - er hätte sofort hinschmeißen sollen."

Die Trump gegenüber eigentlich wohlgesonnene Nachrichtenseite "Fox News" kommentiert: Spicer habe nie eine Chance gehabt. "Donald Trump zu erklären ist wie PR für Kim Jong-Un zu betreiben. Und Spicer erlitt dasselbe Schicksal wie jemand, der den kleinen großen Mann in Pjöngjang enttäuscht."

Die Journalisten fragen sich: Wird Sanders einen besseren Draht zur Presse haben?

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Sarah Huckabee Sanders, Quelle: Reuters

Die Meinung: Nicht wirklich. Auch Sanders ist für ihren Konfrontationskurs bei Pressekonferenzen bekannt.

In den vergangenen Wochen warfen Reporter ihr vor, den Zugang zum Weißen Haus einzuschränken, berichtet die HuffPost USA. Das Pressebüro hatte Ton- und Videoaufnahmen während der Pressekonferenzen untersagt.

2. Wer ist der neue Mann im Weißen Haus?

Spicer soll sich wegen der Ernennung von Anthony Scaramucci zum neuen Kommunikationsdirektor mit Trump überworfen haben. Der Posten des Kommunikationsdirektors im Weißen Haus war seit Mai dieses Jahres nicht mehr besetzt.

Scaramucci ist ein wohlhabender Finanzier und Politstratege, der bislang für die Export-Import-Bank der USA arbeitete. Früher war er für das Investmenthaus Goldman Sachs tätig. Scaramucci war auch Teil von Trumps Übergangsteam vor der Amtseinführung.

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Anthony Scaramucci, Quelle: Reuters


Scaramucci - der den Spitznamen Mooch trägt - ist eine schillernde Figur in der amerikanischen Öffentlichkeit.

2008 unterstützte er Barack Obama, 2012 den Republikaner Mitt Romney und 2015 schließlich lautstark Trump - zuvor hatte er dem Immobilienmogul allerdings vorgeworfen, "anti-amerikanisch" zu sein. Mittlerweile soll Scaramucci laut einem Bericht sogar Tweets gelöscht haben, die Trump gegenüber kritisch waren.

Die beiden Männer kennen sich seit Jahren. Scaramucci sei einer von Trumps loyalsten Verbündeten, berichtet die "New York Times". Zudem soll der neue Kommunikationsdirektor ein enger Freund von Donald Trumps ältestem Sohn sein.

Das US-Magazin "Slate" kommentiert daher auch: "Scaramucci ist Trumps jüngeres, kleineres Double. Mit der Ausnahme, dass er die Globalisierung ein wenig befürwortet und komplette Sätze sprechen kann".

Mit Trump hat Scaramucci gemeinsam: Beide waren Investoren, beide besitzen offenbar eine ideologische Wendigkeit - und beide teilen die Gewohnheit, die Wahrheit zu verdrehen, wie Scaramuccis Auftritt am Freitag zeigte.

3. Wie hat sich Scaramucci an seinem ersten Tag geschlagen?

Nachdem Spicer am Freitag seinen Rücktritt bestätigt hatte, trat Scaramucci bei einer Pressekonferenz vor die Öffentlichkeit.

Die Korrespondenten im Weißen Haus zeigten sich einerseits beeindruckt von dem selbstbewussten Auftritt, den Scaramucci hinlegte. Einige seiner Antworten beunruhigten die anwesenden Journalisten allerdings.

"Glatt und freundlich. Aber die Antwort über die Lüge des Präsidenten über Millionen illegaler Wahlstimmen war nicht beruhigend", schreibt CNN-Reporter Jake Tapper auf Twitter.

Trump hatte wiederholt behauptet, bei der US-Wahl sei es zu "millionenfachem Wahlbetrug" gekommen. Scaramucci sagte bei der Pressekonferenz: "Dahinter steckt wahrscheinlich ein wenig Wahrheit". Belege für Trumps Behauptung gibt es aber nicht.

Für Aufregung sorgte auch, dass Scaramucci in der Vergangenheit die Russland-Sanktionen der USA teilweise für falsch erklärte. Noch im Januar sagte er: "Ich glaube, die Sanktionen hatten teilweise eine gegenteilige Wirkung wegen der russischen Kultur. Ich glaube, die Russen würden Schnee essen, wenn sie müssten."

Aussagen wie diese dürften die Russland-Affäre von Trump weiter befeuern.

Scaramucci war auch das Zentrum eines Skandals im Juni. Drei CNN-Reporter mussten kündigen, weil sie einen Artikel über ihn veröffentlichten, dessen Quellenlage unsicher war. Laut ihrem Bericht habe der Untersuchungsausschuss im Senat Scaramuccis Russland-Kontakte untersucht, der Artikel wurde allerdings zurückgezogen.

Als Kommunikationsdirektor soll Scaramucci die Öffentlichkeitsarbeit im Weißen Haus koordinieren. Vermutlich dürfte es Trump auch darum gehen, undichte Stellen zu schließen und einheitlicher mit der Presse zu kommunizieren. In der Vergangenheit widersprachen sich seine Berater teilweise gegenseitig.

Der erste Auftritt als Direktor deutete zumindest an, dass Trump eine passende Wahl getroffen haben könnte.

Die Korrespondentin Maggie Haberman von der "New York Times" schreibt auf Twitter: "Schon aus den ersten fünfzehn Minuten von Mooch wird klar: Er versteht Trump in einer Weise, wie Spicer es nie konnte. Wegen der jahrelangen Beziehung zu ihm."

Mit dem aalglatten Scaramucci dürften die Reporter im Weißen Haus noch ihre Freude haben. Zum Abschied der Pressekonferenz warf ihnen Scaramucci einen hochmütigen Luftkuss zu.

4. Warum hat sich Spicer mit Trump über Scaramucci überworfen?

Spicer kommt aus dem Parteigefüge der Republikaner, der Investor Scaramucci ist ein Außenseiter - wie Trump. Scaramucci gilt auch als Gegenspieler von Trumps Stabschef Reince Priebus, ebenfalls einem Republikaner wie Spicer.

Ist also die Parteilosigkeit von Scaramucci für den Streit im Westflügel verantwortlich? Nicht nur. Die Abneigung dürfte allgemeiner Natur sein.

Wie das US-Portal "The Daily Beast" berichtet, haben auch Pressesprecherin Sanders und Trumps Chefstratege Steve Bannon die Ernennung von Scaramucci kritisiert. Es scheint also, dass Trumps Team den neuen Mann im Weißen Haus unbedingt verhindern wollte - um nicht an Einfluss zu verlieren.

Dem Machtkampf scheint Sean Spicer zum Opfer gefallen zu sein.

5. Wie geht es mit Trump weiter?

Scaramucci widersprach den Gerüchten, es gebe Spannungen im Weißen Haus wegen seiner Ernennung. "Wir sind wie kleine Brüder", sagte er auf der Pressekonferenz über Stabschef Priebus, "wir reiben uns aneinander, und das ist total normal für Brüder".

US-Medien nahmen ihm das allerdings nicht ab.

"Scaramucci ins Weiße Haus zu bringen, wird das Geläster und die Spannungen innerhalb Trumps Team erhöhen", kommentiert die "Washington Post".

Die Personalentscheidung sei aber vor allem eine Aussage darüber, wie Trump seine Präsidentschaft weiter gestalten wolle, glauben die US-Medien.

"CNN" kommentiert: "Hinter dem Schritt von Spicer zu Scaramucci steckt die Entscheidung Trumps, sich mit Personen zu umgeben, die vor allem ihm treu ergeben sind - im Gegensatz zur Partei der Republikaner oder des Establishments in Washington."

Dahinter könne nur eine Botschaft stecken, schreibt der "CNN"-Kommentator: "Trump scheint gewillt zu sein, politisch gesprochen, entweder zu leben oder zu sterben". Rücksicht auf sein Team oder seine Partei scheint er dabei nicht mehr zu nehmen.

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(ks)

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