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21/07/2017 07:40 CEST | Aktualisiert 21/07/2017 14:44 CEST

Ein schweres Seebeben und ein Tsunami treffen die griechische Insel Kos - mindestens 120 Verletzte und 2 Tote

dpa
Das Beben zerstörte zahlreiche Gebäude

  • Ein schweres Seebeben vor der griechischen Insel Kos hat 2 Tote und mindestens 120 Verletzte gefordert

  • Kos wurde von einer kleinen Tsunami-Welle getroffen

  • Auch an der Südwestküste der Türkei war das Erdbeben zu spüren

Ein starkes Seebeben vor der griechischen Insel Kos hat mindestens zwei Menschen das Leben gekostet und Panik unter den Bewohnern der Ägäis-Insel ausgelöst. Im griechischen Staatsrundfunk (ERT) war zudem von mindestens 120 Verletzten die Rede.

Deutsche sind laut gut informierten Diplomatenkreisen nicht unter den Verletzten.

Der Yachthafen der gleichnamigen Inselhauptstadt Kos wurde von einer kleinen Tsunami-Welle getroffen, Gebäudemauern zeigten Risse oder stürzten sogar ein. In der Türkei, deren Südwestküste nur wenige Kilometer von Kos entfernt ist und ebenfalls erschüttert wurde, kamen nach ersten Kenntnissen keine Menschen zu Schaden.

"Wir haben zwei Tote", sagte der Chef der Feuerwehr von Kos, Dimitris Giannaris, im griechischen Staatsrundfunk. Rettungsmannschaften aus Athen trafen am frühen Freitagmorgen mit zwei Hubschraubern und einem Flugzeug in Kos ein. Der Flughafen nahe Antimachia im Westen der Insel sei intakt, teilte Verkehrsminister Christos Spirtzis mit.

Zahlreiche Gebäude sind eingestürzt

Vor allem im Zentrum der Inselhauptstadt, wo sich Dutzende Bars befinden, kam es nach Worten von Bürgermeister Giorgos Kyritsis zu Schäden. Zum Zeitpunkt des Bebens am frühen Freitagmorgen (Ortszeit) waren die Bars am Hauptplatz von Kos voller Menschen. Das Dach einer Bar sei eingestürzt, sagte der Bürgermeister dem Sender ERT. Dort sollen auch die zwei jungen Menschen ums Leben gekommen sein.

Unklar war zunächst, ob auch Touristen zu Schaden gekommen sind. Das Krankenhaus von Kos habe mehr als 100 Menschen aufgenommen, sagte Klinik-Leiter Nektarios Georgantis im griechischen Fernsehen. "Drei Menschen sind schwer verletzt, aber außer Lebensgefahr. 78 (Menschen) haben wir nach der Behandlung nach Hause geschickt. Die anderen haben leichte Verletzungen und bleiben hier zur Beobachtung."

13 Verletzte mussten dem griechischen Zivilschutz zufolge in Spezialkliniken nach Athen und per Rettungshubschrauber auf die Inseln Rhodos und Kreta gebracht werden. Von den etwa 1830 Asylsuchenden, die derzeit auf Kos in Containern leben, wurde laut Polizei keiner verletzt. Kos war in den vergangenen Jahren als Teil der Flüchtlingsroute in die Europäische Union in den Schlagzeilen.

Neben Mauern der Burg in der Altstadt stürzten auch die Minarette zwei alter Moscheen und ein Teil einer Kirche ein. Die durch den Tsunami ausgelösten Wellen überschwemmten das Hafenviertel. Mehrere Boote wurden beschädigt, mindestens eines wurde an Land gespült.

Das Reiseunternehmen TUI teilte mit, es habe derzeit 6400 Urlauber aus Deutschland vor Ort. Es habe "an einigen wenigen Hotels leichte Schäden" gegeben. Ein Krisenstab des Unternehmens sei aktiviert worden, die Reiseleistungen seien aber nicht eingeschränkt.

Das Beben hatte eine Stärke von mindestens 6,5

Aufnahmen des griechischen Staatsfernsehens zeigten Geröll überall entlang der Kaimauer, die Risse aufwies und nun kontrolliert werden muss. Eine Fähre konnte wegen der Schäden nicht im Hafen anlegen. Nach Tagesanbruch begannen Stadtangestellte mit den Räumungsarbeiten.

Die griechische Erdbebenbehörde gab die Stärke des Bebens mit 6,5 an, die US-Erdbebenwarte (USGS) maß 6,7. Es folgten Dutzende Nachbeben. Seismologen sagten im griechischen Rundfunk, es sei in den nächsten Stunden und Tagen mit weiteren Erschütterungen zu rechnen.

Das Zentrum des Bebens lag laut USGS nahe der türkischen Küstenstadt Bodrum in etwa zwölf Kilometer Tiefe und wurde gefolgt von mehreren schwächeren Nachbeben. Bodrum liegt rund zehn Kilometer Luftlinie entfernt von Kos.

Nach Angaben des Europäischen Seismologischen Zentrums leben rund eine Million Menschen in der Region, in der die Erschütterungen zu spüren waren. Bewohnern von Kos und Bodrum wurde geraten, sich von Stränden und beschädigten Gebäuden fernzuhalten.

Der Mini-Tsunami traf auch die Küste von Bodrum

Das türkische Fernsehen zeigte Aufnahmen von verängstigten Menschen, die in der Küstenregion auf die Straßen liefen. Die Gouverneurin der betroffenen Provinz Mugla, Esengul Civelek, sagte der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu, es gebe bislang keine Berichte über Opfer oder strukturelle Schäden.

"Wir konnten Kontakt zu allen Bezirken aufnehmen", sagte Civelek, auch wenn es teils Probleme mit der Stromversorgung gebe. Einige Menschen würden die Nacht aus Angst vor weiteren Nachbeben im Freien verbringen.

Der Mini-Tsunami traf auch die Küste von Bodrum. TV-Sender zeigten Videos von an Land gespülten Fischerbooten entlang der türkischen Ägäisküste.

Erst Mitte Juni hatte die Erde auf den Inseln Lesbos, Chios und an der Westküste der Türkei gebebt. Auf Lesbos kam ein Mensch ums Leben, viele Häuser wurden zerstört. Die Erschütterungen waren noch Hunderte Kilometer vom Zentrum des Bebens entfernt zu spüren.

Im europäischen Raum kommen die meisten Erdbeben in Griechenland, den südlichen Teilen des Balkans sowie im Westen der Türkei vor. Auch Italien und der westliche Balkan sind besonders betroffen. Der größte Teil der schweren europäischen Beben ereignet sich nahe den Rändern von Afrikanischer und Europäischer Platte. Dort kann es zu Spannungen kommen, die zu Beben führen.

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(mf)