Der Brief eines kleinen Jungen zeigt die Höllenqualen, die Kinder bei den Domspatzen erleiden mussten

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REGENSBURGER DOMSPATZEN
Der Brief eines kleinen Jungen zeigt die Höllenqualen, die Kinder bei den Domspatzen erleiden mussten | dpa
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  • Bei den Regensburger Domspatzen wurden mindestens 547 Chorknaben missbraucht
  • Ein Brief zeigt das Ausmaß des Skandals
  • Darin wollte sich ein Vorschüler seinen Eltern anvertrauen

"Ich habe euch so so gerne, bitte, bitte ich möchte so, so, so gerne nach Hause."

So beginnt der Brief eines kleinen Jungen, der unter der Obhut der Regensburger Domspatzen stand. Und dort wahrscheinlich - wie 547 weitere Schüler - gequält, gedemütigt, verprügelt oder sexuell missbraucht wurde. Von Schutzbefohlenen.

Diese Zahl offenbart der Abschlussbericht des Rechtsanwalts Ulrich Weber, der den Skandal zwei Jahre lang untersuchte.

Der "Heimwehbrief" deckt das Ausmaß des Missbrauch-Skandals auf

Der Brief eines Vorschülers zeigt, welche Höllenqualen die Kinder dort erleiden mussten. Wie groß ihr Bedürfnis war, endlich wieder nach Hause zu ihren Eltern zu kommen. Weg von den Lehrern, die sich an ihnen vergingen.

Der Chorknabe fleht seine Eltern regelrecht an, ihn aus dem Internat abzuholen. "Holt mich gleich ab, wenn ihr den Brief gelesen habt", schrieb er in dem Brief, der bereits aus den 60er Jahren stammt. Er gesteht seinen Eltern sogar, dass er immer weinen müsse.

Und er macht ihnen unmissverständlich klar, dass er nicht mehr zurück zu den Domspatzen möchte: "Und bezahlt gleich alles. Es ist besser so."

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Heimweh wurde bestraft

Seine Eltern schenkten dem "Heimwehbrief" wohl keine besondere Beachtung - weil er, wie so viele andere Briefe, vom damaligen Direktor zensiert und mit Hinweisen ergänzt wurde. Die Eltern dachten so vermutlich, ihr Kind sehne sich nach seinem Zuhause.

Sobald die Kinder im Internat angekommen waren, wurden sie von ihrem gewohnten Umfeld isoliert und durften ihre Eltern acht Wochen lang nicht sehen.

Das berichtet ein Chorknabe, der in den 1970er Jahren auf die Schule ging: "Dass man uns Kinder beim Eintritt ins Internat, unter dem Vorwand der besseren Eingewöhnung, acht Wochen nicht nach Hause fahren ließ, hat sich als eine der ganz negativen Erinnerungen in mir eingeprägt."

So sollte Heimweh wohl gleich unterbunden werden. Denn dieser Gemütszustand galt als Regelbruch. Der, wie so vieles andere, mit körperlicher Gewalt geahndet werden durfte.

Mehr zum Thema: Appell einer Kinderärztin: Beachtet diese 7 Dinge, um Kinder vor sexuellem Missbrauch zu schützen

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(ll)

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