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21/07/2017 16:31 CEST | Aktualisiert 21/07/2017 18:07 CEST

1,2 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu Strom - eine einfache Idee kann ihnen helfen

  • Ein philippinisches Projekt will Menschen mit Licht versorgen, die keinen Zugang zu Strom besitzen

  • Dafür nutzt die Organisation ein ungewöhnliches Mittel: alte Plastikflaschen

Liter of Light ist ein Projekt der philippinischen Non-Profit-Organisation MyShelter Foundation. Ziel des Projekts ist es, arme Haushalte auf der ganzen Welt mit Licht zu versorgen, die keinen oder lediglich eingeschränkten Zugang zu Strom haben.

Zu diesem Zweck sammeln die Projektmitarbeiter Plastikflaschen und füllen sie mit Wasser und Bleichmittel. Anschließend stecken sie die Flaschen auf Hausdächer. Die mit Bleichmittel gefüllten Flaschen leiten das Licht von draußen in die Häuser ab und erhellen sie damit wie eine Art Glühbirne.

Die gefüllten Flaschen leuchten so wie Glühbirnen

“Die Häuser stehen hier so dicht nebeneinander, dass sie keine Fenster haben ― die Hütten in den Elendsvierteln sind meist komplett mit Eisendächern bedeckt”, so der in den Philippinen geborene Gründer von MyShelter, Illac Diaz, als er der HuffPost von den ärmeren Gebieten des Landes berichtet. “Bei Regen ist das zwar praktisch, doch dafür kommt auch kein Licht rein, nicht einmal tagsüber.”

Ursprünglich wurden die mit Bleichmittel gefüllten Plastikflaschenlampen von dem brasilianischen Mechaniker Alfredo Moser erfunden, der mit MyShelter zusammenarbeitete, um Menschen auf der ganzen Welt mit den Flaschen versorgen zu können. Die Erfindung hat jedoch einen gewaltigen Nachteil: Sie funktioniert nur, wenn die Sonne scheint.

Die Projektmitarbeiter lösten dieses Problem, indem sie die Flaschen um einen Mechanismus erweiterten, der dafür sorgte, dass sie auch nachts als Solarlampen funktionieren. Sie steckten ein Reagenzglas mit einer kleinen LED-Lampe in die Flasche, die sie vorher mit einer Mini-Solarzelle verbunden hatten. So leitet die Flasche tagsüber weiterhin das Licht von draußen ab und funktioniert nachts als Glühbirne.

Das Team nutzt jedoch nicht nur die mit Bleichmittel gefüllten Plastikflaschenlampen und die Solarleuchten für die Nacht, sondern es wandelt auch Kerosinlampen in Solarlampen um.

Liter of Light hat bereits 850.000 Haushalte in 12 Ländern versorgt

Seit seiner Gründung im Jahr 2012 konnte das Projekt Liter of Light bereits 850.000 Haushalte in mehr als 12 Ländern, darunter die Philippinen, Ägypten und Kolumbien, mit Licht versorgen. Fünf Prozent ihrer Beleuchtung wird über die einfachen mit Bleichmittel gefüllten Flaschen erzeugt, den Hauptanteil machen jedoch zu Solarleuchten umfunktionierte Flaschen, Kerosinlampen und Straßenlampen aus, so Diaz.

liter of light

Eine mit Bleichmittel gefüllte Plastikflasche von Liter of Light auf einem Dach – auf dem Bild links sieht man sie von außen und auf dem Bild rechts sieht man, wie sie nachts das Haus beleuchtet

Im Jahr 2014 hatten 1,2 Milliarden Menschen keinen Zugang zu Strom. Die mit Bleichmittel gefüllten Plastikflaschen von Liter of Light bieten jedoch eine günstige Lösung für dieses Problem, und man kann sie ganz einfach selbst herstellen.

Die Plastikflaschenlampen sind darüber hinaus eine gute Alternative zu Kerosinlampen, die weltweit in vielen armen Haushalten verwendet werden, in denen kein Strom zur Verfügung steht. Neben der erhöhten Brandgefahr stoßen Kerosinlampen laut der Weltgesundheitsorganisation jedoch auch giftige Dämpfe aus, die für die Benutzer gesundheitsschädlich sind.

Das Gemisch der leuchtenden Flaschen hält 5 Jahre

Um eine mit Bleichmittel gefüllte Plastiklampe herzustellen, müsse man einfach nur 3 Milliliter Bleichmittel mit einem Liter Wasser mischen, so Diaz. Diese Mischung reicht für ungefähr fünf Jahre, und danach kann man ganz einfach neues Wasser einfüllen.

Zudem unterrichtet die Stiftung Frauen darin, wie man zur Herstellung von Solarlampen Schritt für Schritt einen Stromkreis erzeugt, berichtet Diaz. Anschließend können die Frauen die Lampen für ungefähr 10 US-Dollar pro Stück in den Dörfern verkaufen. Dadurch verschafft die Organisation den Frauen ein eigenes Einkommen und sorgt darüber hinaus dafür, dass die Einheimischen die Lampen selbst herstellen und reparieren können.

liter of light

Zwei Kinder halten Flaschen von Liter of Light, die mit einer solarbetriebenen LED-Lampe ausgestattet sind.

Die Stiftung legt großen Wert darauf, dass sämtliche Materialien für die Lampen lokal beschafft werden. Zudem postet sie auf ihrem YouTube-Kanal immer wieder Videos, in denen erklärt wird, wie man die Lampen ganz leicht selbst herstellen kann.

Nachhaltigkeit in der Armutsbekämpfung

Nach Meinung von Diaz haben viele Projekte zur Bekämpfung von Armut den großen Nachteil, dass sie nicht nachhaltig genug sind.

Er berichtet, dass manche Organisationen in bester Absicht bestimmte Produkte in arme Länder liefern und dadurch jedoch die Umsätze der lokalen Händler mindern. Weitere Probleme würden auftreten, wenn die gelieferten Produkte oder Maschinen kaputt gehen und für viel Geld repariert werden müssten.

“Wenn ein Produkt nicht innerhalb eines Dorfes hergestellt oder repariert werden kann, besteht immer eine gewisse Abhängigkeit”, so Diaz. “Wir verwenden ganz einfache Bauteile, die man auf dem Markt kaufen kann – die Frauen finden sie sogar auf Schrottplätzen für Elektromüll. Unser Ziel ist es, eine Revolution auf dem Gebiet der Solartechnik von Grund auf zu erschaffen.”

liter of light

Eine solarbetriebene Straßenlaterne von Liter of Light.

Normalerweise werden die Flaschen einfach ins Meer geworfen

Ein weiteres Problem, das Liter of Light mit seinen Flaschenlampen zu lösen versucht, ist Plastikmüll. Die Organisation verwendet zur Herstellung der Lampen weggeworfene Plastikflaschen, um dadurch den herumliegenden Müll in den Gemeinden, in denen sie im Einsatz ist, zu verringern.

Nach einem Bericht der Umweltorganisation Ocean Conservancy aus dem Jahr 2015 gehört Diaz Heimatland, die Philippinen, zu den fünf Ländern, die insgesamt für mehr als die Hälfte allen Plastikmülls verantwortlich sind, der weltweit im Ozean landet.

“Hier liegen überall Plastikflaschen herum”, so Diaz. “Wir sind eine Insel und wir gehören zu den Ländern, die am meisten Plastik ins Meer werfen und somit die Ozeane mit Plastikmüll verschmutzen. ”

Einem Bericht des Weltwirtschaftsforums aus dem Jahr 2016 zufolge landen jedes Jahr ungefähr 8 Millionen Tonnen Plastikmüll im Ozean. Das bedeutet, dass jede Minute ein ganzer Müllwagen voll Plastik in den Ozean gekippt wird.

Nach Schätzungen von Diaz konnte die Stiftung mir ihren Lampen bisher bereits mehrere hunderttausend Plastikflaschen recyceln. Die Organisation hat jedoch noch nicht so viele Menschen erreicht, wie sie eigentlich gehofft hatte, gibt Diaz zu bedenken.

2013 hatte Liter of Light es sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2015 eine Million Menschen zu erreichen. Jetzt hofft die Organisation, dass sie dieses Ziel bis zum Jahr 2020 erreichen wird.

Unsere Lampen aus Plastikflaschen kann “jeder ganz leicht selbst herstellen”, so Diaz. “Man muss sich mal überlegen, wie clever diese armen Menschen sind: Sie haben unsere Idee genommen und in ihrem Hinterhof ihr eigenes kleines Solar-Unternehmen gegründet. Und genau das wollen wir. Wir wollen eine ganze Nation von Hinterhof-Solar-Unternehmern, die nicht von unserer Stiftung abhängig sind.”

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Eine Familie sitzt vor einer zur Solarleuchte umfunktionierten Kerosinlampe von Liter of Light.

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei der HuffPost USA und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.

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(vl)

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