NACHRICHTEN
21/07/2017 13:47 CEST | Aktualisiert 21/07/2017 18:22 CEST

Lehrerverband warnt: Schüler und Studenten können längere Texte nicht verstehen

Caiaimage/Sam Edwards via Getty Images
Der Lehrerverband sieht immer weniger Bereitschaft bei Schülern, sich auf längere Texte einzulassen.

  • Der Deutsche Lehrerverband warnt davor, dass Schüler immer größere Probleme mit längeren Texten haben

  • DL-Präsident Heinz-Peter Meidinger sieht eine Tendenz zur Oberflächlichkeit und mahnt vor einer Verflachung des Niveaus

  • Er fordert als Gegenmaßnahme die Verstärkung des Deutschunterrichts

Der Deutsche Lehrerverband (DL) schlägt Alarm: Denn Schüler und Studenten in Deutschland hätten zunehmend Probleme damit, längere Texte zu analysieren.

“Junge Menschen sind immer weniger bereit, sich auf diese Anstrengung überhaupt einzulassen“, erklärte der DL-Präsident Heinz-Peter Meidinger im Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung“ am Freitag.

Oberflächlichkeit durch hohe Informationsdichte

“Das ist ein Warnzeichen, das wir sehr ernst nehmen“, betonte der Vertreter von 160.000 Lehrern in Deutschland.

Den Grund dafür allein beim Computer zu suchen, greife aber zu kurz. Schnelllebigkeit und Informationsdichte beförderten generell eine Tendenz zur Oberflächlichkeit, sagte der Verbandschef. Diese Entwicklung sei äußerst gefährlich.

Das könnte euch auch interessieren: Hessische Gymnasiasten können so viele Schreibfehler machen, wie sie wollen - und trotzdem eine 1 bekommen

“Wir sehen täglich, wie manipulierbar die Menschen sind, und zwar durch die einfachsten Botschaften. Wir müssen sie immun machen gegen Fake News und Desinformationsschrott“, erklärte Meidinger.

Vertieftes Leseverständnis durch mehr Deutschunterricht

Der DL-Präsident sieht die “akute Gefahr“, dass Kulturtechniken wie Lesen und Schreiben generell unter die Räder kommen. Deshalb forderte er eine Offensive für die Verstärkung des Deutschunterrichts. Er meinte, drei Stunden pro Woche reichten nicht aus, um Schülerinnen und Schülern vertieftes Leseverständnis nahezubringen.

“Es ist ja nicht so, dass Jugendliche heute nicht mehr lesen und schreiben würden. In Halb- und Kurzsätzen schicken sie einander permanent oft banale Botschaften“, sagte Meidinger. Das sei ihnen gegönnt. Es sollte aber nicht dazu führen, sich im Unterricht anzupassen und Klassiker wie Friedrich Schiller oder Heinrich von Kleist nur in Mini-Dosen zu verabreichen oder anspruchsvolle Texte ganz aus den Lehrplänen zu verbannen.

Mehr zum Thema: Schulchaos in NRW: Wir stehen vor einem Scherbenhaufen

Das führe zu einer irreparablen Verflachung des Niveaus. Auch gebe es in jedem Jahrgang junge Menschen, die sich gern in Texte vertieften. “Sie alle haben Förderung verdient“, meinte der DL-Präsident. Er führt außerdem den Deutschen Philologenverband.

Mehr zum Thema Schule findet ihr hier.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

(anma)