NACHRICHTEN
21/07/2017 15:28 CEST | Aktualisiert 21/07/2017 17:41 CEST

Ungeheuerer Verdacht gegen deutsche Autobauer: Unternehmen sollen sich jahrelang abgesprochen haben

Fabrizio Bensch / Reuters
Deutsche Autobauer sollen sich jahrelang abgesprochen haben, auch in Bezug auf die Diesel-Abgasreinigung.

  • Deutschen Autobauer sollen sich in geheimen Arbeitskreisen abgesprochen haben, berichtet der "Spiegel"

  • Dazu zählten demnach auch Vereinbarungen zur Technik für die Diesel-Abgasreinigung

Es könnte einer der größten Kartellfälle der deutschen Wirtschaftsgeschichte sein: Die deutsche Autoindustrie soll sich seit den Neunzigerjahren in geheimen Arbeitsgruppen über die Technik ihrer Fahrzeuge, Kosten, Zulieferer, Märkte, Strategien und die Abgasreinigung ihrer Dieselfahrzeuge abgesprochen haben. Das berichtet der “Spiegel” am Freitag.

Das Magazin beruft sich auf ein Schreiben des VW-Konzerns, das der Autobauer im Juli 2016 selbst bei den Wettbewerbsbehörden eingereicht haben soll. Auch Daimler habe eine "Art Selbstanzeige" bei den Wettbewerbsbehörden hinterlegt.

Volkswagen, Audi, Porsche, BMW und Daimler beteiligt

Nach Informationen des “Spiegels” waren an den Absprachen alle großen deutschen Autohersteller beteiligt: Volkswagen, Audi, Porsche, BMW und Daimler.

Aus der Selbstanzeige von VW heiße es auch für Audi und Porsche: Es bestehe "der Verdacht", dass es zu "kartellrechtswidrigem Verhalten" gekommen sei.

Seit den 1990ern hätten sich mehr als 200 Mitarbeiter der Automobil-Unternehmen in über 60 Arbeitsgruppen abgesprochen. Dabei ging es um die Bereiche Auto-Entwicklung, Benzin- und Dieselmotoren, Bremsen, Kupplungen und Getriebe. Die Hersteller besprachen auch die Auswahl von Lieferanten und die Preise von Bauteilen.

Absprachen über Abgasreinigung von Dieselfahrzeugen

Auch Absprachen über die Abgasreinigung von Dieselfahrzeuge der Autokonzerne sollen stattgefunden haben. Das ist vor allem in Hinblick auf den Dieselskandal besonders heikel.

Mehr zum Thema: Bundesregierung blockiert strengere Abgastests der EU-Kommission

Deutschlands Autobauer sollen sich seit dem Jahr 2006 auf zahllosen Treffen darin abgestimmt haben, wie groß die Tanks für AdBlue sein sollten. Dies ist ein Harnstoffgemisch, mit dessen Hilfe Stickoxide in Wasser und Stickstoff gespalten und damit unschädlich gemacht werden.

Große Tanks wären für Daimler, BMW, Audi, Porsche und Volkswagen teurer gewesen. Deshalb hätten sich die Hersteller auf kleinere Tanks verständigt. Das kleinere Fassungsvermögen habe die Basis für den Dieselskandal gelegt, berichtet der "Spiegel". Denn die kleinere Menge an AdBlue reichte nicht mehr aus, die Abgase hinreichend zu reinigen.

Mehr zum Thema Automobil findet ihr hier.

Mit Material der dpa

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

(ll)

Sponsored by Trentino