"Deutschland muss sich zusammenreißen": Erdogan schimpft über die Bundesregierung

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Drucken
  • Der türkische Präsident Erdogan hat in einer Rede am Freitag Deutschland kritisiert
  • Die Äußerungen des deutschen Außenministers Gabriel seien "unbegründet"
  • Berichte über Ermittlungen gegen deutschen Unternehmen wegen Terrorverdachts nannte Erdogan "böse Propaganda"
  • Im Video oben: Ärger mit Erdogan – Deutschland legt Rüstungsprojekt mit der Türkei auf Eis

Die Bundesregierung hat am Donnerstag eine "Neuausrichtung" ihrer Türkei-Politik angekündigt. Das sorgte für Zorn in Ankara.

Am Freitag kritisierte der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan bei einer Rede in Istanbul die deutsche Regierung. Zu Nazi-Vergleichen griff Erdogan dabei wie in der Vergangenheit nicht. Allerdings holte er zu einem Rundumschlag gegen die Bundesregierung aus.

Die Kritik von Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) wies Erdogan scharf zurück. Dessen Aussagen seien "unbegründet", zitiert die türkische Nachrichtenagentur Anadolu den Staatschef.

Gabriel hatte nach der Inhaftierung eines deutschen Menschenrechtlers gewarnt, "dass deutsche Staatsbürger in der Türkei vor willkürlichen Verhaftungen nicht mehr sicher" seien.

Deutschland könne die Türkei "nicht anschwärzen"

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe der türkische Präsident in seiner Rede nicht erwähnt, berichtet die "Bild"-Zeitung. Allerdings habe Erdogan auf die Krawalle beim Hamburger G20-Gipfel verwiesen. Beim Gipfel in der Türkei vor zwei Jahren sei alles reibungslos verlaufen.

Deutschland müsse "sich zusammenreißen", sagte Erdogan. Die Forderung nach der Freilassung inhaftierter Deutscher in türkischen Gefängnissen wies er mit Verweis auf eine "unabhängige Justiz" erneut zurück.

Er fügte hinzu: "Ich will Deutschland und der ganzen Welt nochmal sagen, ihr könnt die Türkei nicht anschwärzen, dafür reicht eure Kraft nicht. Mit so was könnt ihr uns nicht einschüchtern."

Die Aussagen aus Deutschland zielten letztlich nur darauf ab, Investoren abzuschrecken. "Und das verurteile ich aufs Schärfste", sagte Erdogan.

Schwarze Liste sei böse Propaganda

Der Präsident dementierte außerdem Berichte, dass türkische Behörden gegen deutsche Unternehmen wegen Terrorunterstützung ermittelten.

Solche "böse Propaganda" solle nur dazu dienen, Druck auf deutsche Firmen auszuüben und international für Verunsicherung zu sorgen, sagte Erdogan.

Laut einem Bericht der "Zeit" stehen deutsche Großkonzerne wie Daimler, aber auch eine Dönerbude, auf einer schwarzen Liste der türkischen Behörden. Schon vor einige Wochen sei dem BKA die Liste übergeben worden. Den Unternehmen werde Verbindungen zur Gülen-Bewegung vorgeworfen, die laut Erdogan hinter dem Putschversuch vor einem Jahr stecke.

Mehr zum Thema: Erdogan plant die nächste Säuberungswelle - und hat einen neuen Gegner im Visier

Mit Material der dpa

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

(sk)

Korrektur anregen