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20/07/2017 10:25 CEST | Aktualisiert 20/07/2017 10:52 CEST

Trump stellt seinen Justizminister Jeff Sessions öffentlich bloß

Kevin Lamarque / Reuters
Trump stellt seinen Justizminister Jeff Sessions öffentlich bloß

  • Trump äußert sich in einem Interview negativ über seinen Justizminister Sessions

  • Er würde ihn nicht noch einmal zum Minister ernennen

  • In einem Rundumschlag zieht er auch über Sonderermittler Robert Mueller und den Ex-FBI-Chef James Comey her

Es ist ein seltenes Ereignis: Donald Trump gesteht öffentlich einen Fehler ein. Der US-Präsident würde Jeff Sessions nicht noch einmal zum Justizminister ernennen. Das berichtete er am Mittwoch in einem Interview der "New York Times".

Er hätte Sessions nicht ernannt, wenn er vorher gewusst hätte, dass sich der Justizminister in der Russland-Affäre für befangen erklären würde.

Zugleich attackierte Trump den früheren FBI-Direktor Robert Mueller, der als Sonderermittler in der Affäre fungiert, Rod Rosenstein, den stellvertretenden Leiter des US-Justizministeriums und den früheren FBI-Direktor James Comey.

"Ich hätte Sessions niemals ernannt"

Sessions erklärte sich im März befangen bei der Untersuchung, ob Trumps Mitarbeiter sich mit russischen Offiziellen getroffen haben, um das Wahlergebnis zu beeinflussen. Der Justizminister unternahm diesen Schritt, nachdem herausgekommen war, dass er sich vor seinem Amtsantritt zweimal mit dem russischen Botschafter Sergey Kislyak getroffen hatte.

"Sessions hätte sich niemals für befangen erklären sollen und wenn er das vorgehabt hat, dann hätte er es mir sagen sollen bevor er seinen Job antrat. Dann hätte ich jemand anderen gewählt", erklärte Trump der "New York Times".

Trump ist "aus der Haut gefahren"

Er fügte hinzu:

"Jeff Sessions nimmt den Job an, tritt den Job an, zieht sich wegen Befangenheit zurück, was offen gesagt sehr unfair gegenüber dem Präsidenten ist. Wie kann man einen Job annehmen und sich dann wegen Befangenheit zurückziehen? Wenn er sich vor seinem Jobantritt für befangen erklärt hätte, hätte ich gesagt 'Danke, Jeff, aber ich werde dich nicht ernennen.'"

Berichten zufolge, sei Trump nach Sessions Entscheidung "aus der Haut gefahren". Der Justizminister habe dem Präsidenten nach einigen "hitzigen" Treffen seinen Rücktritt angeboten.

Das Justizministerium reagierte nur zögerlich auf eine Anfrage.

"Sonderermittler Mueller ist mit Interessenkonflikten beladen"

Trump, der die Untersuchungen wiederholt als "Hexenjagd" bezeichnete, behauptete außerdem, dass Mueller selbst massiv mit Interessenkonflikten beladen sei. Er warnte den Sonderermittler außerdem davor, die finanziellen Interessen des Trump-Clans bezüglich Russland zu untersuchen.

"Ich denke, das ist ein grober Verstoß", sagte der US-Präsident. "Schauen Sie, hier geht es doch um Russland."

Trump schoss außerdem mehrere Pfeilspitzen in Richtung Von Sessions Stellvertreter Rosenstein. Der hatte mit seinem Memorandum FBI-Chef Comey zu Fall gebracht und Mueller als Sonderermittler ernannt.

Das Interesse an Trumps Russland-Verbindungen reißt nicht ab

Trump wiederholte zudem seine Behauptung, Comey habe während seiner Anhörung vor dem Senatsausschuss gelogen. Er glaube, der damalige FBI-Direktor habe ihn bezüglich laufender Ermittlungen informiert, um sich selbst in eine günstigere Lage zu bringen.

"Meiner Meinung nach hat mir Comey Bescheid gegeben, damit ich glaube, wir hätten unseren Streit beigelegt."

Das Interview stößt vor dem Hintergrund der aktuellen Russland-Affäre auf großes Interesse. Erst kürzlich wurde bekannt, dass Donald Trump Jr. im Juni 2016 sich mit einer vermeintlichen Kontaktperson zum Kreml getroffen hatte, um kompromittierende Informationen über Hillary Clinton zu erhalten.

Und am Dienstag kamen Enthüllungen ans Tageslicht, dass Trump während des G20-Gipfels ein zweites Gespräch mit dem russischen Präsident Wladimir Putin führte, nur einige Stunden nach ihrem ersten Treffen. Das Gespräch wurde vom Weißen Haus so lange unter Verschluss gehalten, bis Ian Bremmer, Präsident des Beratungsunternehmen Eurasia Group, die Nachricht veröffentlichte.

Der Artikel ist zuerst bei der HuffPost USA erschienen und wurde von Andreas Marx übersetzt.

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(mf)

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