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20/07/2017 09:56 CEST | Aktualisiert 20/07/2017 10:01 CEST

Im Kampf gegen Acrylamid: EU möchte knusprige Pommes verbieten

guruXOOX via Getty Images
Die EU will vorschreiben, wie wir unsere Pommes essen

  • Der Stoff Acrylamid gilt als wahrscheinlich krebserregend

  • Er ist vor allem in Pommes, Chips und Knäckebrot enthalten

  • Durch eine neue EU-Regelung könnte sich jetzt einiges ändern - unter anderem wie knusprig Pommes sein dürfen

Egal, ob in Pommes, Chips oder Knäckebrot: Acrylamid entsteht beim Backen, Braten und Frittieren von Kartoffeln und Getreide aus ganz natürlichen Inhaltsstoffen. Trotzdem will die EU Acrylamid bis 2019 soweit wie möglich zurückdrängen. Denn es steht unter Verdacht, krebserregend zu sein.

Am Mittwoch billigte deshalb ein Expertengremium in Brüssel neue EU-Vorgaben für Backstuben, Frittenbuden und Restaurants. Verbraucherschützer sind fürs Erste zufrieden, doch die Gastronomie befürchtet ein Bürokratiemonster. Denn die EU will selbst den Bräunungsgrad von Waren festlegen - und entscheidet damit auch darüber, wie knusprig unsere Pommes sein dürfen.

Wie gefährlich ist Acrylamid?

In Tierversuchen wurde ein erhöhtes Krebsrisiko durch Acrylamid nachgewiesen und auch die europäische Lebensmittelaufsicht EFSA warnt davor.

Aber was ist Acrylamid? Es entsteht bei großer Hitze aus den natürlichen Stoffen Asparagin und Zucker, die in stärkehaltigen Waren wie Kartoffeln oder Mehl enthalten sind.

Allerdings bildet sich Acrylamid nur beim Backen, Braten, Rösten und Frittieren, nicht aber beim Kochen.

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Was will die EU-Kommission?

Ziel der neuen EU-Regeln ist es, beim Garen möglichst wenig Acrylamid entstehen zu lassen.

Die neue Verordnung soll dazu beitragen, den Acrylamid-Gehalt zu senken. Gleichzeitig werde sie Verbraucher darauf aufmerksam machen, auch beim Kochen zu Hause die Entstehung des Stoffs zu vermeiden.

Die neuen Regeln allerdings richten sich in erster Linie an professionelle Lebensmittelhersteller und -verarbeiter. Die eigenen Pommes bleiben also unberührt. Gastronomen müssen sich jetzt aber umstellen.

Was soll sich ändern?

Die neue EU-Regelung gibt zum Beispiel vor, Kartoffelsorten mit wenig Stärke zu verwenden und Pommes vor dem Frittieren einzuweichen oder zu blanchieren, um die Stärke auszuwaschen.

Zudem sollen die Hitze beim Garen auf das Nötigste begrenzt und die Waren so wenig wie möglich gebräunt werden. Bräunungstabellen sollen einen Anhaltspunkt geben.

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Bei Ofen-Fritten soll zum Beispiel genau angegeben werden, bei welcher Temperatur sie fertig gebacken werden sollen und dass sie nur bis zu einer “goldgelben Farbe” gegart und alle zehn Minuten gewendet werden sollen.

Reaktionen: Pommes-Regelung gilt als umstritten

Besonders EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis befürwortet den Entwurf: “Heute haben wir einen wichtigen Schritt zum Schutz von Gesundheit und Wohlergehen der Bürgerinnen und Bürger getan.”

Die Gastronomie reagiert dabei jedoch weniger erfreulich auf die neue Verordnung und stuft sie als unverhältnismäßig, überflüssig und bürokratisch ein.

Der europäische Verbraucherverband BEUC hingegen wertete die EU-Maßnahmen als wichtigen ersten Schritt. Doch dringt er auf verbindliche Grenzwerte für Acrylamid in bestimmten Lebensmitteln.

Nach der Entscheidung vom Mittwoch folgt nun eine dreimonatige Einspruchsfrist, bevor die EU-Kommission die Vorlage endgültig annimmt. Das Inkrafttreten ist für Frühjahr 2019 geplant.

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(cho)

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