"Kronzeuge der Hetze": ARD-Moderator streitet mit Boris Palmer auf Facebook - der macht ihm ein Angebot

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BORIS PALMER
"Kronzeuge der Hetze": ARD-Moderator streitet mit Boris Palmer - der macht ihm ein Angebot | Thomas Niedermueller via Getty Images
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  • Grünen-Politiker Palmer und ARD-Moderator Restle haben sich auf Facebook über die Vorfälle in Schorndorf gestritten
  • Der Journalist warf Palmer vor, sich in die Nähe von rechten Hetzern zu begeben
  • Palmer wehrte sich dagegen - und lud Restle zu einem persönlichen Gespräch ein

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) hat sich auf Facebook eine öffentliche Debatte mit dem Moderator des ARD-Politikmagazins "Monitor", Georg Restle, geliefert. Nach mehreren Runden des Schlagabtauschs nahm die Diskussion dann doch noch ein fast versöhnliches Ende.

Auslöser des Disputs war eine Äußerung Palmers am Dienstag nach den Ausschreitungen auf dem Schorndorfer Volksfest gewesen. Ein Teil der Asylbewerber stelle eine Gefahr für die Öffentlichkeit dar, schrieb der Grünen-Politiker auf Facebook. Er zitierte auch eine polizeiliche Statistik, wonach "die Gruppe der Zuwanderer überdurchschnittlich häufig an der Begehung von Straftaten beteiligt" sei.

Restle warf ihm vor, mit solchen Äußerungen den "braunen Sumpf" bedienen zu wollen.

Palmer wehrte sich in einem langen Beitrag: "Sie brandmarken mich, Sie grenzen mich aus, nur weil ich sage, hier gibt es ein Problem, lasst uns nicht mehr wegschauen, sondern es lösen."

"Nähe zu unerträglichen Parolen von Rechtsaußen"

Restle antwortete ein weiteres Mal am Mittwoch auf Palmer. Zwar habe Palmer seine Einschätzung zu Schorndorf abgemildert. Immerhin hatte die Polizei einen neuen Bericht veröffentlicht, der deutlich anders klang als die erste Einschätzung. Demnach hätten nicht 1000 Personen, wie ursprünglich angenommen, in dem schwäbischen Ort randaliert, sondern lediglich 100. Ob Asylbewerber darunter waren, konnte die Polizei auch nicht sicher sagen. Zunächst war von vielen Personen mit Migrationshintergrund die Rede gewesen.

Aber Palmer erwecke mit seinen Äußerungen immer den Eindruck, Asylbewerber seien maßgeblich an einer Gewaltorgie beteiligt gewesen, kritisierte Restle.

Palmer hatte geschrieben: "Die Ereignisse folgen Schlag auf Schlag. Schorndorf ist meine alte Heimat. Mir völlig unbekannte Gewalt und Übergriffe bei einem an sich friedlichen Fest. Und wieder sehr junge Asylbewerber mitten drin."

Der Grünen-Politiker habe damit den Gesamteindruck einer "islamischen Grapschparty" verstärkt. "Diese Nähe zu den unerträglichen Parolen von Rechtsaußen ist es, die ich Ihnen vorwerfe – und dass Sie sich nicht vehement dagegen zur Wehr setzen, von diesen Menschen als Kronzeuge für ihre Hetze herangezogen zu werden", lautete die entscheidende Botschaft des ARD-Moderators an den Politiker.

Palmer fühlt sich missverstanden

Palmer antwortete am Donnerstag schließlich - und fühlte sich missverstanden. "Ich habe mit 'Asylbewerber mitten drin' die sexuellen Übergriffe auf Frauen gemeint. An dieser Meldung hat die Polizei nichts verändert. Sie lesen das so, als hätte ich Asylbewerber mitten in der Gruppe der angeblich 1000 Migranten identifiziert", schreibt Palmer.

Diese "Lesart" sei möglich, glaubt Palmer, aber nicht zwingend. Tatsächlich aber dürften viele Palmers Satz so verstanden haben wie Restle: Da randalieren und grapschen junge Asylbewerber in einem wilden Mob.

Die entscheidende Frage für Palmer sei jedoch: Haben sexuelle Übergriffe durch Asylbewerber eine neue Qualität bekommen? "Schon 2016 ist bei den Sexualstraftaten der Anteil der Asylbewerber siebenfach erhöht gegenüber dem Erwartungswert. Da kann man Korrekturfaktoren ansetzen, aber es bleibt ein signifikanter Unterschied", schreibt Palmer, um seine These zu untermauern.

Restle hatte die Aussagekraft von Statistiken bezweifelt. Um darüber zu diskutieren, machte Palmer dem Moderator einen Vorschlag: "Lernen wir uns mal kennen. Geographisch waren wir ja schon oft ziemlich nahe beieinander."

Beide stammen aus Baden-Württemberg. Mit ihrem verbalen Schlagabtausch haben sie vorgemacht, wie eine sachliche Debatte auch aussehen - und zu welchem Ende sie führen kann.

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(sk)

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