Die 7 bekanntesten Theorien über Krebs-Heilmittel - und welche davon Lügen sind

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Die 7 größten Theorien über angebliche Krebs-Heilmittel - und welche davon Lügen sind | iStock
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  • Krebs ist die Krankheit, vor der sich die meisten Menschen fürchten
  • Verständlich, dass im Internet zahlreiche angebliche Heilmittel kursieren
  • Doch was ist dran an den Theorien? Wir sind der Sache auf den Grund gegangen

Jedes Jahr erkranken in Deutschland rund 470.000 Menschen neu an Krebs. Es ist das Leiden, vor dem sich die meisten Menschen fürchten, wie eine Forsa-Umfrage ergeben hat. Kein Wunder also, dass im Internet mittlerweile zahlreiche angebliche Heilmittel kursieren.

Verschiedene Fasten-Kuren, Naturstoffe oder Medikamente sollen den Krebs besiegen können. Wer verzweifelt ist, wird vermutlich früher oder später darauf stoßen - und sich fragen, ob nicht vielleicht doch das ein oder andere einen Versuch wert sein könnte im Kampf gegen die tödliche Krankheit.

Wir haben die verschiedenen Versprechungen aus dem Netz gesammelt und beim Krebsinformationsdienst nachgefragt, was wirklich dahinter steckt.

Auch viele Patienten und Angehörige wenden sich an diesen Dienst, voller Hoffnung, dass sie möglicherweise das eine Mittel im Internet gefunden haben, das den Krebs besiegt.

Die Mitarbeiterin und Biologin Birgit Hiller hat sich deshalb bereits viel mit dieser Thematik beschäftigt. Nach eingehender Prüfung der Literatur und der vorliegenden Daten und Studien ist sie zu dem Schluss gekommen, dass es für die meisten der bestehenden Mythen keinerlei Beweise gibt - und dass sie teilweise sogar Schaden anrichten können.

Mythos Nummer eins: "Man kann den Krebs aushungern"

Kein Zucker, keine Kohlenhydrate oder nur noch Tee: Im Internet kursieren Theorien über etliche Krebsdiäten. Dabei sollen Patienten auf bestimmte Lebensmittel verzichten. Den Krebs, so lautet das Versprechen, könne man dadurch "aushungern".

Selbsternannte Experten haben sogar schon eigens entwickelte Kuren erfunden, die dabei helfen sollen, die Krebszellen zu vernichten. Bei der "Krebskur total nach Breuss" zum Beispiel sollen Patienten sich 42 Tage lang nur von Säften und Tees ernähren.

Laut dem Krebsinformationszentrum ist das jedoch höchst gefährlich. Patienten erhielten dadurch nicht nur zu wenige Kalorien und Nährstoffe, sie verlören auch wichtige Mineralstoffe, mit schwerwiegenden Folgen für den Stoffwechsel.

"Gezielte Krebsdiäten sind das genaue Gegenteil der gesunden Vielfalt und Ausgewogenheit, zu der Ernährungsexperten heute raten", teilt der Krebsinformationsdienst mit.

"Wirksame Krebsdiäten gibt es nicht – dieser Satz gilt auch für Menschen, die bereits an Krebs erkrankt sind. Bisher gibt es keinerlei Beweise dafür, dass man durch besondere Diäten, Entgiftungen, Saftkuren oder ähnliche Rezepte Krebs beeinflussen kann."

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Auch von einer veganen Ernährung rät der Krebsinformationsdienst ab. Wer zum Beispiel nur noch streng vegan essen wolle, müsse mit einer Gewichtsabnahme rechnen - und das könnte für viele Tumorkranke, die ohnehin schon drastisch an Gewicht verlieren, lebensbedrohlich sein.

Mythos Nummer zwei: "Methadon hilft gegen Krebs"

Seit einigen Wochen ist es überall in den Medien: Das Schmerzmittel Methadon soll gegen Krebs helfen. Doch Beweise dafür fehlen bisher.

Die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) schreibt dazu in einer Stellungnahme:

"L-Methadon (Levomethadon) ist ein wirksames Mittel bei Krebspatienten mit starken Schmerzen, aber es steigert im Labor die Empfindlichkeit von Krebszellen für Chemotherapie. Auf der Basis der bisher vorliegenden Daten ist ein Einsatz als Krebsmedikament außerhalb von klinischen Studien nicht gerechtfertigt."

Bis Methadon eingehender geprüft ist, raten Ärzte deshalb von dem Schmerzmittel als Antikrebsmedikament ab.

Mythos Nummer drei: "Man sollte Aprikosenkerne kauen"

Es klingt zwar seltsam, ist aber ein weit verbreiteter Mythos: Das Kauen von Aprikosenkernen soll bei Krebs helfen. Denn in den Aprikosenkernen stecke angeblich das Vitamin B 17, das Krebszellen vernichten könne, heißt es.

Schon seit den 70er und 80er Jahren hält sich dieses Gerücht hartnäckig, dabei ist man laut dem Krebsinformationsdienst schon 1990 nach eingehenden Studien zu dem Fazit gekommen, dass es falsch ist.

Tatsächlich handle es sich bei dem Stoff der Aprikosenkerne nicht um ein Vitamin, sondern um Lätril.

Es drohen Vergiftungen

"Lätril ist hochgiftig", sagt die Biologin Hiller. Es gehöre zur Gruppe der Blausäuren. Hoffnungsvolle Krebs-Patienten vergifteten sich seit Jahrzehnten damit.

"Lätrile gehören zu den wenigen Mitteln, vor deren Einsatz alle internationalen Krebsinstitutionen dringend warnen. In den USA sind sie sogar verboten", sagt Hiller.

Die Verfechter der Aprikosenkern-Theorie aber behaupten, dass es sich dabei um ein Wundermittel handle, das die Ärzte vor ihren Patienten geheim hielten - weil es nicht so rentabel sei wie beispielsweise eine Chemotherapie.

Die Erfahrung der Mitarbeiter des Krebsinformationsdiensts ist hingegen, dass Menschen sich oft in Verschwörungstheorien flüchten, wenn sie nicht beweisen können, dass etwas stimmt oder verzweifelt sind.

Mythos Nummer vier: "Kurkuma kann das Tumor-Wachstum bremsen

Sucht man im Internet nach Krebsheilmitteln taucht es immer wieder auf: Kurkuma. Angeblich soll der Stoff präventiv wirken und sogar das Wachstum von bestehenden Tumoren bremsen können. Auch der Krebsinformationsdienst wurde schon oft mit dieser Behauptung konfrontiert.

Kurkuma lasse sich dabei wahlweise durch andere Naturstoffe wie beispielsweise Kamille oder Misteln ersetzen. Leider sei eine tatsächliche positive Wirkung dieser Naturstoffe aber nicht bewiesen. Laut der Biologin Hiller liegt das Problem darin, dass viele Naturstoffe in Studien an Mäusen und Zellkulturen getestet werden.

Sobald sich dann ein geringfügig positiver Effekt zeige, würden sich Medien auf die Ergebnisse stürzen und sie als Durchbruch in der Krebsforschung feiern - ein Irrtum.

Die einzige nachgewiesene Wirkung, die Kurkuma laut dem Krebsinformationsdienst hat, ist ein entzündungshemmender Effekt. Dass Kurkuma deshalb gegen Krebs hilft, sei aber eher anzuzweifeln. Da viele Naturstoffe außerdem auch Nebenwirkungen haben können, sollte eine Verwendung immer erst mit einem Arzt abgeklärt werden.

Mythos Nummer fünf: "Vollkornbrot lässt Krebszellen absterben"

Man kann es sich schon denken - das im Internet verbreitete Gerücht, dass Vollkornbrot Krebszellen absterben lässt, ist zu schön, um wahr zu sein. Eine positive Wirkung von Vollkornbrot ist laut dem Krebsinformationsdienst nicht nachgewiesen, aber immerhin: Eine ballaststoffreiche Ernährung könne tatsächlich vor Dickdarmkrebs schützen.

Wichtig sei vor allem, viel Gemüse und Obst zu essen und sich viel zu bewegen. Auch ist laut dem Krebsinformationsdienst nachgewiesen, dass rotes Fleisch und zu stark gesalzenes Essen Dickdarmkrebs begünstigen können. Darauf zu verzichten, kann also vorbeugend wirken.

Mythos Nummer sechs: "Aspirin hilft bei Darmkrebs"

Die Inhaltsstoffe von Aspirin könnten das Tumorwachstum stoppen, ist immer wieder im Internet zu lesen.

Aspirin wirkt entzündungshemmend in den Zellen, bestätigt Hiller. Studien hätten tatsächlich gezeigt, dass man dadurch sein Darmkrebsrisiko verringern könne. Doch es gebe einen schwerwiegenden Nachteil: Das Risiko von Magengeschwüren und Blutgerinnseln steige beträchtlich an.

Der Krebsinformationsdienst rät nach Prüfung der Daten deshalb dazu, eine Aspirin-Einnahme mit einem Arzt abzuklären und keinesfalls auf eigene Faust zu handeln. Auch sollten nur Menschen mit einem extrem hohen Dickdarmkrebs-Risiko diese Maßnahme in Erwägung ziehen. Grundsätzlich sei eher davon abzuraten, weil die Wirkung noch zu wenig erforscht sei.

Mythos Nummer sieben: "Man sollte lieber auf eine Bestrahlung oder auf eine Operation verzichten"

Hiller schätzt, dass diese Annahme aus dem 19. Jahrhundert stammt. Zu dieser Zeit wurde noch ohne Narkose operiert. Operationen waren mit großen Schmerzen und einem hohen Infektionsrisiko verbunden. Hiller vermutet, dass sich das bis heute in den Köpfen festgesetzt hat.

Vor allem Alternativmediziner raten außerdem von Chemotherapien ab. Gerade bei selbsternannten Krebstherapeuten sollten Patienten jedoch äußerst vorsichtig sein. Diese haben oft kein medizinisches Fachwissen.

Es bleibt festzuhalten:

Die meisten angeblichen Krebsheilmittel haben keine nachgewiesene positive Wirkung. Im Gegenteil - einige können sogar schädlich sein. Der Krebsinformationsdienst rät Krebspatienten vor allem dazu, nie auf eigene Faust zu handeln und alles vorher mit einem Arzt abzuklären.

Und auch wenn es frustrierend sein kann, dass die meisten alternativen Heilmittel keine Wirkung zeigen: Eine gesunde Ernährung mit viel Obst und Gemüse und ausreichend Bewegung können zumindest dazu beitragen, das individuelle Krebsrisiko zu verringern oder sich bei einer bestehenden Krankheit besser zu fühlen - das ist erwiesen.

Von allen nicht erwiesenen Theorien und angeblichen Wundermitteln raten Ärzten hingegen ab.

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(lk)

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