POLITIK
20/07/2017 10:28 CEST | Aktualisiert 20/07/2017 17:30 CEST

"FAZ" warnt: Viele machen einen Denkfehler in Bezug auf die AfD

Florian Gaertner via Getty Images
"FAZ" warnt: Diesen einen Denkfehler machen viele mit der AfD

  • Beobachter unterstellen der AfD angesichts der dauernden Tabubrüche, eine Partei der Manipulatoren und Verführer zu sein

  • Ein großer Fehler, warnt die "FAZ" in einem bitterbösen Kommentar

  • Darin erklärt die Zeitung, warum die AfD vor allem eine "Partei der Dilettanten" ist

Was kann man sich herzlich aufregen über diese Partei.

Die Ausschreitungen in Schorndorf nannte AfD-Vize Beatrix von Storch eine "islamische Grapschparty", als noch nicht einmal die Polizei wusste, was genau vorgefallen war.

AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland wiederum erklärt in seinen Wahlkampfreden, warum "Deutschland zuerst" kommen müsse. Trump lässt grüßen.

Und sein Parteifreund André Poggenburg nähert sich rhetorisch dunklen Zeiten an, wenn er sagt, dass "Deutschland den Deutschen" gehöre.

"Wille zur Selbstbeschädigung"

All diese Aussagen bewegen sich zwischen Unsinn und rechtem Populismus. Manche unterstellen der AfD gar Verführerqualitäten, weil sie mit ihren Aussagen in den sozialen Netzwerken oft eine vergleichsweise große Reichweite erzielen.

Warum das ein großer Fehler ist, schreibt "FAZ"-Redakteur und AfD-Experte Justus Bender heute in einem Kommentar auf der Titelseite der Zeitung.

"Ausgerechnet jene, die Rechtspopulisten für kritikwürdig halten, unterstellen ihnen die handwerkliche Qualität, Meister der Manipulation zu sein", schreibt Bender. Und weiter:

"Der typische AfD-Funktionär wäre in dieser Sicht kein schlichter Bürger, der bei Gelegenheit in Mikrofone ruft, was er über Muslime denkt. Ihm muss ein Charisma oder mindestens eine an Zauberei erinnernde Sogwirkung unterstellt werden. (...) Während überall in der Öffentlichkeit darüber diskutiert wird, was für und gegen die AfD spricht, geht eine Erkenntnis unter: Die Partei hat keine echten Charismatiker in ihren Reihen. Und noch eine: Ihr Wille zur Selbstbeschädigung und zum handwerklichen Dilettantismus ist seit Jahren unverändert stark."

Dafür sprechen gleich mehrere Gründe.

Dilettantisch wirkt die AfD derzeit, weil sie in mehreren Bundesländern droht, zur Bundestagswahl nicht antreten zu können. In Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt haben AfD-Mitglieder die Landesliste angefochten. Im Saarland erklärte das Oberlandesgericht die Liste für nichtig.

Dilettantisch wirkt die Partei auch, weil sie sich wenige Wochen vor der Bundestagswahl in einer Schlammschlacht um ihre Chefin Frauke Petry verzettelt. Co-Chef Jörg Meuthen strebt eine Kampfkandidatur an und in Sachsen versuchen AfD-Mitglieder, Petry die Direktkandidatur zu entziehen.

Bei den parteiinternen Kämpfen "schien um Großes zu gehen, um einen Konflikt zwischen Rechtsradikalismus und Resten einer auf Werten ruhenden Bürgerlichkeit", schreibt Bender. "Gilt das noch? Eher entlarvt sich selbst der schönste Grabenkampf irgendwann als politische Seifenoper."

Für die Partei hat diese Seifenoper ganz reale Konsequenzen - etwa in den Umfragen.

Noch im Mai rief Spitzenkandidaten Alice Weidel das 15-Prozent-Ziel für die Bundestagswahl aus. Derweil taumelt die Partei eher Richtung 5 Prozent.

Zudem laufen der Partei aus Sorge vor einem Rechtsruck führende Mitglieder davon - wie kürzlich in Berlin, Niedersachsen und Brandenburg.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

(sma)

Sponsored by Trentino