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20/07/2017 17:35 CEST | Aktualisiert 21/07/2017 08:47 CEST

Dramatischer Appell an Merkel: Bayerische Gemeinden fürchten neue Flüchtlingskrise

Fabrizio Bensch / Reuters
Bayerische Gemeinden bitten Merkel, einen neuen Flüchtlingsstrom zu verhindern

  • Der Präsident des Bayerischen Gemeindetages appelliert an Kanzlerin Merkel, einen neuen Flüchtlingsstrom nach Deutschland zu verhindern

  • Die Aufnahmebereitschaft der Bevölkerung sei erschöpft

Bayerns Gemeinden haben an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) appelliert, einen neuen Flüchtlingsstrom nach Deutschland zu verhindern.

Die Aufnahmebereitschaft der Bevölkerung sei erschöpft, sagte der Präsident des Bayerischen Gemeindetages, der Abensberger Bürgermeister Uwe Brandl (CSU), am Donnerstag in München.

Einen erneuten massenhaften Zustrom wie vor zwei Jahren könnten die Kommunen nicht mehr verkraften, betonte Brandl. "Der Fehler vom Herbst 2015 darf sich nicht mehr wiederholen."

Das Problem eines sich abzeichnenden neuen Zustromes an Flüchtlingen dürfe nicht wegen des Bundestagswahlkampfes verdrängt werden.

Italien ist überfordert

Italien ist nach Überzeugung von Brandl mit der Aufnahme von wöchentlich Tausenden Flüchtlingen, die über das Mittelmeer kommen, überfordert. Es sei schon jetzt absehbar, dass die Asylbewerber nach Deutschland weiterreisen.

"Bitte setzen Sie sich intensiver als bisher dafür ein, dass die Überfahrt nach Italien aufhört", appellierte Brandl an Merkel. Den Schleppern aus Libyen müsse das Handwerk gelegt werden. Die Kanzlerin solle auf entsprechende Beschlüsse der EU dringen.

Brandl tritt Anfang 2018 sein Amt als Präsident des Deutschen Städte- und Gemeindebundes an, der die Interessen der kleinen und mittelgroßen Kommunen vertritt. In Bayern vertritt der Verband die Interessen von über 2000 Gemeinden.

Mehr zum Thema: Ein Landrat macht ernst: Eine Gemeinde aus Niederbayern schickt Flüchtlingsbus zum Kanzleramt

85.000 Flüchtlinge in nur sechs Monaten

Derzeit versuchen wieder Tausende Flüchtlinge und Migranten vor allem aus Afrika über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen. Im ersten Halbjahr 2017 sind mehr als 85.000 Flüchtlinge nach Italien gelangt.

Beim EU-Innenministertreffen vorvergangene Woche in Tallinn war der Hilferuf Roms, auch andere Länder sollten ihre Häfen für Flüchtlingsschiffe öffnen, allerdings auf Widerstand gestoßen. Die Bundesregierung hatte die Sorge geäußert, das würde noch mehr Migranten zur Überfahrt ermutigen.

Mehr zum Thema: Wenn Europa scheitert, scheitert es in Italien

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(sk)

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