Donald Trump hat der "New York Times" ein bizarres Interview gegeben - das sind die 9 absurdesten Passagen

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Donald Trump hat der "New York Times" ein bizarres Interview gegeben - das sind die 9 irrsten Passagen | Carlos Barria / Reuters
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  • Donald Trump hat der "New York Times" ein Interview gegeben
  • Darin spricht er vor allem über: Donald Trump - und wie großartig er ist
  • Das sind die 9 absurdesten Aussagen

Obwohl US-Präsident Donald Trump eine persönliche Abneigung gegen die "New York Times" hegt, hat er der Zeitung ein 50-minütiges Interview gegeben. Die Zeitung veröffentlichte Ausschnitte aus dem Gespräch.

Brisant darin sind nicht nur seine bizarren Aussagen zur Russland-Affäre und zu seinen politischen Gegnern. Er teilt diesmal auch gegen einen vermeintlichen Verbündeten aus. Und verwechselt zwei Größen der französischen Geschichte.

Hier sind einige der absurdesten Passagen des Interviews:

1. Trump über Trumps Qualitäten als Redner

Trumps Besuch in Warschau im Vorfeld des G20-Gipfels hatte für großes Aufsehen gesorgt. In Warschau wurde der US-Präsident umjubelt, die nationalkonservative Regierung fährt einen anti-europäischen Kurs.

Über seine Rede in Polen sagte Trump:

Ich habe die besten Kritiken erhalten für meine Rede in Polen. Selbst meine Gegner in den Medien haben gesagt, dass es die beste Rede eines amerikanischen Präsidenten auf ausländischem Boden gewesen ist [...]. Und die Reaktionen waren unglaublich.

Die beste Rede eines US-Präsidenten im Ausland? Zwar erhielt Trump lautstarken Applaus in Warschau, konservative Medien bezeichneten die Rede als Triumph. Kommentatoren der liberalen "Washington Post" aber störten die alarmistischen und nationalistischen Töne der Rede.

Aber Trump wäre nicht Trump, wenn er sich selbst nicht in höchsten Tönen loben würde.

2. Trump bricht öffentlich mit seinem Justizminister Jeff Sessions

Im Interview kritisierte der US-Präsident auch seinen Justizminister:

Jeff Sessions nimmt den Job an und erklärt sich als befangen. Das ist – nett ausgedrückt – sehr unfair dem Präsidenten gegenüber. Wie kann man einen Job annehmen und sich dann als befangen erklären? Wenn er das vorher gemacht hätte, hätte ich gesagt 'Danke Jeff, aber ich kann dich nicht nehmen.'

Hintergrund ist die Entscheidung des Justizministers vom März, sich wegen Befangenheit aus den Russland-Ermittlungen des FBI herauszuhalten.

Session galt als engster Verbündeter von Trump. Umso erstaunlicher also, dass Trump öffentlich über ihn herfällt.

3. Trump über sein Händchenhalten mit Macron

Trump sprach auch über seinen Besuch in Paris. Amtskollege Emmanuel Macron hatte ihm zum französischen Nationalfeiertag am 14. Juni eingeladen. Beide Staatschefs verstanden sich offensichtlich gut. Das wollte Trump im Interview offenbar betonten - und erwähnte immer wieder, wie gerne Macron seine Hand gehalten habe:

Der französische Präsident wollte mich unbedingt bei der Jubiläumsfeier zum 100. Jahrestag des amerikanischen Eintritts in den ersten Weltkrieg dabei haben. Er sagte: ‘Ich würde es sehr zu schätzen wissen, Sie in Frankreich zu haben.’ Ich sagte ja. Er ist ein toller Typ. Und er liebt es, meine Hand zu halten. Die Leute haben das nicht bemerkt, aber er liebt es, meine Hand zu halten. Und das ist gut so [...].

Mehrmals kam Trump auf diesen Umstand zurück: "Ich meine, wirklich. Er ist eine sehr tolle Person. Und ein starker Typ, aber er muss das auch sein. Ich glaube, er wird ein toller Präsident. Aber er liebt es, meine Hand zu halten."

4. Trump verwechselt zwei Napoleons

Trump erwähnte auch noch ein Gespräch mit dem französischen Präsidenten, schien dabei allerdings etwas durcheinander gebracht zu haben:

Für Napoleon ging es etwas schlecht zu Ende. Ich habe den Präsidenten gefragt, was hat es mit Napoleon auf sich? Er sagte: 'Nein, nein, nein. Was er getan hat, ist unglaublich. Er hat Paris neu erschaffen.' Das Straßenraster, die Art und Weise, wie sie arbeiten, Sie wissen schon. Und sein Problem war, dass er nicht nach Russland einmarschiert ist an diesem einen Abend, weil er etwas anderes machen musste, und dann sind sie erfroren.

Macrons Antwort bezog sich aber offenbar nicht auf Napoleon Bonaparte, sondern auf Napoleon III. Der war es nämlich, der den Stadtplaner Georges-Eugène Haussmann zum Präfekten von Paris ernannte. Haussmann gestaltete Paris um und gab ihr das moderne Stadtbild, das wir heute kennen.

5. Trump über den verweigerten Handschlag mit Angela Merkel

Dann kam das Gespräch auf den G20-Gipfel in Hamburg. Unerwartet erwähnte Trump allerdings einen anderen Staatstermin: das erste Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Die Sache mit dem zweiten, nicht erfolgten Handschlag scheint Trump noch nicht losgelassen zu haben:

Wissen Sie, warum ich Merkel nicht die Hand geschüttelt habe? Ich sitze also auf dem Stuhl [...]. Die Presse kommt rein und einer ruft uns zu: ‘Schüttel ihre Hand, schüttel ihre Hand!’. Ich habe das aber nicht gehört. Also habe ich ihre Hand nicht geschüttelt. Wir saßen ja schon seit Stunden nebeneinander. Am nächsten Tag hieß es ‘Trump verweigert Handschlag…’.

Bei Merkels Besuch in Washington ignorierte Trump einen zweiten Handshake mit der Kanzlerin, obwohl mehrere Reporter und Merkel selbst hörbar danach verlangten. Trumps Sprecher Sean Spicer sagte hinterher, der US-Präsident habe die Kanzlerin nicht gehört.

6. Trump sprach mit Putin bei zweitem Treffen über Sanktionen

Das Weiße Haus berichtete am Dienstag, dass Trump während des G20-Gipfels ein zweites Treffen mit Putin abhielt. Nach Angaben von Ian Bremmer, dem Präsidenten der Eurasia Group, dauerte das Treffen über eine Stunde, an dem nur noch ein russischer Übersetzer teilnahm. Bremmer sagte, die Anwesenden hätten beim Dinner "verblüfft" und "perplex" reagiert.

Nach Trumps Darstellung soll dieses zweite Treffen etwas anders abgelaufen sein. Das Gespräch habe nur 15 Minuten gedauert.

Melania saß bei einem Bankett während des G20-Gipfels neben Putin und jemand anderen. Als das Dessert serviert wurde, ging ich rüber zu Melania und sagte dabei Putin ‘Hallo’. Es war keine lange Konversation, vielleicht 15 Minuten. Wir sprachen über Adoption. [...]

Wir sprachen darüber, weil es auch in dem Meeting meines Sohnes mit der russischen Anwältin darum ging [...]. Übrigens hätten die meisten Politiker einem solchen Treffen zugestimmt, wenn es heißt ‘wir haben Informationen über Ihre Kontrahentin’.

Dass Trump und Putin über Adoptionen gesprochen haben, mag absurd klingen - hat aber einen brisanten politischen Hintergrund. Denn als Reaktion auf US-Sanktionen hat Russland es Familien aus den USA verboten, russische Kinder zu adoptieren. Beide Staatschefs diskutierten also über Sanktionen.

7. Er wusste vom brisanten E-Mail-Verkehr seines Sohnes

Über das Treffen seines Sohnes äußerte sich Trump noch ausführlicher. Eine brisante Angelegenheit. Denn sollte er von dem Treffen gewusst haben, könnten auch ihm rechtliche Konsequenzen drohen.

Trump gab im Interview zu, zumindest von der E-Mail gehört zu haben, in der das Treffen eingefädelt wurde:

Ich habe nicht genau auf die E-Mail geschaut. Ich habe nur gehört, dass es eine E-Mail gibt, in der es um ein Treffen geht. Dass es darin um Informationen über Hillary Clinton geht. Ich meine, das war politischer Standard-Kram [...].

Ich habe nichts von dem Meeting gewusst. Es muss ein sehr wichtiges – ein sehr unwichtiges Meeting gewesen sein, weil ich davon nichts gewusst habe. Niemand hat mir davon etwas erzählt. Es klang nach einem sehr uninteressanten Treffen.

8. Trump droht Sonderermittler Mueller

Sonderermittler Robert Mueller ist damit beauftragt, mögliche Absprachen von Trumps Wahlkampfteam mit russischen Stellen zu untersuchen. Trump äußerte sich auch zu Mueller - und drohte ihm gar:

Wenn Mueller Untersuchungen über meine Familie und ihre geschäftlichen Verbindungen zu Russland anstellen würde, würde er damit eine rote Linie überschreiten [...].

Ich meine, es ist gut möglich, dass es da irgendwelche Geschäfte mit Eigentumswohnungen gibt. Ich habe eine Menge Wohnungen verkauft. Und irgendein Russe kauft das dann, wer weiß das schon? Doch ich besitze keine Gebäude in Russland. Sie sagen, ich mache viel Geld in Russland. Das tue ich nicht.

Wie die "New York Times" berichtet, habe Trump nicht sagen wollen, ob er nicht sogar Mueller feuern würde. Dazu berechtigt ist er jedenfalls nicht. Nur der stellvertretende Justizminister Rod Rosenstein, der Mueller als Sonderermittler ernannt hatte, wäre dazu berechtigt. Jedoch könnte Trump Rosenstein entlassen, mit dem er derzeit auch Probleme hat.

9. Comey habe ihn erpresst

Im Mai sorgte Trump für Schlagzeilen, als er unerwartet den FBI-Chef James Comey entließ. Im Interview mit der "New York Times" deutete der US-Präsident an, Comey habe ihn erpressen wollen:

Er hat mir von dem Dossier erzählt, um mich in der Hand zu haben. Ich habe mir damals schon gedacht, dass darin nur Lügen stehen. Comey hat einen Brief geschrieben. Ich glaube, er war an mich adressiert. Darin stand, ‘Sie haben jedes Recht, mich zu feuern!’. Warum sollte das jemand schreiben? Warum sagt man nicht einfach, ‘Hey, schick mich in Rente’ [...].

Bei dem erwähnten Dossier handelt es sich um ein Dokument, das ein britische Ex-Geheimdienstler zusammengestellt haben soll. Darin heiße es, der russische Präsident Wladimir Putin habe kompromittierendes Material über Trump in der Hand. US-Ermittler halten das Dossier für unglaubwürdig.

Bei seiner Anhörung vor dem Senatsausschuss stellte Comey das Gespräch mit Trump anders dar. Er habe den US-Präsidenten lediglich über das Dossier informiert.

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(ll)

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