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19/07/2017 00:09 CEST | Aktualisiert 19/07/2017 10:40 CEST

"Pure Zündelei": CDU-Politiker Spahn äußert sich zu Übergriffen in Schorndorf - und erntet scharfe Kritik

dpa
"Pure Zündelei": CDU-Politiker Spahn äußert sich zu Übergriffen in Schorndorf - und erntet scharfe Kritik

  • Jens Spahn hat die Krawalle und Übergriffe in Schorndorf als "Sinnbild" der Zustände in Deutschland bezeichnet

  • Für seine Äußerungen erntet der CDU-Politiker scharfe Kritik

  • Politiker wie Journalisten werfen ihm Populismus vor

Die Empörung über die Ausschreitungen und Übergriffe in Schorndorf bei Stuttgart ist groß. Schüler aus dem Ort und junge Asylbewerber sollen die Polizei angegriffen haben, zwei Frauen berichteten von sexuellen Übergriffen.

Jetzt hat die Debatte begonnen, welche Lehren aus Schorndorf gezogen werden müssen.

CDU-Finanzstaatssekretär Jens Spahn sieht in Schorndorf ein weiteres Beispiel dafür, dass die Integration in Deutschland gescheitert sei und dass die Flüchtlinge die deutsche Gesellschaft auch negativ verändern.

In einem Interview mit der Tageszeitung "Welt" sagte Spahn: "Schorndorf ist nur ein Sinnbild dafür, was jeden Tag an vielen Orten in Deutschland passiert."

Für Spahn genügt ein Blick in Regionalzeitungen

Um das zu erkennen, genüge ein Blick in die Regionalzeitungen: In Oldenburg habe ein Syrer einen Landsmann erstochen, in Herford bedrängten fünf Afghanen ein Mädchen, in Schorndorf schließlich seien Frauen begrapscht worden.

Das alles passiere also "jeden Tag" an "vielen Orten". "Nicht jede andere Kultur bereichert", poltert Spahn weiter.

Die Fälle, die Spahn aufzählt, trugen sich allerdings jeweils in einem Abstand von mehr als vier Wochen zu.

Und auch in Schorndorf ist nicht ganz klar, wer da randalierte. Der Schorndorfer Oberbürgermeister Matthias Klopfer zumindest hielt den Polizeibericht für unglücklich, berichtete die "Welt". Der habe den Eindruck erweckt, "randalierende Horden von Migranten" seien durch den Ort gezogen. Einen Ausnahmezustand habe es aber nicht gegeben, sagte er.

Laut Augenzeugen seien unter den Randalierern auch zahlreiche Deutsche mit türkischem Hintergrund oder in Deutschland lebende Türken gewesen, berichtete die "Welt" weiter.

"Angesichts der Faktenlage pure Zündelei"

Im Internet stieß Spahns pauschale Verurteilung von Asylbewerbern als Täter auf Kritik. "Lieber Jens Spahn", schreibt etwa "Spiegel Online"-Parlamentskorrespondet Florian Gathmann, "sowas ist angesichts der Faktenlage wirkliche pure Zündelei." Er setzt den Hashtag #populismus dazu.

Spahn antwortete: "Warum? Sie sollten öfter Regionalzeitungen lesen. Sexuelle Übergriffe ähnlicher Art sind leider eher tägliche Meldung..."

Auch der bayerische Grünen-Politiker Dieter Janecek wirft Spahn Übertreibung vor. "Ich bin als Bayer Volksfest erfahren. So zu tun als sei sexuelle Belästigung ein vorwiegend von Migranten erzeugtes Phänomen ist Unsinn", schreibt Janecek auf Twitter.

Ein anderer Nutzer gibt zu Bedenken: "War Jens Spahn ein einziges Mal auf einem Schützenfest? 2 Grapscher in Schorndorf. Jedes Schützenfest: ein Vielfaches."

Die Radio-Moderatorin Sophie Passmann schreibt lakonisch: "Habe einen Freund, mit dem ich mich eigentlich nur austausche, wenn Jens Spahn was Populistisches sagt." Sie fügt hinzu: "Wir haben fast täglich Kontakt."

Mehr zum Thema: Ein Augenzeuge aus Schorndorf berichtet, was wirklich vorgefallen ist

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(ks)