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19/07/2017 17:51 CEST | Aktualisiert 19/07/2017 19:04 CEST

Hamburgs Polizeipräsident räumt erstmals Fehler beim G20-Einsatz ein

Maximilian Marquardt
Hamburgs Polizeipräsident räumt erstmals Fehler beim G20-Einsatz ein

  • Hamburgs Polizeipräsident räumt Fehler beim G20-Einsatz ein

  • Rückblickend würde er teilweise anders entscheiden, sagte er in einem Interview

Der Hamburger Polizeipräsident Ralf Martin Meyer hat erstmals Fehler beim G20-Einsatz eingeräumt. Er würde "niemals behaupten, dass die Polizei immer alles richtig macht", sagt Meyer der Wochenzeitung "Die Zeit". "Polizisten machen Fehler, wie alle Menschen."

So hätte die Polizei das Protestcamp im Altonaer Volkspark stärker bewachen müssen. "Es waren ja Kräfte vor Ort", sagt Meyer, "aber letztlich nicht genug."

Man könne in solchen Einsätzen immer nur mit Wahrscheinlichkeiten arbeiten. "Wenn wir das heute noch einmal entscheiden könnten, würde ich sagen: An diese schwarze Gruppe aus dem Camp müssen vier Hundertschaften ran."

"Man demoliert doch nicht sein eigenes Wohnzimmer!"

Die Polizei geht davon aus, dass am Freitagmorgen während des G20-Gipfels ein Schwarzer Block aus dem Protestcamp aufbrach, eine Hundertschaft der Polizei angriff und in Altona zahlreiche Autos in Brand steckte und Schaufensterscheiben einschlugen.

Zu schlimmen Ausschreitungen kam es am Freitagabend im Schanzenviertel. Meyer wehrt sich im Gespräch mit der "Zeit" gegen Vorwürfe, die Polizei hätte das Viertel von Anfang an besser sichern müssen.

Derartige Ausschreitungen und Plünderungen seien nicht vorhersehbar gewesen. "Wir hatten Hinweise, dass in wohlsituierten Stadtteilen etwas passieren könnte, in Pöseldorf, Harvestehude oder hoch bis Poppenbüttel", sagt der Polizeipräsident. "Aber in der Schanze? Man demoliert doch nicht sein eigenes Wohnzimmer."

Das Schanzenviertel gilt als linkes Szeneviertel, dort befindet sich auch das linke Kulturzentrum Rote Flora.

Schaden beläuft sich auf zwölf Millionen Euro

Nach ersten Schätzungen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft belaufen sich die Schäden durch Randalierer beim G20-Gipfel auf zwölf Millionen Euro.

Berücksichtigt wurden dabei Schäden an Fahrzeugen, Wohngebäuden und Geschäften, die im Zuge der G20-Krawalle entstanden sind. Allein vier Millionen Euro entfallen auf Autos. Wie viele Autos tatsächlich beschädigt wurden, ist nicht bekannt.

Bei den Ausschreitungen sollen 476 Polizisten verletzt worden sein. Eine Recherche der Nachrichtenseite "Buzzfeed" kam jedoch zu dem Ergebnis, dass die Zahl übertrieben sei.

Insgesamt seien 21 Beamte so schwer verletzt worden, dass sie am Folgetag oder in den Tagen darauf nicht wieder einsatzfähig waren. Mehr als 95 Prozent der Verletzten hätten aber nach einer kurzen Behandlungspause wieder ihren Dienst machen können.

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