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19/07/2017 12:07 CEST

ARD-Sendung wirft Palmer vor, "niederste fremdenfeindliche Instinkte" zu bedienen - der legt dann erst richtig los

Thomas Niedermueller via Getty Images
Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer lässt die Vorwürfe von Georg Restle nicht auf sich sitzen

  • Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer hat bei Facebook geschrieben, ein Teil der Asylbewerber stelle eine Gefahr für die Öffentlichkeit dar

  • Das kritisierte der Moderator des ARD-Politikmagazins "Monitor", Georg Restle

  • Restle unterstellt Palmer, bewusst im "braunen Sumpf" zu graben

Nach den Ausschreitungen bei Volksfesten in Reutlingen, Böblingen und Schorndorf bei denen auch Flüchtlinge unter Tatverdacht stehen, hatte sich Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer in gewohnt krawallbürstiger Manier in die Debatte über die Gewaltbereitschaft von Migranten eingemischt.

Palmer meint, es werde immer bedenklicher, "junge Asylbewerber mittendrin" auf dem Volksfest seien. Er betonte, dass "die Gruppe der Zuwanderer überdurchschnittlich häufig an der Begehung von Straftaten beteiligt" sei.

"Tief gewühlt haben Sie da im tiefbraunen Sumpf", schreibt "Monitor"-Moderator Georg Restle

Jetzt hat Georg Restle, Moderator des ARD-Politikmagazins "Monitor", auf Palmers Vorwürfe reagiert. "Da haben Sie wohl - mal wieder - etwas vorschnell aus der Hüfte geschossen", postet das Magazin im Namen Restles auf Facebook. Es sei wirklich blöd für ihn gelaufen, dass ihn die Wirklichkeit einhole und die Polizei ihn Lügen strafe, stichelt Restle sarkastisch.

Scheinbar gehe es Palmer ja aber auch gar nicht um Fakten, sondern um etwas ganz anderes: "Sie wollen offensichtlich ganz dicht ran ans fremdenfeindliche AfD-Wählervolk. Schaut man sich die Reaktionen auf Ihrem Facebook-Profil an, haben Sie das auch geschafft. Tief gewühlt haben Sie da im tiefbraunen Sumpf, der Ihnen jetzt - gleichermaßen faktenfrei - applaudiert."

Besonders ärgerlich findet Restle an Palmers "Schnellschüssen" vor allem eins: "Dass Sie mit Ihrem Vokabular niederste fremdenfeindliche Instinkte bedienen und sich dann auch noch als Aufklärer gegen die bösen Antirassisten in der Opfer-Rolle gefallen." Und das würden sonst nur noch die AfD-Frauen Alice Weidel und Beatrix von Storch sowie ihre männlichen Mitstreiter schaffen.

Dass es laut polizeilicher Statistiken ein Problem mit jungen ausländischen Gewalttätern gebe, über das gesprochen werden muss, bestreitet Restle nicht. Allerdings: "Differenziert, nüchtern und an den Fakten orientiert".

"Ich würde wirklich gerne wissen, wozu das alles gut sein soll?", fragt sich Boris Palmer

Palmer lässt die Vorwürfe erwartungsgemäß nicht lange auf sich sitzen und reagiert erneut auf Facebook. Dazu zitiert er zunächst noch einmal das Protokoll der Polizei zu den Vorfällen in Schorndorf und meckert, dass man Probleme nicht ansprechen dürfe, ohne zur AfD geschickt zu werden.

Dann listet er sechs vermeintliche Faktenfehler in Restles Kommentar auf. Unter anderem tue der ARD-Moderator so, als wisse er genau, was in Schorndorf passiert sei. Doch laut Palmer könne das niemand wissen.

Außerdem habe in der "gemeinhin als seriöse Quelle" geltenden Polizeimeldung gestanden, dass vier Asylbewerber im Rahmen des Volksfestes Frauen sexuell attackiert hätten, schreibt Palmer und versucht so abermals zu rechtfertigen, dass es dringend erforderlich sei "im Interesse der vielen friedlichen und gesetzestreuen Flüchtlinge ganz nüchtern die Probleme" zu lösen.

Er sei der Auffassung, auch wenn es schon immer sexuelle Gewalt auch von deutschen Männern gegeben habe, "dass die Kriminalstatistik sehr klare Belege dafür liefert, dass Asylbewerber weit überproportional durch sexuelle Übergriffe auffallen."

Zum Abschluss zeigt sich Palmer nochmal unfair behandelt, weil Restle zur "moralischen Keule" greife und ihm unterstelle nur im braunen Sumpf zu fischen und es dem ARD-Moderator gar nicht in den Sinn komme, "dass ich sagen könnte, was meiner Überzeugung entspricht".

"Ich würde wirklich gerne wissen, wozu das alles gut sein soll. Ihre Vermutung, dass es nur um den Effekt und den Beifall geht, will ich nicht übernehmen. Also, erklären Sie es mir?", fordert der Grüne und endet seine Ausführung betont freundlich mit "Ihr Boris Palmer".

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(ks)

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