"Gefährlich und geistesgestört": In der konservativen Partei eskaliert der Streit über den richtigen Brexit-Kurs

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BRUSSELS
"Gefährlich und geistesgestört": Der Streit bei den Tories über den richtigen Brexit-Kurs eskaliert | Yves Herman / Reuters
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  • Der Streit über den richtigen Kurs bei den Brexit-Verhandlungen stellt die konservative Partei vor eine Zerreißprobe
  • Ein Mitglied der Tories macht den Ministern Boris Johnson und Michael Gove schwere Vorwürfe

Das Ringen um den EU-Austritt Großbritanniens hat begonnen. Während die Unterhändler in Brüssel einen Konsens suchen, droht der Streit im Kabinett der britischen Premierministerin Theresa May zu eskalieren.

Das eine Lager um Schatzkanzler Philip Hammond und Brexit-Minister David Davis versucht, den besten Deal für Großbritannien herauszuschlagen. Doch ihr pragmatischer Ansatz stößt auf Widerstand.

Hardliner wie Außenminister Boris Johnson und Umweltminister Michael Gove stehen in der Kritik, vehement auf einen "harten Brexit" zu pochen.

Uneinigkeit innerhalb des Kabinetts

Der bisherige Höhepunkt dieses Streits waren die harschen Worte eines Parteikollegen. Hammond versuche, den Brexit bewusst zu “verkacken”, sagte er gegenüber dem britischen "Telegraph".

gove johnson
Außenminister Johnson und Umweltminister Michael Gove

Hammond befürwortet einen "weichen Brexit" mit einer zweijährige Übergangsphase, in der Arbeitsplätze und Handel im Vordergrund stehen sollen. Er wird besonders aus der eigenen Partei mit Anschuldigungen überzogen.

Boris Johnson und Michael Gove werden verdächtigt, im Hintergrund gegen Hammond zu intervenieren.

Früherer Berater: "Davis ist unfassbar dumm und eine faule Kröte"

Ein Sprecher des Außenministeriums bezeichnete diese Anschuldigungen zwar als “einfach nicht wahr”. Doch die Kritik an den beiden Tory-Politikern reißt nicht ab.

philip hammond
Schatzkanzler Philip Hammond

“Boris Johnson und Michael Gove haben sich in den letzten Tagen so schrecklich benommen, dass sie sich letztlich selbst disqualifiziert haben. Sie sollten sich wieder als Schmieranten verdingen, wie sie es früher getan haben”, forderte ein Tory-Mitglied gegenüber der HuffPost UK. Er spielte damit auf die Vergangenheit der beiden Politiker als Journalisten an.

“Sie sind so sehr von einem harten Brexit besessen, dass sie unsere Wirtschaft gegen die Wand fahren würden – und sie verabscheuen die Tatsache, dass wir bei den nächsten Wahlen verdientermaßen verlieren werden, sollten wir das tun", sagte er weiter. "Darauf hat Philip hingewiesen hat. Sie sind gefährlich und geistesgestört.”

Auch Goves früherer Berater Dominic Cummings schaltete sich ein. Er bezeichnete Davis als “unfassbar dumm” und “faule Kröte”.

Hammond will Arbeitsstellen in Großbritannien sichern

Cummings startete seine Attacken bereits wenige Stunden, nachdem Davis aus Brüssel zurückgekehrt war.

Er behauptete außerdem, dass Theresa May den Brexit-Gesetzesentwurf, der letzte Woche enthüllt wurde, “einfach nicht versteht”. Denn er beinhalte eine Klausel, die die Regierung dazu ermächtige, alles wieder hinzuwerfen, falls die EU dies verlange.

In der Fernsehsendung “The Andrew Marr Show” sagte Schatzkanzler Hammond über die Leaks: "Ich glaube, dass der meiste Krach von denjenigen Leuten kommt, die nicht glücklich mit der Agenda sind, an der ich in den letzten Wochen gearbeitet habe." Seine Agenda solle sicherstellen, dass die Wirtschaft, die Arbeitsstellen und der Lebensstandard Großbritanniens gesichert seien.

Die Einheit seiner Partei wird dadurch allerdings bedroht.

Dieser Artikel ist zuvor auf HuffPost UK erschienen und wurde von Andreas Marx ins Deutsche übersetzt

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