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18/07/2017 21:42 CEST | Aktualisiert 19/07/2017 07:58 CEST

Bedingungsloses Grundeinkommen: dm-Gründer widerlegt in Interview das wichtigste Argument der Kritiker

dpa
Bedingungsloses Grundeinkommen: dm-Gründer widerlegt in Interview das wichtigste Argument der Kritiker

  • dm-Gründer Götz Werner hat sich in einem Interview für das bedingungslose Grundeinkommen ausgesprochen

  • Er versuchte auch, einen der größten Kritikpunkte an der Idee zu widerlegen

Das bedingungslose Grundeinkommen (BGE) hat ebenso leidenschaftliche Verfechter wie Gegner. Die einen halten die Idee für eine Geldverschwendung. Andere, wie Tesla-Chef Elon Musk, sehen in einem Grundeinkommen die einzige Chance, Menschen in Zukunft ein gerechtes Leben zu ermöglichen.

In Deutschland ist dm-Gründer Götz Werner ein Fürsprecher des bedingungslosen Grundeinkommens. In einem viel beachteten Interview mit der "Frankfurter Rundschau" hat er kürzlich erklärt, warum ein Grundeinkommen seiner Meinung nach Menschen nicht faul werden lasse.

Wer würde dann noch arbeiten?

Neben den Kosten ist der größte Kritikpunkt von Skeptikern, dass sehr viele Menschen nicht mehr arbeiten würden. Wer würde noch Toiletten putzen, Bus fahren oder bei der Müllabfuhr schuften, wenn er 1000 Euro im Monat vom Staat ohne Gegenleistung geschenkt bekommen würde?

Werner dagegen glaubt, dass Menschen ihre Arbeit machen, wenn sie dafür von der Gesellschaft wertgeschätzt werden. Sollten sich nach Einführung eines Grundeinkommens nicht ausreichend Arbeitskräfte für einen Job finden, gibt es für ihn nur drei Möglichkeiten:

"Erstens: Die Löhne steigen, bis sich genug Menschen für den Job interessieren. Zweitens: Man erledigt die Aufgabe selbst. Oder drittens – und dieser Prozess ist längst im Gange – übernehmen Roboter, Rechner und andere Maschinen die Arbeit", sagte er im Interview.

Faul würden die Menschen durch das Grundeinkommen aber nicht werden. "Es wird einen kleinen Teil der Bevölkerung geben, vielleicht ein oder zwei Prozent, die das Grundeinkommen nehmen und das war’s", sagte Werner.

Tatsächlich würden Menschen aber jetzt schon jeden Tag enorme Leistungen erbringen, ohne dafür bezahlt zu werden. Werner nennt Kindererziehung, Pflege und ehrenamtliche Arbeiten als Beispiele.

Produktivität sei viel höher

Er glaubt daher, das Grundeinkommen werde für Menschen viel eher befreiend wirken - und dafür sorgen, dass sie nach sinnvoller Arbeit streben.

"Menschen wollen nicht lebenslang stehen bleiben, nur weil es ein BGE gibt. Sie wollen sich einbringen und weiterentwickeln", sagte er. Am Ende würde laut ihm die Produktivität einer Gesellschaft steigen, bekäme jeder Mensch ein Grundeinkommen. Denn die Menschen würden sich bei der Arbeit, die sie freiwillig leisten, stärker einbringen.

Ein Testlauf in Finnland mit einem bedingungslosen Grundeinkommen von monatlich 560 Euro und 2000 Teilnehmern kam zu diesem Ergebnis.

Die Teilnehmer berichten davon, dass sie mehr Lust haben, einen Arbeitsplatz zu suchen und mehr Zeit finden, um Geschäftsideen zu verfolgen, wie die britische Tageszeitung "Independent" berichtet.

In Deutschland will die Jamaika-Koalition in Schleswig-Holstein mit einem Grundeinkommen experimentieren. Die genauen Bedingungen des Versuchs stehen allerdings noch nicht fest.

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(ks)