POLITIK
18/07/2017 16:33 CEST | Aktualisiert 18/07/2017 16:46 CEST

Ein Foto aus Dresden zeigt einen dramatischen Kursschwenk der AfD

dpa
AfD-Anhänger demonstrieren jetzt gemeinsam mit Pegida-Anhängern

  • In Dresden haben Pegida und AfD gemeinsam gegen einen Auftritt des Bundesjustizministers demonstriert

  • Dieser Schulterschluss wäre vor Monaten noch undenkbar gewesen

  • Er offenbart einen Kursschwenk der AfD

Es sind auf den ersten Blick immer wieder die gleichen Bilder aus Dresden: Da marschieren Menschen mit Trillerpfeifen auf, rufen "Haut ab" und "Volksverräter" und halten Transparente mit wütenden Sprüchen hoch.

So war es beim Tag der Deutschen Einheit, so ist es jeden Montag auf den Demos der fremden- und islamfeindlichen Pegida. Nur an diesem Montagabend waren gleich mehrere Sachen anders.

Das Bündnis verzichtete auf seine Kundgebung und entschied sich kurzerhand, für eine AfD-Demo zu mobilisieren. Bundesjustizminister Heiko Maas hatte sich für einen Vortrag über Fake News und Hetze im Internet in der Sporthalle in Dresden angekündigt.

Maas ist bei AfD- und Pegida-Anhängern ähnlich verhasst wie Angela Merkel. Und wenn der "Zensurminister" persönlich auffahre, werde man ihn "gebührend empfangen", hieß es vor der Veranstaltung.

"Maas muss weg"

Und so trommelten die beiden Gruppen ganz ungeniert gemeinsam für die Demonstration.

Deutlich wie selten zuvor wagten sie den Schulterschluss, wie zum Beispiel dieses Foto zeigt.

afd

"Gemeinsam sind wir stark", Screenshot aus diesem Video

Pegida und AfD arbeiten in Dresden mittlerweile eng zusammen. In den vergangenen Monaten entstand dort eine Allianz, die vor Kurzem noch undenkbar war. Sie könnte Vorbote eines Kursschwenks sein, der die Partei noch weiter nach Rechts trägt.

Noch im vergangenen Jahr setzte die AfD-Chefin Frauke Petry ein Kooperationsverbot mit Pegida durch.

Doch erst kippte ihn das Bundesschiedsgericht der Partei, dann stimmte auch ein Landesparteitag gegen den Vorstandsbeschluss. Seither ist Petry geschwächt – und die AfD nähert sich immer weiter dem Pegida-Lager an.

AfD-Jugendchef: "Wir stehen in der Sache vereint"

Im Mai hielten das islamfeindliche Bündnis und die Partei das erste Mal eine gemeinsame Kundgebung ab.

Damals bemühte sich der AfD-Kreisvorstand allerdings noch, die Versammlungen, die zeitlich nacheinander auf dem Neumarkt vor der Frauenkirche stattfanden, formal getrennt zu sehen. Redner beider Lager ließen aber keinen Zweifel daran, dass AfD und Pegida gemeinsam demonstrierten.

"Wir haben heute Geschichte geschrieben", sagte der Vorsitzende der Jungen Alternative in Dresden, Matthias Scholz. "Heute stehen wir zwar hier in den Demo-Wagen getrennt, aber in der Sache vereint."

Medien kritisieren Bündnis mit "Kleinkriminellen"

Pegida hatte zuvor unverhohlen und unter Verwendung des AfD-Logos zu einer gemeinsamen Kundgebung aufgerufen. Mehr als die sonst üblichen rund 2000 Anhänger versammelten sich daraufhin vor der Frauenkirche.

Die "Lausitzer Rundschau" kommentierte damals:

"In vier Jahren Existenz hat die AfD so scheinbar alles abgeräumt, was an Provokation gedacht werden kann. (...) Außer eben Pegida. Die Clique aus Party-Machos rund um den vorbestraften Kleinkriminellen Lutz Bachmann hatte für die Strategin Frauke Petry zu viel Igitt-Faktor. Doch das war dann wohl gestern."

Die formale Trennung ist spätestens seit Montag Geschichte.

Da redete zum Beispiel Egbert Ermer aus dem AfD-Kreisverband Sächsische Schweiz-Osterzgebirge (hier im Video).

Der richtete dann auch ein "Dankeschön an unsere Freunde von Pegida". Nur gemeinsam werde man dieses Land retten können – und "da müssen alle Patrioten zusammenhalten".

Mit allen Patrioten, damit meinte er im Übrigen auch die Nazis, die am Wochenende in Thüringen ein Rechtsrock-Konzert abhielten und bundesweit Schlagzeilen machten.

"So sieht Nationalstolz aus, so sieht ein Rockkonzert aus"

"So sieht Nationalstolz aus, so sieht ein Rockkonzert aus", sagte der AfD-Politiker dazu. Wie das genau aussah, das konnte man in einem Mitschnitt des Konzerts sehen.

Dort ruft das Publikum laut "Heil Hitler", fast alle heben ihren rechten Arm zum Gruß.

Hitlers Verehrer, das sind offenbar nun auch die Freunde der AfD. Damit versinkt die Partei noch tiefer im braunen Sumpf.

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(ben)

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