Zwickauer Friseur will Syrer anstellen - dann sorgt ein Schild an der Ladentür für wütende Reaktionen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
HAIRDRESSER
Zwickauer Friseur will Syrer anstellen - dann sorgt ein Schild an der Ladentür für einen Shitstorm | Kai Pfaffenbach / Reuters
Drucken
  • Ein Zwickauer Friseur wollte einen syrischen Flüchtling anstellen
  • Darauf erntete die Kette Klier einen Shitstorm

Eigentlich wollte die Friseurkette Klier nur helfen. Anstatt Zuspruch von den Kunden erntete die Filiale in Zwickau jedoch einen Shitstorm.

Die Klier-Filiale in den Zwickauer Arcaden wollte nämlich einen syrischen Flüchtling einstellen, der in seiner Heimat schon als Friseur gearbeitet hatte. In den Abendstunden sollte der Mann wegen Engpässen beim Personal der einzige Friseur im Salon sein. Eine Mitarbeiterin hängte ein Schild auf, um die Kunden zu informieren.

Leider formulierte sie die Botschaft äußerst ungünstig:

"Sehr geehrte Kundschaft, aus personalbedingten Gründen bedienen wir vom 10.07. - 15.07. 17 ab 16:00 Uhr keine Damenkunden. In diesem Zeitraum haben wir einen syrischen Herrenfriseur im Salon, der ausschließlich nur Herren bedient. Vielen Dank für Ihr Verständnis."

Das Foto wurde tausendmal geteilt

Der eigentliche Grund, warum der Mann nur Männer bedient: Er ist ausgebildeter Herrenfriseur, kann also gar keine Frauenschnitte.

Doch der wütende Netz-Mob hinterfragt selten, wenn er so eine Steilvorlage bekommt. Eine Zwickauer Kundin fotografierte das Schild und teilte es auf Facebook - Tausende teilten es nach ihr.

Die rassistischen Kommentare überschlugen sich. "Ich würde eh nicht zu einem syrischen oder wie auch immer muslimischen Friseur gehen, schon allein aus Bedenken, meinen Kopf zu verlieren", kommentiert eine Frau. "Wie kommt man nach dieser fürchterlichen Geschichte letztens mit dem Syrer, der seine Chefin umbringen wollte, dazu, so einem ein Rasiermesser in die Hand zu drücken", schreibt eine andere.

"Ich glaube ich muss mal mit meinem Schlagstock rum kommen... Andererseits lieber so als dass er die ganzen Frauen vergewaltigt", schreibt ein weitere Facebook-Nutzer.

Natürlich waren auch zahlreiche Boykott-Aufrufe zu lesen.

"Ausschließlich zum Herrenfriseur ausgebildet"

Klier reagierte schnell und veröffentlichte am Samstag eine Stellungnahme auf der eigenen Facebook-Seite:

"Bei dem Mitarbeiter in besagtem Salon handelt es sich um einen Herrenfrisör aus Syrien. Das heißt, dass er in seiner Heimat ausschließlich zum Herrenfrisör ausgebildet worden ist. Das macht er perfekt. Aber er hat keine beruflich-fachliche Qualifikation, einen Damen-Haarschnitt auszuführen. Folglich bedient er ausschließlich aus diesem Grund nur Herren. Den Unterstellungen, dass es sich um eine religiös motivierte Diskriminierung von Frauen handeln würde, möchten wir entschieden widersprechen."

Demnach hat der Friseur wohl auch zahlreiche wütende Anrufe bekommen.

Aus Schutz wird der syrische Friseur jetzt nicht mehr allein im Salon arbeiten, wie die "Bild"-Zeitung meldet.

Mehr zum Thema: Zwischen Gewalt, Verzweiflung und Tod - wie ich als Priester in Aleppo den Menschen Hoffnung schenke

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

(ujo)

Korrektur anregen