Americas biggest Loser: Trump steht in einer Umfrage so schlecht da wie kein Präsident zuvor

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Americas biggest Loser: Trump steht in Umfrage so schlecht da wie kein Präsident zuvor | Gonzalo Fuentes / Reuters
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  • US-Präsident Donald Trump ist so unbeliebt wie kein anderer Präsident nach einem halben Jahr im Amt
  • Trump wehrt sich - und zieht das Ergebnis in Zweifel
  • Tatsächlich ist die Umfrage aber auch eine Niederlage für die Demokraten

US-Präsident Donald Trump ist ein Mann der Rekorde. Er schüttelt, quetscht und presst fremder Regierungschefs Hände rekordverdächtig lang. Er hat für einen US-Präsidenten eine Rekordsumme auf dem Konto. Und er hat Rekord-Umfragewerte.

So schnell wie er - schon am neunten Tag im Amt - hatte kein US-Präsident die Mehrheit der Bürger gegen sich. Und jetzt, nach einem halben Jahr im Amt, bekommt er so wenig Zustimmung wie kein anderer Präsident seit Beginn der Umfrage vor 70 Jahren.

Der US-Sender ABC News und die Zeitung "Washington Post" haben am Sonntag eine Umfrage veröffentlicht, laut der nur 36 Prozent der Amerikaner mit Trumps Arbeit zufrieden sind.

Ähnlich schlecht stand nur Gerald Ford da

Zum Vergleich: Auf Platz zwei dieses unrühmlichen Rankings liegt Gerald Ford. Er erhielt im Februar 1975 nur 39 Prozent Zustimmung.

Das Umfrageinstitut Langer Research hatte für die jüngste Umrage in der Zeit vom 10 bis 13. Juli gut 1000 Menschen telefonisch interviewt.

Ärger über Donald Trump Jr.

Die Befragten halten es für unangemessen, dass sich Trumps Sohn Donald Trump Jr. mit einer russischen Anwältin getroffen hat; sie vermuten, dass Russland Trumps Wahlkampagne beeinflusst hat. In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass Trump Jr. der Anwältin gemailt hatte, er würde gerne die angebotenen Daten über die Rivalin seines Vaters, Hillary Clinton, bekommen. Trump Jr. hatte das zugegeben – und dennoch verschwiegen, dass an dem anschließenden Treffen auch noch ein russisch-amerikanischer Lobbyist teilgenommen hatte.

Laut der Umfrage glaubt die Mehrheit der Amerikaner auch nicht, dass Trump das Zeug hat, mit anderen Staatschefs zu verhandeln. Die Eklats auf den Gipfeln in Sizilien und in Hamburg dürften dieses Urteil maßgeblich beeinflusst haben.

Auch mit den Plänen der Republikaner zur Gesundheitsvorsorge sind die meisten Befragten nicht einverstanden.

Ein neuer Berater soll das Desaster in den Griff kriegen

Trump wehrt sich gegen die negative Publicity. Das Weiße Haus hat am Samstag angekündigt, dass nun ein Sonderberater die Kuh vom Eis holen soll, der frühere Staatsanwalt Ty Cobb. Er soll sich um die Russland-Verwicklungen kümmern.

Nach Angaben des Senders CNN hat Cobb unter anderem einen Fleisch-Produzenten erfolgreich verteidigt, dem die Behörden vorwarfen, sie im Zusammenhang mit bakterienverseuchtem Fleisch belogen zu haben. Außerdem verteidigte Cobbs einen Spendensammler der Demokraten, der es mit den Gesetzen zur Parteienfinanzierung nicht so genau genommen hatte.

Trump zieht das Umfrageergebnis in Zweifel

Wie üblich wehrt sich Trump allerdings auch gegen die Fakten. Auf Twitter behauptete er, die Umfragen von ABC News und der "Washington Post" seien schon in der Zeit der Wahl eine der ungenauesten gewesen.

Tatsächlich hatte sie am 1. November, eine Woche vor der Wahl, Trump knapp vor Clinton gesehen. Noch kürzer vor der Wahl war in der Umfrage allerdings Clinton mit mehreren Punkten Abstand vor Trump gelegen.

Auch andere Institute waren zu vergleichbaren Ergebnissen gekommen.

Peinliches Ergebnis für die Demokraten

Spannend ist allerdings auch, was die aktuelle Umfrage noch zeigt: Nämlich wie viel Rückhalt Trump noch immer in bestimmten Gruppen genießt.

So halten 82 Prozent der befragten Republikaner Trumps Arbeit für gut – erstaunlicherweise auch elf Prozent der Demokraten. Dass das Gesamtergebnis so eindeutig gegen Trump spricht, liegt also an den Amerikanern, die keiner Partei angehören.

Und nach wie vor bekommt Trump von Männern mehr Unterstützung als von Frauen, von Älteren mehr als von Jüngeren, von der Landbevölkerung mehr als von Städtern, von Weißen mehr als von Farbigen und Spanischstämmigen.

Trump ist inzwischen mit so vielen und so massiven Vorwürfen konfrontiert und trotzdem halten diese Leute zu ihm. Man man kann also davon ausgehen, dass er bei der Mehrheit seiner Anhänger Narrenfreiheit hat. Er kann machen, was er will – sie werden hinter ihm stehen. Sie werden sich nicht von Argumenten abbringen lassen. Trump zeigt ihnen, wie man sie gekonnt negiert, ignoriert.

Allerdings machen auch die Demokraten derzeit keine gute Figur. Die Mehrheit der Befragten hat nicht den Eindruck, dass die Partei für etwas steht – außer dafür, gegen Trump zu sein.

Das ist peinlich wenig in einer Zeit, in der schon ein kleiner kluger Gedanke reichen würde, um sich gegen den Präsidenten wohltuend abzusetzen.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

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(ks)

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