US-Kolumnist erklärt, warum Merkel die westliche Welt nicht anführen kann

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MERKEL TRUMP
US-Kolumnist erklärt, warum Merkel die freie Welt nicht anführen könne | POOL New / Reuters
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  • Nach der Wahl von US-Präsident Trump hatten Medien Kanzlerin Merkel zur "Anführerin der freien Welt" ausgerufen
  • Ein US-Kolumnist erklärt, Deutschland sei völlig ungeeignet, die Führungsrolle der USA zu übernehmen

Nach der Wahl von US-Präsident Donald Trump hatte die "New York Times" Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ein besonderes Prädikat verlieren: Die "Anführerin der freien Welt" sollte sie künftig sein. Das sorgte für Aufregung.

Donald Trump hat unter seiner Führung die USA international bei einigen Themen isoliert. "Amerika zuerst" ist bekanntermaßen sein Motto.

Kann Deutschland unter Kanzlerin Merkel die entstandene Lücke auf der politischen Weltbühne füllen?

Der Kolumnist James Kirchick sagt: nein. In einem Beitrag für die US-Nachrichtenseite "Daily Beast" erklärt er warum. Der Beitrag erschien übersetzt auch in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Deutschland ist zu friedlich

Kirchick schreibt, er könne verstehen, warum viele Liberale in den USA Deutschland als Vorbild und Hoffnungsträger verstünden. Er nennt als Stichwörter die Flüchtlingspolitik, die Energiewende, die vielseitige und kooperative Diplomatie.

Doch egal, wie stark Deutschland die Werte des Westens auch verkörpern möge: "Angela Merkel führt ein Land, das in keiner Weise in der Lage ist, diese Werte auf der Weltbühne zu verteidigen, und schon gar nicht im gleichen Maße wie die Vereinigten Staaten", schreibt Kirchick.

Die liberale Weltordnung, die Washington errichtet habe, sei von der "enormen und unerreichten militärischen Stärke" der USA untermauert gewesen. Deutschland sei dagegen immer "mit dem Pazifismus verheiratet" gewesen.

Als Beispiel nennt Kirchick die 2016 vom damaligen Außenministers Frank-Walter Steinmeier (SPD) geübte Kritik an den Nato-Manövern im Osten Europas. Als "Säbelrasseln und Kriegsgeheul" hatte Steinmeier die Übungen verurteilt. Der aktuelle Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) habe das Zwei-Prozent-Ziel der Nato unlängst als "völlig unrealistisch" bezeichnet.

"Deutschlands Vorliebe für den Frieden ist völlig verständlich angesichts seiner Geschichte", schreibt Kirchick. Leider Gottes mache diese Vorliebe das Land aber ungeeignet dafür, "die freie Welt in einer Zeit anzuführen, in der autoritäre Kräfte ihren Willen mit militärischer Macht durchsetzen".

Deutschland sei das schwächste Glied im Widerstand gegen Russland

Und aus einem weiteren Grund erachtet Kirchick Deutschland als untauglich, die Werte des Westens zu verteidigen: Die Bundesrepublik könne Russland nicht die Stirn bieten. Seine provokante These:

"Eine Schuld aus der Kriegszeit, umfangreiche Geschäftsbeziehungen und besagter Pazifismus haben Deutschland schon seit langem zu Europas schwächstem Glied im Widerstand gegen russische Bestechung gemacht", schreibt Kirchick.

Er verweist auf den Bau der Nordstream-2-Pipeline. Sie soll russisches Gas direkt nach Deutschland transportieren - und die Ukraine und andere Staaten in Mittel- und Osteuropa umgehen.

Für Kirchick steht fest: Die traditionelle amerikanische Führungsrolle könne von niemandem ausgefüllt werden. Daher sei Trumps Verzicht auf die Rolle "so schwerwiegend und so gefährlich".

Kirchick ist nicht der erste Journalist, der zu diesem Urteil kommt. Bereits im Juni hatte "Welt"-Kommentator Dirk Schümer geschrieben, Deutschland könne die Rolle der Führungsnation als "militärischer Zwerg" nicht übernehmen.

Der britische Journalist Sunny Hundal äußerte Anfang Juni Zweifel, ob Merkel die Rolle als Anführerin der westlichen Welt wirklich ausfüllen könne - wegen der strikten deutschen Abschiebe-Politik nach Afghanistan.

Deutschland müsse bei der Asylpolitik ein Beispiel für den Rest der Welt darstellen. "Die Menschen in Afghanistan gehören zu den wenigen, die wirklich unsere Hilfe brauchen“, sagte Hundal der HuffPost damals.

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(ks)

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