Irrer Foodtrend: Viele Menschen essen jetzt schwarze Lebensmittel - das kann unangenehme Folgen haben

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  • Schwarze Lebensmittel sind der neueste Trend - vor allem auf Instagram
  • Aktivkohle verleiht den Lebensmitteln die schwarze Farbe
  • Die Kohle zu essen soll angeblich gesund sein, kann aber negative Folgen haben, wie Experten warnen

Instagram-Nutzer sind ganz außer sich vor Freude, denn: Sie haben einen neuen Ernährungstrend für sich entdeckt, der fotogener ist als ein Grünkohl-Smoothie und cooler wirkt als Chia-Samen: schwarze Lebensmittel.

Und zugegeben: Es hat schon was, dieses schwarze Essen. Es sieht ungewöhnlich aus, ein bisschen geheimnisvoll.

OMG!!😍 #blackicecream #love #repost #flatlaytoday

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Doch wenn man weiß, warum die Lebensmittel diese schwarze Farbe haben, wirkt das Essen gleich viel weniger appetitlich. Die haben sie nämlich ihrem Haupt-Inhaltsstoff zu verdanken: Aktivkohle.

Aktivkohle kommt eigentlich in Chemie und Technik zum Einsatz

Aktivkohle ist ein Kohlenstoff, der eigentlich als Adsorptionsmittel verwendet wird, unter anderem in der Chemie, Medizin, Abwasserbehandlung oder Lüftungs- und Klimatechnik. Lecker.

Das kann man sich auch gleich mal ins Gesicht schmieren.

Am I trying out a charcoal peel, or am I becoming a super villain? You decide. #selfie #charcoalpeel #supervillain

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Instagrammer feiern die Kohle neuerdings nicht nur als Lebensmittel, sondern auch als Allheilmittel für Haut, Zähne, Haare und gegen schlechte Stimmung.

Als Reinigungscreme ist die Aktivkohle dabei noch am harmlosesten: Außer dass sie die Haut austrocknet, soll sie laut Dermatologen nichts anrichten. Durch die Austrocknung hilft sie im besten Fall sogar gegen Pickel.

Tatsächlich ist Aktivkohle als eines der ältesten Arzneimittel bekannt. Schon lange bevor es Beauty-Blogger für sich entdeckt haben, sollen es die Griechen und Ägypter als Medizin verwendet haben.

Aktivkohle kann Giftstoffe aufnehmen - wenn vorhanden

Denn dank der Zusammensetzung aus Kohlenstoffpartikeln sei die Aktivkohle in der Lage, andere Stoffe wie Toxine, Chemikalien oder auch Geruchsmoleküle an ihrer Oberfläche an sich zu binden, schreibt das Online-Portal "gesundheit.de". Aktivkohle könne dadurch Giftstoffe aus dem Magen-Darm-Trakt aufnehmen.

Und dafür braucht man nur einen Burger zu essen? Klingt gut.

Natürlich gibt es einen Haken. Aktivkohle wirkt nur, wenn man tatsächlich unter Magenbeschwerden leidet. Viele Social-Media-Influencer haben das etwas anders verstanden und loben die Kohle als Detox-Wunder.

Das aber sei völliger Unsinn, sagen Experten denn: Sich zu entgiften, wenn man nicht vergiftet ist, sei gar nicht möglich.

Expertin: "Detox ist nicht belegt"

"Es gibt keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass Entgiftungs-Diäten oder Detox-Produkte die Ausscheidung von Giftstoffen fördern", sagte die Ernährungswissenschaftlerin Silke Restemeyer von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung der HuffPost. "Der Detox-Begriff ist weder definiert noch wissenschaftlich belegt."

Mehr zum Thema: Experten erklären, warum Detox eine Lüge ist

Wenn Ernährungsexperten oder Ärzte Aktivkohle empfehlen, dann gegen etwas anderes: gegen Erbrechen, ein Völlegefühl, Durchfall oder Blähungen. Jetzt wissen wir also, warum die Beauty-Blogger wirklich Aktivkohle essen ...

Zu viel Aktivkohle schadet nur

Wenn man zu viel davon zu sich nimmt, kann das sogar negative Folgen haben.

"Aktivkohle unterscheidet nicht zwischen guten oder schlechten Nährstoffen, im Magen bindet es alles", sagte die Ernährungswissenschaftlerin und Autorin Alissa Rumsey, dem Online-Portal "ATTN". "Das heißt: Durch die Aktivkohle könnte man auch weniger Vitamine und Minerale aufnehmen."

Bei übermäßiger Einnahme sollen sich die positiven Effekte der Kohle außerdem ins Gegenteil verkehren. Es kann zu Verstopfungen oder Erbrechen kommen, wie das Online-Portal "gesundheit.de" warnt.

Mehr zum Thema: Ernährungstrend Warrior-Diät: Experten erklären, warum er nicht nur absurd, sondern auch gefährlich ist

Unvermeidbar sei auch bei kleinen Mengen, dass sich der Stuhl schwarz färbe, ebenso die Zunge. Dürfte etwas gewöhnungsbedürftig aussehen.

Vorsicht, wenn ihr die Pille nehmt - oder beim Zähneputzen

Wenn man gleichzeitig die Medikamente oder die Pille zu sich nimmt, sollte man außerdem lieber einen Arzt um Rat fragen, schreibt das Portal.

Die Instagrammer stört das wenig. Sie schmieren sich die Aktivkohle gefühlt auf jedes Körperteil - und auch auf die Zähne. Denn putzt man sich mit Aktivkohle die Zähne, sollen sie danach angeblich in blendendem Weiß erstrahlen. Testerinnen können das nicht ganz bestätigen.

Die Aktivkohle ist aber nicht nur unnütz, sondern schadet den Zähnen auch noch. Die Körner der Kohle sollen nämlich wie eine Art Schmirgelpapier wirken. Dadurch putzen sich Aktivkohle-Fans mit der schwarzen Paste den Zahnschmelz von den Zähnen, was Langzeitfolgen hat, wie das Online-Portal "dentalwissen" warnt.

Denn: Ist der schützende Zahnschmelz einmal weg, ist er für immer weg. Da helfen dann später nur noch künstliche Zähne - und das wird teuer.

Halten wir fest: Aktivkohle kann im schlimmsten Fall die Aufnahme von wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen stören, den Zahnschmelz zerstören und zu Magenbeschwerden führen.

Und das alles für ein paar Likes auf Instagram.

#aktivkohle

Ein Beitrag geteilt von ⚓ marijke van de tusnelda (@uschiherzig) am

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(lk)