9 Anzeichen, dass der Brexit nicht so verlaufen wird wie geplant

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BREXIT
9 Anzeichen, warum der Brexit nicht nach Plan verläuft | aja84 via Getty Images
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  • Während heute die Brexit-Verhandlungen in die zweite Runde gehen, sind viele Punkte noch völlig unklar
  • So bemängelt der deutsche Finanzausschuss "absurde" Verhältnisse bei den britischen Kollegen
  • Auch innerhalb der britischen Regierung ist man sich über viele Streitpunkte uneins

In Brüssel hat heute die zweite Runde der Brexit-Verhandlungen begonnen. In den nächsten vier Tagen besprechen mehrere Arbeitsgruppen den Austritt Großbritanniens aus der EU.

Es werden schwierige Verhandlungen, viele Punkte sind noch offen. Diese neun Anzeichen deuten an, dass der Brexit wohl nicht nach Plan verlaufen wird:

1. Die britische Regierung zerfrisst sich selbst

In der Talkshow "The Andrew Marr Show" gab der britische Schatzkanzler Philip Hammond zu, dass das Kabinett sich in verschiedenen Dingen nicht einig sei.

Der konservative Politiker soll dem Kabinett laut mehreren Medienberichten gesagt haben, Arbeiter des öffentlichen Sektors seien "überbezahlt" und dass "selbst" eine Frau die Führung des fahrenden Zuges, wie er seine Partei nannte, übernehmen könne.

In der "Marr-Show" erklärte er weiter, dass es viele Kollegen innerhalb seiner Partei gebe, die seine Agenda für weitere Übergangsregelungen nach dem Brexit ablehnen.

Hammond sagte: "Ich glaube, dass der meiste Krach von denjenigen Leuten kommt, die nicht glücklich mit der Agenda sind, an der ich in den letzten Wochen gearbeitet habe. Die Agenda soll sicherstellen, dass wir einen Brexit erzielen, der unsere Wirtschaft, Arbeitsstellen und unseren Lebensstandard sicherstellt."

2. Die Sicherheit in Großbritannien ist in Gefahr

Ein Bericht, der bald vom Oberhaus des britischen Parlaments veröffentlicht werden soll, verdeutlicht mögliche Konsequenzen für die Sicherheit in Großbritannien. Darin heißt es, dass der Austausch von Sicherheitsinformationen nicht gewährleistet werden könne, wenn nicht auch der Europäische Gerichtshof involviert werde.

Dieser Austausch wird von Premierministerin Theresa May derzeit nicht unterstützt. Die britische Regierung will damit die juristische Oberhoheit des Europäischen Gerichtshofes in Großbritannien beenden.

manchester terror

Eine Insider-Quelle berichtete der britischen Zeitung "The Independent", dass das Parlament ein solches Abkommen als unabdingbar betrachtet, wenn die Regierung die nationale Sicherheit nicht aufs Spiel setzen will.

Der Insider erklärte: "Das Parlament hat sehr wenig Vertrauen darin, dass neue Verhandlungen rechtzeitig zu einem Ergebnis kommen. Also ist der Status Quo, der den Europäischen Gerichtshof mit einbezieht, besser für uns."

Und weiter: "Das Parlament war verdutzt darüber, dass die Minister nicht in der Lage waren, eine klare Marschrichtung vorzugeben und zu sagen, wie sie angesichts der enormen Komplexität des Themas Sicherheit damit umgehen wollen."

3. Die Democratic Unionist Party

Mays desaströses Ergebnis bei den vorgezogenen Parlamentswahlen hat dazu geführt, dass nun eine Partei mit kruden Ansichten Einfluss auf die Brexit-Verhandlungen nimmt. Denn die Democratic Unionist Party (DUP) sichert den Tories die absolute Parlamentsmehrheit.

Doch die nordirische Partei lehnt Abtreibung, die Gleichstellung von Schwulen und Lesben sowie die Evolutionstheorie ab.

Das kann sicher nicht Mays Plan gewesen sein...

4. Frankreich ist bereit, sich auf London zu stürzen

Der frühere britische Innenminister Jeremy Browne, der als Brexit-Gesandter der Stadt London fungiert, hat offenbart, dass Frankreich das finanzielle Herz des Vereinigten Königreichs schwächen wolle.

Er sagte: "Sie (die Franzosen, Anm. d. Red.) sind sich in ihrem Vorhaben sicher, Großbritannien zu schwächen und die derzeitige Degradierung Londons voranzutreiben."

macron may

5. Deutschland kritisiert die "absurde Vorbereitung"

Irische Senatoren, die vom deutschen Finanzausschuss informiert worden waren, ließen kein gutes Haar am Brexit-Verhandlungsteam des Vereinigten Königreichs.

merkel may

Ray Butler – einer von ihnen – sagte: "Die Deutschen berichteten über ihr Treffen mit dem britischen Finanzausschuss und waren geschockt, wie sie den Brexit behandeln." Sie seien sehr schlecht vorbereitet und es sei "eine Schande", so den Brexit zu organisieren.

"Sie sagten, es war gar absurd. Die Deutschen haben das Treffen jedenfalls ziemlich verärgert verlassen."

6. Großbritannien wird niemals rechtzeitig vorbereitet sein

Der frühere Leiter des öffentlichen Diensts, Lord O'Donnell, hat davor gewarnt, dass Großbritannien sich auf einen harten Kurs einstellen müsse, besonders wegen Streitereien innerhalb der Regierung, unrealistischen Erwartungen und einer überforderten Verwaltung.

Gegenüber der britischen Zeitung "The Observer" sagte O'Donnell: "Die EU hat klare Verhandlungsrichtlinien, während es so scheint, als hätten die Kabinettsmitglieder nicht einmal untereinander verhandelt – geschweige denn mit der EU."

Er sehe "keine Chance", dass alle Verhandlungsdetails in 20 Monaten ausgearbeitet sein werden.

"Wir brauchen eine lange Übergangsphase und die Zeit wird nicht dadurch geringer, dass man vortäuscht, man einige sich schnell auf eine gemeinsame Politik. Das sehe ich momentan nämlich nicht."

7. Selbst Mays Wahlkampfmanager bezeichnet ihren Plan als "inakzeptablen Bullshit"

Dominic Cummings, der Mann hinter der Kampagne des EU-Referendums, bezeichnete Mays Brexit-Plan vergangene Woche als "inakzeptablen Bullshit". Der müsse "wieder gerade gebogen werden oder May "wird in den ersten beiden Augustwochen Ladungen von beschissenen Ideen auf uns abwälzen".

In einer Serie von Tweets kritisierte Cummings die Entscheidung der Premierministerin, aus der Atomgemeinschaft "Euratom" auszusteigen. Euratom kümmert sich unter anderem um einheitliche Sicherheitsstandards in der EU:

"Die Dödel der Regierung behaupten, sie wollen sich von Euratom lösen. Grenz-debil auf jedem Level: Strategie/Politik/Wissenschaft/Bürokratie"

8. Die Ära der Billigflüge ist in Gefahr

Die in London ansässige Airline Easyjet kündigte eine neue Basis in Wien an, um sich auf die Auswirkungen des Brexits vorzubereiten.

Easyjet ließ verlautbaren, damit ihre Flugrechte in Europa zu verteidigen. Allerdings kämpfe das Unternehmen trotzdem für einen Deal, dass weiterhin günstige Flüge zwischen Großbritannien und der EU erlaube.

9. Liam Fox ist immer noch ohne Arbeit

Seit Juni 2016 ist Liam Fox als Handelsminister für den Abschluss der Deals verantwortlich.

Doch er kann sich nicht mit den Tories darüber einigen, wann er denn mit seiner Arbeit beginnen kann.

liam fox

Letzte Woche sagte Fox, er sei glücklich, wenn die Übergangszeit nur einige Monate dauere. "Die Verhandlungen müssen diesbezüglich sehr limitiert sein und uns das Recht geben, eigene Handelsverträge auszuarbeiten." Ihm sei es recht, wenn Großbritannien am ersten Tag nach dem Brexit auch mit Nicht-EU-Ländern Handelsverträge abschließt.

Zuvor jedoch kündigte Schatzkanzler Hammond eine lange Übergangszeit an: "Solche Dinge geschehen nicht über Nacht."

Dieser Artikel ist zuvor auf HuffPost UK erschienen und wurde von Andreas Marx ins Deutsche übersetzt

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