Wer gestern in der Türkei telefonieren wollte, musste sich zunächst eine Rede von Erdogan anhören

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ERDOGAN
Wer gestern in der Türkei telefonieren wollte, musste sich zunächst eine Rede von Erdogan anhören | Wolfgang Rattay / Reuters
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  • Vor einem Jahr putschten in der Türkei Militärs gegen den Präsidenten - erfolglos
  • Zum "Jahrestag der Niederschlagung des Putsches" ließ sich der Autokrat Erdogan nun etwas einfallen
  • Jeder, der in der Türkei einen Anruf absetzen wollte, musste sich eine Rede von ihm anhören

Wie es sich für einen sich anschickenden Diktator gehört, ist Recep Tayyip Erdogan in der Türkei omnipräsent. Auf Plakaten, im Fernsehen, im Radio - und neuerdings auch als Bandansage, vor jedem Telefonat.

Denn zum "Jahrestag der Niederschlagung des Putsches", den Erdogan in der Türkei am Samstag feiern ließ, hatte sich der türkische Präsident etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Nicht nur, dass er am Abend in einer Rede "Verrätern" drohte, ihnen den Kopf abzuschlagen - nur, um gleichzeitig auch einen Friedensnobelpreis für die Türkei zu verlangen.

Nein, Erdogan wanzte sich auch mit einer kurzen Rede ins Ohr jedes Menschen in der Türkei, der einen Anruf tätigen wollte.

"Gottes Gnade unseren Märtyrern"

Auf Twitter haben mehrere Bewohner der Türkei die Bandansage Erdogans gepostet.

Ein Nutzer übersetzte sie mit Untertiteln. Demnach sagt Erdogan auf der Aufnahme: "Als dein Präsident gratuliere ich dir zu deinem Nationaltag der Demokratie und Einigkeit am 15. Juli, wünsche unseren Märtyrern Gottes Gnade und unseren Veteranen Gesundheit und Wohlleben."

Mehrere Nutzer des sozialen Netzwerks wiesen darauf hin, dass Erdogans Botschaft sogar vor Notrufe geschaltet worden sei.

Selbst für Erdogan wäre das eine neue Eskalationsstufe seiner Propaganda.

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(mm)

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