NACHRICHTEN
16/07/2017 10:22 CEST | Aktualisiert 16/07/2017 16:31 CEST

Erdogan will die Türkei in eine Diktatur verwandeln - und die "Süddeutsche Zeitung" druckt seine Propaganda ab

Twitter

  • Eine ganzseitige Anzeige in der "Süddeutschen Zeitung" erhitzt die Gemüter auf Twitter

  • Kritiker werfen der Tageszeitung vor, türkische Propaganda abzudrucken

Die "Süddeutsche Zeitung" hat in ihrer Wochenend-Ausgabe eine Anzeige abgedruckt, bei dessen Anblick so mancher Demokrat seinen morgendlichen Kaffee über die Tischdecke prusten wird.

Zum "Jahrestag der Niederschlagung des Putsches“ druckte die überregionale Tageszeitung mit Sitz in München eine ganzseitige, komplett in Rot-Weiß gehaltene Propaganda-Meldung der türkischen Regierung ab.

Es ist die Rede von "kriminellen Terroristen"

Unter dem Titel "Sieg der Demokratie über den Terror“ soll die Anzeige an den 15. Juli 2016 erinnern, dem Jahrestag der Niederschlagung des Putsches in der Türkei. Offensichtlich handelt es sich bei der Anzeige um eine Propaganda-Meldung, welche die Putschisten des 15. Juli als "kriminelle Terroristen" tituliert.

In der Veröffentlichung ist die Rede von einem "bekannten kriminellen Terrornetzwerk, dass alle staatlichen Strukturen über Jahrzehnte infiltriert“ habe. Das türkische Volk hätte am 15. Juli den blutigen Anschlag "einer verbrecherischen Terrororganisation“ mit "einer beispiellosen Opferbereitschaft vereitelt“, heißt es in der Anzeige, die mit dem heroisch anmutendem Slogan "Temmuz 2016“, also Juli 2016, gestempelt ist.

"Mit Demut und Respekt verneigen wir uns nochmals vor unseren Märtyrern, die ihr Leben im Widerstand gegen den Putschversuch heldenhaft geopfert haben“, heißt es weiter in der Anzeige.

Warum die "Süddeutsche Zeitung“ eine derartige, klar erkennbare Propaganda-Meldung abgedruckt hat, ist bisher unklar. Im Internet erhitzt die Annonce schon jetzt tausende Gemüter.

Erdogan-Kritiker prangern Doppelmoral der "SZ" an

Auf Twitter und Facebook drückten zahlreiche Regime-Kritiker lauthals ihren Unmut über die Anzeige aus. Insbesondere prangern viele die Doppelmoral der "SZ“ an. Einerseits fordere die Tageszeitung Solidarität mit dem immer noch inhaftierten Journalisten Deniz Yücel und fordere dessen Freilassung - andererseits sei sich aber nicht zu schade, eine Anzeige der autokratischen türkischen Regierung abzudrucken.

"Das Fressen kommt vor der Moral, gell?“, kommentierte ein wütenderer Twitter-User die Anzeige. Manche Nutzer gingen sogar so weit, die "Süddeutsche Zeitung" als "Propagandablatt" zu beschimpfen. Andere bedankten sich zynisch für die Anteilnahme der vielen Opfer des Putschversuches.

Bisher hat sich die "Süddeutsche Zeitung“ noch nicht zu den erhobenen Vorwürfen geäußert. Allerdings berichtete Klaus Brinkbäumer, der Chefredaktuer des "Spiegels" auf Twitter, dass sein Magazin die Anzeige angeboten bekommen - und abgelehnt - habe.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Der Putschversuch in der Türkei 2016 am 15. und 16. Juli 2016 war ein gescheiterter Aufstand von Teilen des türkischen Militärs, der zum Ziel hatte, die türkische Regierung unter Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan zu stürzen. Es war der blutigste Putsch in der Geschichte der modernen Türkei.

Bis heute ist unklar, ob der Putsch von Erdogan selbst inszeniert wurde. Nach der Niederschlagung des Aufstandes wurden mehr als 140.000 Staatsbedienstete in der Türkei suspendiert oder entlassen. Mehr als 50.000 Menschen wurden in Untersuchungshaft gesperrt.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

(jg)

Sponsored by Trentino